Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2015
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Verwirrung um rote Preise

Die deutlich unterschiedlichen Releasezyklen des hauseigenen Enterprise-Linux und der Open-Stack-Versionen bei Red Hat sind genauso vorhanden wie bei Freunden des Chamäleons. Als dieser Artikel entstand, war Version 5 von Red Hat Enterprise Linux Open Stack Platform (RHELOSP, Icehouse-basiert) noch aktuell und Nummer 6 (mit Open Stack Juno) kam gerade heraus.

Momentan sieht es so aus, als würden die Rothüte versuchen die zeitlichen Support-Lücken zwischen ihrer Open-Stack-Distribution und dem Enterprise-Linux zu verkleinern. RHELOSP in Variante 3 (basierend auf Grizzly) erhielt der Kunde mit einem Jahr Unterstützung in Produktion. Die Nachfolgeversion, mit Havana-Fundament, hatte schon 18 Monate im Angebot. Für Version 5 kann man ganze drei Jahre Unterstützung bekommen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist damit also Ende Juni 2017 Schluss.

Das ist recht lange, wenn man bedenkt, dass Open Stack zu diesem Zeitpunkt schon fünf Versionen weiter sein wird. Welche Dienstleistung im Detail enthalten ist, hängt von der konkreten Vereinbarung mit Red Hat ab. Im einfachsten Fall, also etwa für eine Evaluierung, ist nur ein Rechner nötig. Auf der Betriebssystem-Seite empfiehlt sich Red Hat Enterprise Linux 7 als guter Unterbau. Prinzipiell ist auch Version 6.5 denkbar, aber nicht zukunftsorientiert.

Ein gültiges Abo für die RHEL Open Stack Platform enthält auch die Berechtigungen, das darunterliegende hauseigene Enterprise-Linux zu pflegen. Die Frage, was die Cloud aus dem Hause Red Hat kostet, ist offenbar nicht einfach zu beantworten.

Die Rothut-Variante von Open Stack ist "nur" eine Komponente von RHCI – der Red Hat Cloud Infrastructure. Zusätzlich soll der Kunde auch die Virtualisierung (RHEV), Systemverwaltung (Satellite) und Cloudmanagement (Cloudforms) kaufen. Die Preissituation scheint so kompliziert, dass selbst Red Hat eigenen Blogbeiträgen im Internet widerspricht, die von Preisen ab 3000 Euro schreiben, und auch auf beharrliche Anfragen wortreich zu schweigen versteht und keinen einzigen Preis zu Papier bringt.

Alle für einen

Wie bereits erwähnt, ist auch die Rothut-Version von Open Stack ausgesprochen gut dokumentiert. Dies gilt ebenso für die Installation. Dort findet sich sogar ein separater Eintrag für die Evaluierungsinstallation. Dessen Detailtiefe ist aber nicht unbedingt nötig. Die unter [2] hinterlegte Dokumentation reicht in vielen Fällen völlig aus. Die Rothüte listen vier Anforderungen auf: eine RHEL-7-Installations-DVD, eine Netzwerkverbindung ins Internet, einen Rechner und zirka 30 bis 45 Minuten Zeit.

Den Installationsprozess selbst unterteilt Red Hat in sechs Abschnitte. Den Anfang macht die Versorgung des Rechners mit RHEL 7. Danach registriert der Anwender das System im Kundenportal. Im dritten Schritt entfernt er die nicht benötigten Softwareverzeichnisse aus der Yum-Konfiguration. Danach erfolgt die Installation von ein paar Hilfswerkzeugen für den Paketmanager, die Justierung der Repository-Einträge und schließlich die Installation der verfügbaren Patches und Updates. Je nach Umfang der Software vergeht hier schon mal etwas Zeit. Im nächsten Schritt klemmt der Benutzer den Networkmanager ab und startet das System neu. Der letzte Schritt beinhaltet die gesamte Magie und ist in der Ausführung erschreckend unspektakulär (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Installation von Open Stack in einem Rutsch – dank Packstack.

Im Hintergrund werkelt hier das auf Puppet aufsetzende Packstack ([6], auch auf der DELUG-DVD). Die Option »--allinone« erlaubt das Aufsetzen in einem Rutsch, ohne Vorüberlegungen über den zu verwendenden Platz oder das geplante Netzwerksetup. Was Einsteigern hilft, macht es aber auch erfahrenen Open-Stack-Admins einfacher: Sie können mit Packstack mehrere Rechner konfigurieren und die vorkonfigurierten Standardwerte den eigenen Bedürfnissen anpassen. Für ganz Hartgesottene gibt es sogar eine Anleitung, das Setup komplett manuell zu erledigen.

So oder so sieht sich der Benutzer am Ende einem Anmeldebildschirm (siehe Abbildung 2) gegenüber und kann loslegen. Fans des Zugangs per Shell sollten einen Blick in die Dateien »/root/keystonerc_admin« und »/root/keystonerc_demo« werfen. Dank weiterer Angebote wie dem "Red Hat Enterprise Linux Open Stack Platform Installer" oder eines mitgelieferten Cirr-OS-Image [8] ist die "rote" Installation ein erfreuliches Nicht-Ereignis, gerade angesichts des komplexen Open-Stack-Stacks.

Abbildung 2: Künftige Open-Stack-Rechner nach Red-Hat-Art warten auf ihre finale Installation.

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