Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2015
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Red Hat vs. Suse

Das Vorgehen beim Marktführer Red Hat erscheint analog zu Suse. Zunächst ist ein gültiges Konto im Red-Hat-Kundenportal nötig, dem Quasi-Nachfolger des RHN (Red Hat Network). Auch hier dient dieses Konstrukt zum Herunterladen der Software, dem Zugriff auf Updates und Patches und natürlich der Registrierung des Software-Abos auf den Anwender. Anders als bei den Nürnbergern gibt es keine ISO-Abbilder mehr für die Open-Stack-Komponenten.

Ein entsprechend vorbereitetes RHEL 7 holt und installiert die Pakete über den eingebauten Paketmanager Yum. Der Red-Hat-Kundenaccount dient zum Freischalten der entsprechenden Softwareverzeichnisse (Repositories) beim Distributor. Natürlich muss der Rechner entsprechend bei Red Hat registriert sein. Ein Registrierungsschlüssel für das Testabo entfällt, beim Anfordern muss der Anwender sein Benutzerkonto bei Red Hat angeben. Die Zuordnung der Subskription übernehmen die Rothüte im Hintergrund. Das Vorgehen ist identisch zu dem Fall, wenn man das Red-Hat-Produkt ganz offiziell bestellt.

Mit einer bestehenden VMware-Infrastruktur ist der Test über eine bereits vorgefertigte Appliance möglich. In jedem Fall sind die ersten Schritte wie bei Suse gut und übersichtlich dokumentiert. Abhängig von den Vorkenntnissen kann der Start mit Red Hat Enterprise Linux Open Stack Platform (RHELOSP) vollkommen unterschiedlich verlaufen – für den Erfolg des Produkts ist gute Dokumentation unerlässlich. Das gelingt den Rothüten sowohl für die ersten Schritte wie auch bei den ausführlicheren Informationen für später. Red Hat beachtet dabei die Rollen innerhalb des Wolken-Betriebs: Da ist einmal der Endanwender, der Verwalter der Cloudsoftware und natürlich der Administrator an sich.

Unterschiede bei der Doku

Zudem unterscheidet man in Raleigh zwischen einer Produkt-Evaluierung und der Installation im Enterprise-Umfeld. Diese Unterscheidung schlägt sich auch in unterschiedlichen Dokumenten zur Installationsbeschreibung nieder. Zudem gibt es noch Anleitungen, wie man das Eval-Setup manuell durchführt. Dabei sind keine Open-Stack-relevanten Vorkenntnisse nötig. Ein kompletter Start auf der grünen Wiese ist also möglich. Wer schon entsprechendes Wissen hat, kann sich an der Wiederholung erfreuen oder die Kapitel überspringen. Wer unbedarft mit der Suse Cloud starten will, kann ebenfalls auf ausreichend Dokumentation zurückgreifen. Wie die Rothüte reflektiert auch der Linux-Distributor aus Nürnberg die verschiedenen Rollen innerhalb der Wolke.

Neben einer Installationsanleitung finden sich Dokumente für die Administratoren der Suse Cloud und für die Endanwender. Dabei kann der Benutzer zwischen HTML, PDF oder dem freien E-Book-Format EPUB wählen. Open-Stack-Vorkenntnisse sind zwar hilfreich, aber nicht nötig, Suse holt den Benutzer beim Stand null ab. Kenner der Szene sehen sich mit Redundanzen zur Open-Stack-Dokumentation konfrontiert, es ist aber sehr angenehm, wenn alle notwendigen Informationen an einem Platz vorliegen. Ein Verweis auf die entsprechenden Hilfe-Seiten von Open Stack könnte hier eher verwirrend wirken.

Die Releasezyklen von Open Stack sind eine Herausforderung für die klassischen Enterprise-Distributoren. Hier stehen sechs Monate Releasezyklus einer Distributions-Laufzeit von zehn und mehr Jahren gegenüber. Der Linux-Distributor passt sich mit seiner Cloudlösung dem Open-Stack-Projekt an. Version 3 – basierend auf Havana – kam im Februar 2014 heraus und fällt ein Jahr später aus dem Support. Die aktuelle Variante 4 basiert auf Icehouse und gilt bis Ende August 2015 als unterstützt. Danach kommt Suse Cloud 5 zum Zuge, deren Unterbau Open Stack Kilo sein wird.

Die minimalistische Version von Suse Cloud erfordert drei Rechner (siehe Abschnitt über die Installation). Die verbundenen Kosten betragen gut 11  000 Euro pro Jahr. Enthalten ist der so genannte Prioritätssupport. Suse gewährt hier Unterstützung zu jeder Tages- und Nachtzeit mit einer Antwortgarantie innerhalb von einer Stunde. Die Abos für den darunterliegenden Suse Linux Enterprise Server sind ebenfalls enthalten. Beim Schreiben es Artikels entspricht dies einer gültigen Subskription für SLES 11 SP3.

Für zusätzliche Rechner muss der Benutzer wieder in die Tasche greifen. Für jeden so genannten Controller sind 3000 Euro und pro Compute-Rechner knapp 1000 Euro nötig. Für Letztere rechnet Suse pro CPU-Paar auf einem physischen Server ab. Dazu kommen noch die Kosten für das zugrunde liegende Betriebssystem. Dabei spielt es keine Rolle, ob KVM oder Microsoft Hyper-V den Hypervisor macht. Für die Integration in eine VMware-Umgebung ist mindestens Version 5.1 des V-Center nötig.

Weil keine Wolke ohne entsprechende Kapazitäten für die Datenablage funktioniert, greift, wer komplett grün bleiben will, auf das neue Produkt Suse Storage Server [6] zurück. Das ist natürlich nicht kostenfrei. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt stehen für 6000 Euro 36 TByte im Raum.

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