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Linux-Magazin 04/2015
© Maxim Kazmin, 123RF

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Exklusiv auf der Delug-DVD: Knoppix 7.5 Linux-Magazin Edition

Neue Architektur

Prof. Klaus Knopper stellt kurz vor der Cebit 2015 seine Knoppix 7.5 Linux-Magazin Edition vor. Im Artikel gibt er gleich selbst Einblicke in Distributions-Interna, beschreibt die neu hinzugekommenen Features und erzählt von seinen Schwierigkeiten mit Systemd.

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Seit über einem Jahrzehnt erscheinen auf meine Initiative hin unter dem Namen Knoppix ("Knoppers Unix System") jährlich etwa zwei Zusammenstellungen von Linux-Software. Knoppix bootet von DVD oder USB-Flashdisk und läuft sofort fertig konfiguriert los – ohne auf einer Festplatte installiert zu sein (Abbildung  1). Die enthaltene Software eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die pünktlich fertig gewordene Version 7.5.0 [1] basiert wie bei Knoppix üblich aus einem Mix von Debian Stable (Wheezy) und einigen Paketen (in erster Linie Grafiktreiber und Desktop-Programme) aus Testing und Unstable (Jessie). Um möglichst viel neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den Linux-Kernel 3.18.6 sowie Xorg 7.7 Core 1.16.2 und die 3-D-Desktoperweiterung Compiz 0.9.12 ( Abbildung 2 ).

Abbildung 1: Knoppix 7.5 bootet von DVD oder USB-Stick und passt sich selbstständig der vorgefundenen Hardware an.
Abbildung 2: Mit Compiz gerät das Umschalten zwischen den virtuellen Desktops zum 3-D-Ereignis.

Für Systeme mit mehr als 4 GByte RAM startet – automatisch erkannt oder mit der Bootoption »knoppix64« – ein 64-Bit-Kernel. Möglich werden so auch Systemreparaturen in 64-Bit-Umgebungen per Chroot. Hier eine sehr kurz gefasste Liste mit Highlights der neuen Version:

  • Experimentell unterstützter UEFI-Boot (32 und 64 Bit) von USB-Sticks
  • LXDE, der schlanke Knoppix-Standarddesktop mit dem Dateimanager Pcmanfm 1.2.3
  • KDE 4.8 (Bootoption »knoppix desktop=kde« )
  • Gnome 3.8 (Bootoption »knoppix desktop=gnome« )
  • Einfacher Desktop-Export via VNC und RDP für Remote Desktop Viewing unter Linux und Windows
  • Passend zum Heftschwerpunkt die Python-Clients für Open Stack (Cinder, Glance, Keystone, Nova, Quantum, Swift)
  • Chromium 40.0.2214.91, Iceweasel 35.0.1 mit Adblock Plus 2.6.6 und Noscript 2.6.9.3
  • Libre Office 4.3.2 ( Abbildung 3 ), Gimp 2.8.14, Blender 2.72
  • Wine 1.7 und Qemu-kvm 2.1
  • Barrierefreie Youtube-Anbindung im Adriane Audio Desktop [2]
  • Go-Compiler Golang 1.3.3 – passend zu einem Magazin-Artikel in der "Programmieren"-Rubrik.

Die meisten anderen Programme tragen neue Versionsnummern, nur fallen die Änderungen nicht so spektakulär aus.

Abbildung 3: Die Vielfalt der integrierten Anwendungen ist groß. Hier läuft im Vordergrund der Writer von Libre Office 4.3.2, dahinter liegen ein Spiel und der Browser Iceweasel 35.0.1.

Herausfordernd: Debians Systemd

Die Gründe für und wider Systemd haben in den letzten Monaten mehrere Communitys diskutiert. Das Debian-Team jedenfalls hat beschlossen, das Standard-Bootsystem umzustellen. Die enge Verzahnung vieler Systemdienste mit Systemd hat die Komplexität des Systems gegenüber früher stark erhöht und zugleich mir das Zusammenstellen von Knoppix recht schwer gemacht.

Mir ist es aber gelungen, zumindest das Knoppix-Bootsystem strukturell zu lassen wie es war. Es besteht im Wesentlichen aus nur einem Startskript, »knoppix-autoconfig« , für die Hardware-Erkennung und den Parallelstart wichtiger Systemkomponenten. Schlüssel ist ein eigenes Sysvinit-Paket. Den Systemd-eigenen System-V-Ersatz verwendet Knoppix nicht, obwohl die anderen Systemd-Komponenten der Dependencies wegen installiert sind. Daher ändert sich am Startvorgang von Knoppix gegenüber früher und anders als bei der "Jessie"-Debian-Basis nichts.

Läuft von Flashdisk runder

Heute installieren die meisten Anwender Knoppix eher auf einem USB-Stick (8 GByte) als es regelmäßig von DVD zu starten, zumal viele Net- und Notebooks gar kein DVD-Laufwerk mehr besitzen. Von DVD gestartet, zeigt Knoppix 7.5 ein Icon für »flash-knoppix« ( Abbildung 4 ), das Knoppix-nach-Flashdisk-Installationsprogramm, links oben auf dem Bildschirm an, da das Erzeugen eines bootbaren Knoppix-USB-Sticks wahrscheinlich in diesem Fall das Erste ist, was man tun möchte ( Abbildung 5 ).

Obwohl die DVD-Version durch eine Sortlist schon lese-optimiert ist – sie reduziert das häufige und sehr langsame Positionieren des Laser-Lesekopfs – beschleunigt Flashmemory den Startvorgang und das Arbeiten mit Knoppix um mindestens den Faktor fünf, sodass Startzeiten vom Laden des Kernels bis zum kompletten Desktop inklusive Compiz unter 15 Sekunden möglich sind, einigermaßen moderne Computer-Hardware und ein schneller USB-Stick vorausgesetzt.

Flash-knoppix sucht neuerdings auf dem Zielmedium nach einer alten Knoppix-Installation und bietet statt einer kompletten Neuinstallation an, nur das komprimierte Dateisystem und den Kernel auszutauschen. Da Softwarepakete, die der Anwender selbst installiert hat, mit dem neuen System inkompatibel sein könnten, gibt es eine Option, um nur die persönlichen Daten und Einstellungen in »/home/knoppix« zu behalten – oder aber alles nachträglich Installierte zu behalten. Das ist zwar selten empfehlenswert, spart aber manchmal Arbeit.

Damit das Update auf dem USB-Stick funktioniert, muss der Benutzer bei der Knoppix-Installation für die erste Partition mehr Platz einkalkulieren, damit später der Inhalt einer DVD draufpasst – 4,5 GByte sind ein guter Wert. Die beschreibbare Partition kann sich dann über den Rest des Sticks ziehen. Optional lassen sich auf der Datenpartition sensible Benutzerdaten wie Passwörter mit AES-256 symmetrisch verschlüsseln. Da Debian mittlerweile die Cryptoloop-Unterstützung aus Losetup entfernt hat, verwende ich in Knoppix 7.5 für die Datenverschlüsselung nun DM-Crypt per »cryptsetup« -Utility.

Abbildung 4: Viele Anwender betreiben Knoppix von USB-Stick. Der Desktop präsentiert das passende Icon.
Abbildung 5: Das Tool flash-knoppix sucht nach USB-Sticks – ab 8 GByte großen Exemplaren haben User Aussicht auf ein bootbares System.

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