Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2015
© Markus Feilner, BY-CC-SA 4.0

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Bericht von der Fosdem 2015

Nach dem Delirium

Alle Jahre wieder steht das letzte Januar-Wochenende im Zeichen der Fosdem. Die Freie Universität Brüssel gab den stets überfüllten Rahmen für Hunderte Vorträge nicht nur über mobile Geräte, Reisen zum Mars, Systemd und Virtualisierung. Wie immer gab's auch belgische Schokolade, Pommes und reichlich Bier.

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Auch das rappelvolle Beer Event [1] am Freitagabend im Café Delirium konnte die exakt 5000 Fosdem-Besucher (die maximal erlaubte Anzahl) am nächsten Morgen nicht von den frühen Keynotes der Fosdem 2015 [2] abhalten (Abbildung 1). Die Hallen der Université Libre de Brussels [3] platzen wieder mal aus allen Nähten, wenn sich Open-Source- und Linux-Spezialisten die Klinken in die Hand geben, um sich über Software, Hardware, Treiber, Legales oder Community-Themen auszutauschen.

© © Markus Feilner, BY-CC-SA 4.0Abbildung 1: Welcome to Fosdem! 5000 Besucher mit 12  000 Wifi-Geräten drängten sich in der Universität.

Klassisch: Der Fosdem-Hangover

Angesichts der starken Brüsseler Biere (meist zwischen 6 und 9 Prozent Alkohol) sprechen Fosdem-Veteranen vom "zwingenden Hangover", der grundsätzlich den folgenden ersten Fosdem-Tag präge. Neu war dagegen der Zwang zu IPv6 im Konferenz-Wifi (was anfangs nicht nur diverse Clients, sondern auch die Router vor Probleme stellte). Kompromisslos erklären die Organisatoren dazu: "Wir schreiben 2015, repariert eure Systeme, wenn das bei euch immer noch nicht geht!"

Nach der Begrüßung durch das Fosdem-Team gab Karen Sandler die erste Keynote zum Besten – und in der konnten sich viele Open-Source-Evangelisten und -Profis wiederfinden: Die Anwältin von der Software Freedom Conservancy sprach darüber, wie schwierig es manchmal sei, die eigene Identität zu wahren, wenn man gleichzeitig eine Firma, ein OSS-Projekt und eine Organisation vertreten müsse. In ihrem Falle seien das beispielsweise Outreachy (der Nachfolger des Gnome Women Outreach Programms), die Gnome Foundation und die Free Software Conservancy, also ihr Arbeitgeber.

Hausaufgaben

Dabei nicht den Faden zu verlieren sei gar nicht so einfach, erklärt Sandler. Überhaupt haben die Fosdem-Veranstalter einige Hausaufgaben zu erledigen: Bis nächstes Jahr müsse man einen Code-of-Conduct erarbeiten, also Verhaltensregeln, die auch Frauen den Konferenzbesuch sicherer und angenehmer gestalteten. Derlei sei in den USA üblich, in Europa leider nur spärlich vorzufinden, so Sandler.

Nach den weiteren Keynotes (beispielsweise "Was läuft schief in den Betriebssystemen?" von Antti Kantee, Fixup Software) teilen sich die Besucherströme auf in die zahllosen Tracks, Devrooms, Lightning Talks, Birds of a Feather und andere Veranstaltungsformen, die erst während der Fosdem im unkonventionellen Konferenzstil entstehen.

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