Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2015

Werkzeuge im Kurztest

Tooltipps

Im Kurztest: Wkhtmltopdf 0.12.2-dev, Natrix 2.1, Replacez 0.1.0, Ansifilter 1.11, Hotspotd 0.1.5

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Wkhtmltopdf 0.12.2-dev

HTML-Dokumente konvertieren

Quelle: http://wkhtmltopdf.org

Lizenz: LGPLv3

Alternativen: Html2ps, Lynx, W3m

Das praktische Kommandozeilentool Wkhtmltopdf wandelt HTML-Dateien ins PDF- oder Postscript-Format um und nutzt dazu die Rendering Engine Webkit. Anwender übergeben beim Aufruf entweder eine Datei von der Platte oder eine URL. Soll das Werkzeug mehrere Dokumente zusammenfassen, tippt der Nutzer diese in der gewünschten Reihenfolge hinter dem »wkhtmltopdf« -Kommando ein; das letzte Argument ist stets der Name der Ausgabedatei. Über die Endung (».pdf« oder ».ps« ) bestimmt er das Format.

Weitere Parameter beeinflussen die Auflösung vorhandener Bilder oder ersetzen Farben durch Graustufen. Auf Wunsch entfernt das Tool alle Grafiken. Andere Optionen bestimmen die Maße der Ränder und die Papiergröße. Darüber hinaus kann Wkhtmltopdf Deckblätter und Inhaltsverzeichnisse erstellen. Das Tool arbeitet mit zwischengeschalteten Proxyservern zusammen, sendet Benutzernamen und Passwörter an Webseiten und verwendet zum Layouten eigene Stylesheets. Eine ausführliche Erläuterung aller Optionen bietet die Manpage.

Wkhtmltopdf ist ein nützliches kleines Tool, das lokale und entfernte HTML-Seiten formatiert und als Postscript- oder PDF-Datei ablegt. Es bietet zahlreiche Konfigurationsmöglichkeiten und eignet sich hervorragend, um es in eigene Skripte zu integrieren.

Natrix 2.1

Netzwerkbereiche berechnen

Quelle: http://sourceforge.net/projects/natrix

Lizenz: GPLv3

Alternativen: Ipcalc, Gip

Beim Planen von Netzwerken, besonders beim Aufteilen der verfügbaren Adressbereiche in Subnetze, erhalten Admins Hilfe von Natrix. Das Tool mit der Qt-Oberfläche glänzt durch seine einfache Bedienung. Anwender geben die IP-Adresse ein und legen die gewünschte Netzwerkmaske fest. Natrix ermittelt dann die Gateway- und Broadcast-Adressen des jeweiligen Subnetzes. Außerdem bestimmt es die Netzwerkklasse und berechnet den Adressbereich, den der Admin im Subnetz vergeben darf.

Alle Werte präsentiert Natrix in dezimaler, hexadezimaler und binärer Form. Das Programm versteht neben IPv4 auch IPv6. Auch in diesem Fall geben Systemverwalter nur die Adresse und die Netzwerkmaske ein, und das Tool berechnet den Rest. Dabei bestimmt es praktischerweise auch die volle IPv6-Adresse, falls diese nur in einer optimierten Version vorliegt. Welcher Natrix-Job ansteht, legen Nutzer über »Settings« fest. Neben den erwähnten IPv4- und IPv6-Kalkulationen erreichen sie hier auch eine Umrechnungsfunktion für dezimale, binäre und hexadezimale Werte.

Wer den Adressbereich von Subnetzen berechnen muss, findet in Natrix einen zuverlässigen Helfer. Die Bedienung ist intuitiv und die Oberfläche übersichtlich. Schön wäre es, wenn das Tool die Ergebnisse speichern könnte.

Replacez 0.1.0

Suchen und Ersetzen

Quelle: https://github.com/tobimensch/replacez

Lizenz: MIT

Alternativen: Sed

Replacez unterstützt Nutzer beim Suchen und Ersetzen von Textmustern. Das Tool benötigt eine aktuelle Python-Version sowie das Docopt-Modul. Es liest zunächst den gesamten Content ein, wahlweise eine Datei oder von der Standardeingabe. Erst dann ermittelt es die Zeilen mit den gesuchten Mustern. Zu guter Letzt startet ein interaktives Interface.

Beim Aufruf nimmt Replacez hinter »-m« das Suchmuster entgegen. Reguläre Ausdrücke sind erlaubt. Jeden Treffer legt das Werkzeug als eigene Python-Datei im Verzeichnis »/tmp« ab. Danach beginnt die interaktive Arbeit. Am Prompt »[0]:« geben Anwender ihre Kommandos ein; [H] verrät die verfügbaren Befehle. Ein Druck auf [V] blendet eine Liste aller Treffer ein.

Mit [G] und der Nummer öffnet Replacez einen Treffer im Standardeditor. Ein alternatives Werkzeug bestimmen Nutzer beim Aufruf über »-e« oder interaktiv über [E]. Nachdem sie ihre Änderungen durchgeführt haben, können sie das Ergebnis als neue Datei abspeichern. Laut Handbuch fügt Replacez das Dokument zum Schluss wieder zusammen und nimmt die Ersetzungen vor. Im Test gelang dies jedoch nicht.

Die Idee ist gut – allerdings ist die erste Replacez-Version noch nicht ausgereift und enthält einen Bug.

Ansifilter 1.11

Ansi-Farbcodes umwandeln

Quelle: http://andre-simon.de

Lizenz: GPLv3

Alternativen: keine

Die meisten Terminals stellen Farben und Attribute wie Fett, Unterstrichen oder Blinkend dar. Problematisch werden die Ansi-Codes erst, wenn eine weitere Anwendung eine so formatierte Ausgabe weiterverarbeiten soll. Ansifilter entfernt alle Escape-Sequenzen aus Textdateien oder wandelt diese in farbige HTML-, Tex-, Latex-, Pango-, RTF- oder Bbcode-Dateien um. Das auf der Projektseite angebotene Archiv enthält zwei Versionen: eine grafische und eine für die Shell. Letztere steuern Benutzer über Aufrufparameter. Sie eignet sich besonders für den Einsatz in Skripten.

In puncto Funktionsumfang unterscheiden sich die beiden Tools nicht, auch wenn sie unterschiedliche Versionsnummern tragen. Ansifilter liest den Inhalt einer Datei ein, entfernt die Ansi-Elemente und schreibt das Ergebnis nach Standard-out. Alternativ nennen Nutzer hinter »-o« den Namen einer Ausgabedatei.

In der Voreinstellung speichert das Werkzeug im Textformat. Andere Dokumenttypen gelangen über Parameter wie »-H« , »-L« , »-P« , »-R« und »-B« auf die Platte. Einige Formate verstehen weitere Optionen. Für HTML-Dateien definieren Anwender beispielsweise das Encoding, eine Schriftart und -größe. Für HTML-, Tex- und Latex-Dateien verwendet Ansifilter auf Wunsch Stylesheets.

Das GUI steht auch für Windows-Systeme zur Verfügung. Die Projektseite enthält zudem ein Handbuch, das alle Parameter und Ausgabeformate erklärt.

Ansifilter hilft Linux- und Windows-Admins zuverlässig beim Entfernen von Escape-Sequenzen aus Programmausgaben oder Logfiles. Die Bedienung ist intuitiv, die Shell-Variante macht in eigenen Skripten eine gute Figur.

Hotspotd 0.1.5

Wifi-Hotspots aufbauen

Quelle: https://github.com/prahladyeri/hotspotd

Lizenz: MIT

Alternativen: AP-Hotspot, Hostapd

Ad hoc einen WLAN-Accesspoint bereitstellen – das beherrscht inzwischen jedes bessere Smartphone. Auch der Linux-Rechner bringt die nötigen Tools mit, um als Hotspot zu agieren. Hotspotd unterstützt Anwender dabei, einen solchen Zugriffspunkt einzurichten. Das Python-Skript ist ein Wrapper und greift im Hintergrund auf externe Helfer zurück: Hostapd stellt den Accesspoint bereit, während sich Dnsmasq um DNS und DHCP kümmert.

Um einen neuen Hotspot anzulegen, ruft der Benutzer das Tool mit Rootrechten auf. Beim ersten Einsatz prüft es die vorhandenen Schnittstellen und erlaubt, ein Netzsegment für den Accesspoint festzulegen. Darüber hinaus erfragt es die SSID und ein Passwort. Die Konfiguration speichert Hotspotd im Json-Format. Anwender rufen die Einrichtungsroutine jederzeit erneut über »sudo hotspotd configure« auf. Das Skript startet alle benötigten Dienste, aktiviert die IP-Adressen-Weiterleitung und setzt geeignete Firewallregeln. Der Parameter »stop« beendet den Daemon.

Beim Test mit den Quellen aus dem Github-Repository tauchten ein paar ärgerliche Fehler auf. Beim Stoppen des Daemon deaktivierte das Skript zwar den DNS-Dienst und setzte die Firewallregeln zurück, Hostapd blieb jedoch aktiv. Außerdem übernahm die Einrichtungsroutine die Änderungen an der Hostapd-Konfigurationsdatei »run.conf« nicht korrekt, das Tool startete immer mit der dort hinterlegten SSID.

Auch wenn das Skript bei der Interaktion mit Hostapd noch ein paar Schwächen zeigt, ist der Ansatz gelungen.

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