Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2015
© Judywie, photocase.com

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Latex-Editoren

Setzmaschinen

Latex erfreut sich nicht nur an Hochschulen großer Beliebtheit. Auch umfangreiche Buchprojekte, Handbücher und Produktkataloge entstehen mit dem professionellen Textsatzsystem. Die vorgestellten Entwicklungsumgebungen für den Linux-Desktop gehen Anwendern zur Hand.

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Ihre Latex-Dokumente schreiben viele Benutzer im Texteditor. Der unterstützt sie dabei mit Syntax Highlighting, Makros oder Tastenkürzeln, um wiederkehrende Aufgaben abzukürzen. Wer es nicht ganz so puristisch mag, installiert für den Lieblingseditor ein Plugin wie etwa Vim-Latex [1], Auctex [2] oder das Gedit-Latex-Plugin [3].

Mehr Komfort versprechen Entwicklungsumgebungen. Sie machen Latex-Kommandos, Sonderzeichen und Symbole über eine grafische Benutzeroberfläche zugänglich, helfen beim Erzeugen von Tabellen, Auflistungen und mathematischen Formeln, verwalten größere Projekte mit mehreren Dateien und integrieren Funktionen zum Erstellen und Anzeigen von Postscript- und PDF-Dokumenten.

Von den in dieser Bitparade vorgestellten Latex-Editoren profitieren Poweruser, Einsteiger und Gelegenheitsnutzer gleichermaßen. Als Kandidaten treten Gummi [4], Kile [5], Latexila [6] und Texmaker [7] an. Als Testumgebung diente ein Ubuntu-14.10-System (64 Bit) mit Unity-Oberfläche.

Gummi

Der erste Kandidat steht unter der MIT-Lizenz und ist in C und GTK+ implementiert. Die Projektwebseite [4] war zum Zeitpunkt des Tests nicht erreichbar; die aktuelle Version 0.6.5 befindet sich aber in den Paketquellen der Distributionen. Eine an GTK 3 angepasste Version steht darüber hinaus im Github-Repository des Entwicklers Wei-Ning Huang [8] bereit.

Das Programmfenster ist zweigeteilt: Links ordnet der Editor alle geöffneten Latex-Quelltexte auf mehreren Tabs an, rechts sehen Anwender eine Vorschau, die das Programm in der Voreinstellung jede Sekunde aktualisiert. Über weitere Reiter auf der rechten Seite erreichen Nutzer Compilermeldungen (»Build Log« ), eine minimale Projektverwaltung und die Bibliografie. Der Quelltext auf der linken Seite färbt Latex-Ausdrücke und -Befehle ein. Die aktuelle Zeile ist hervorgehoben und Zeilennummern sorgen für Übersicht.

In den Programmeinstellungen konfigurieren Benutzer eine andere Schriftart und -größe für den Editor. Im Dialog darunter wählen sie aus einer Liste ein alternatives Farbschema für das Syntax Highlighting aus. Gummi hat insgesamt fünf Auszeichnungsvorlagen im Angebot (Abbildung 1). Eine Autovervollständigung von Kommandos und Klammern fehlt. Letztere hebt das Programm immerhin paarweise hervor, wenn sich der Cursor über ihnen befindet.

Abbildung 1: In den Programmeinstellungen richten Gummi-Benutzer auf Wunsch eine andere Schrift für den Editor ein. Für das Syntax Highlighting stehen fünf Farbschemata zur Wahl.

In der Symbolleiste formatieren drei Icons Text als fett, kursiv oder unterstrichen; daneben sind weitere drei Symbole, um Text rechts- oder linksbündig beziehungsweise zentriert auszurichten. Unter dem Quelltext finden Anwender vier Schaltflächen, die Bilder, Tabellen, Matrizes und Bibliografien hinzufügen. In den Einstellungen definieren sie im Abschnitt »Vorgabetext« ein Template, das Gummi beim Programmstart öffnet. Vorlagen für andere Dokumenttypen erstellen sie zunächst als Grundgerüst im Editor und speichern diese dann über »Datei | Neu aus Vorlage« als Template ab.

Beweglich

Der so genannte Schnipsel Manager, den Anwender über die Einstellungen im Bereich »Editor« einrichten, definiert eigene Textbausteine. Das im Feld »Tab Auslöser« eingetragene Kommando, gefolgt von [Tabulator], fügt sie im Editor ein. Optional bestimmen Benutzer eigene Tastenkombinationen für die Schnipsel (siehe Abbildung 2). Gummi enthält bereits zahlreiche Vorlagen und nimmt auch eigene Schnipsel auf. Über »Dokument | Schnipsel einschalten« aktivieren Anwender den Helfer.

Abbildung 2: Der Schnipsel Manager von Gummi enthält zahlreiche vordefinierte Textbausteine, die mit einem Kürzel, gefolgt von Tabulator, ins Dokument wandern.

Eine rudimentäre Suchen-und-Ersetzen-Funktion fahndet vorwärts und rückwärts nach ganzen Wörtern und unterscheidet Groß- und Kleinschreibung. Reguläre Ausdrücke versteht Gummi nicht. Dafür prüft das Programm auf Wunsch die Rechtschreibung während der Eingabe. Benutzer wählen dazu in der Konfiguration unter »Verschiedenes« ein Wörterbuch aus und aktivieren die Kontrolle anschließend über »Dokument | Enable Spell Checking« . Gummi unterschlängelt falsch Geschriebenes mit einer roten Linie – bezieht dabei allerdings auch die Latex-Befehle selbst mit ein. Diese alle per Rechtsklick ins persönliche Wörterbuch aufzunehmen, artet in eine Klickorgie aus.

Gummi enthält keinen grafischen Formeleditor oder andere Hilfen für den Mathematik-Modus. Etwas besser sieht es mit der Bibtex-Integration aus. Gummi liest ».bib« -Dateien ein, kompiliert sie und listet die Einträge der Bibliografie auf der rechten Seite im gleichnamigen Reiter. Unterstützung beim Anlegen eigener Bibliografien erhalten Anwender von dem Programm nicht, sie greifen am besten zu einem externen Tool [9].

Über das Menü »Dokument« oder die Taste [F9] kompilieren Benutzer ihr Dokument. Auf welche Werkzeuge Gummi setzt, bestimmen die Einstellungen. Das GTK-Programm arbeitet mit Pdftex, Xetex, Rubber oder Latexmk zusammen. In den »Compilation Steps« entscheiden Anwender, welche Ausgabeformate dabei entstehen und ob Gummi nur ein PDF oder auch DVI- oder Postscript-Dateien erzeugt. Fehler und Warnungen erscheinen auf der rechten Seite im Bereich »Build Log« . Es handelt sich dabei um die Ausgabe der Shellkommandos. Unterstützung beim Deuten der teilweise kryptischen Fehler- und Warnmeldungen oder das direkte Navigieren zur Zeile mit dem Problem bietet Gummi nicht.

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