Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2015

Susecon 2014

Suse? Lego!

Im subtropischen Orlando hat Suse "nahezu perfekte" Zahlen vorgestellt. Attachmate und Microfocus schließen derweil die Übernahme des Mutterkonzerns ab, dazu stellt Suse neue Produkte wie Kgraft in SLES oder den Storage Server vor. Drum herum: Rockmusik, grüne Gitarren und Lego-Stop-Motion-Videos.

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Auch wenn Konkurrenten hinter vorgehaltener Hand gerne Gegenteiliges behaupten: Bei Suse ist man stolz und zufrieden mit dem laufenden Geschäft. Zwar konnte CEO Nils Brauckmann in seinem Ausblick auf die aktuellen Zahlen wegen der anstehenden Übernahme Attachmates durch Microfocus noch nicht so in die Details gehen wie gewohnt, doch zeigt sich der Suse-Chef derzeit im persönlichen Gespräch wie viele seiner Mitarbeiter auch äußerst zufrieden. (Eine Linksammlung zu den News und weiterführenden Artikeln rund um Suse und die Susecon gibt es unter [1].)

Die allgemeine Zufriedenheit durchdrang auch den Partner-Summit namens Susecon im November. Die Veranstaltung werde immer größer, und mehr und mehr Analysten wie Garnter und Forrester interessierten sich bereits für das Event. Suses Strategie mit "True Open Source" zahle sich aus, erklärt Brauckmann. Alle Key-Indikatoren seien überaus positiv, die Firma wachse, die Neubuchungen machten bereits 65 Prozent aller Buchungen aus. Der CEO sieht eine hervorragende Zukunft.

Im Microfocus

Auch der jüngste Merger Attachmate-Microfocus, der just in der Susecon-Woche Ende November über die Bühne ging, weise in diese Richtung, so Brauckmann. Attachmate wird Teil der Microfocus-Gruppe, die an der Londoner Börse gelistet ist. Microfocus' Kerngeschäft sei es, großen Unternehmen dabei zu helfen, Legacy- und alte Soft- und Hardware-Stacks loszuwerden – mit Produkten wie Visual Cobol oder "Solutions" für Mainframes, Borland und Corba.

Gerade die Migrationen seien schließlich Suses Stärke, meint Brauckmann: Microfocus und Suse passen also richtig gut zusammen, da ist er sich sicher. "Microfocus ist auf Märkten aktiv, die wir noch nicht bedienen – auch das passt perfekt." Auch auf der menschlichen Ebene funktioniere die Kooperation bereits hervorragend.

Neben der erneuten Übernahme standen auf der Susecon auch neue Produkte im Fokus, zum Beispiel das SLES-Add-on fürs Live-Kernelpatchen mit Kgraft, der Suse Storage Server mit Ceph, ein größeres Ökosystem für die Suse Cloud einschließlich der Möglichkeit, SLES-Lizenzen in die Cloud zu transferieren, oder der Suse-Support für SAP-Startups. Nicht zuletzt die Entscheidung von SAP – nach der 2012 erfolgten Zertifizierung von Suse als einziges Enterprise-Linux für SAP Hana –, die grüne Linux-Distribution auch intern zu verwenden, hinterlässt in Orlando einige stolze Suse-Manager (Abbildung 1).

© © Markus Feilner, BY-CC-SA 4.0Abbildung 1: Suse-CEO Nils Brauckmann und Kevin Loosemore, CEO des neuen Attachmate-Eigentümers Microfocus im Gespräch mit Michael Miller (von links nach rechts).

Angefeuert von Lego-Videos und Rockmusik mit harten Gitarrenriffs startete die Susecon 2014 in ihren ersten Tag. Die Keynote präsentierte wie immer Suses Marketing-Chef Michael Miller, dieses Jahr allerdings als lockere Talkshow. Da liefert dann CEO Brauckmann Zahlen, Kunden konnten Best-Practice-Ansätze vorstellen, Suse-Partner und der neue Eigentümer zeigten die großartigen Erfolge, Produkte und Visionen.

Suse scheint auf dem aufsteigenden Ast, glaubt man Brauckmann: Die Buchungen nahmen um 27 Prozent zu, überall auf der Welt, die Einnahmen seien um 17 Prozent gestiegen, die Neubuchungen sogar um 47 Prozent. Damit mache das Neukundengeschäft fast zwei Drittel des gesamten Suse-Business aus, so berichtete Nils Brauckmann im lockeren Talkshow-Stil. Auch der Microfocus-Chef Kevin Loosemore kam zu Wort: Zur Übernahme von Suses Muttergesellschaft Attachmate sagte er: "Unsere Aktien stiegen sofort um 20 Prozent – und Suse passt perfekt zu uns."

Im weiteren Verlauf der Keynote vor etwa 600 Besuchern (Abbildung 2) ergriffen ein Forrester-Analyst (James Staten: "Ihre Daten werden 2015 in der Cloud sein und in Ihre Cloud wird eingebrochen werden, und Sie werden die Schuld dafür tragen") sowie diverse Kunden und Partner von Suse das Wort. Dazu gehören HP, SAP und die Swiss Re.

© © Markus Feilner, BY-CC-SA 4.0Abbildung 2: Mit zwischen 500 und 600 Besuchern ist die Susecon im fernen Amerika auf Wachstumskurs.

Die zweitgrößte Rückversicherung der Welt, hat eben erst alle Systeme auf Linux migriert, weil sie auf nachhaltige Strategien setze, natürlich auf Suse mit SAP. Auch der größte Steuerzahler Hongkongs setzt Suse ein: Der Hong Kong Jockey Club, ein wichtiger Arbeitgeber der Millionenstadt, verdient sein Geld mit Pferderennen, Casinos und "Gambling-Angeboten" und verwendet seit 2014 nur mehr Suse Linux Enterprise.

Auch neue Produkte und zahlreiche Verbesserungen an den bestehenden hat das grüne Team zu melden. Der Suse Manager 2.1 etwa erhielt einen Setup Wizard, ein überarbeitetes GUI und viele Verbesserungen. Strategisch wird das Management-Tool in Zukunft noch näher an die Suse Cloud rücken, aber bereits heute habe man sowohl Usability als auch die Funktionalität und Compliance deutlich verbessert, berichtet Joachim Werner, Senior Product Manager for Systems Management, in seinem Workshop.

Suse Manager goes Cloud

Was dabei den meisten Anwendern auffallen dürfte, sind die Änderungen im GUI, das Zug um Zug neue Tabs spendiert bekommt. Admins freuen sich über die Automatisierungen und das Patchmanagement, IT-Leiter über neue Compliance-Funktionen, die beispielsweise Checks auf CVE-Basis oder auch Open SCAP integrieren. Das GUI von Suse Manager wird in Zukunft noch mehr Tabs erhalten.

Vieles davon habe man bereits in der aktuellen Version 2.1 eingebaut. Die nächste Major Release soll Anfang nächsten Jahres erscheinen (als Version 3) und vor allem in Sachen Subskriptions- und Konfigurationsmanagement weitere Verbesserungen erhalten, mehr Monitoring und Topology-Visualisierung bringen und die Hochverfügbarkeitsfunktionen verbessern. Version 4 soll dann den Manager mit der Suse Cloud zusammenführen, denn die beiden Produkte seien, so Werner, ja irgendwie nur "zwei Seiten einer Medaille".

Analysten sehen großes Potenzial im Bereich des Software-basierten Storage, vor allem Open Source soll da ihrer Meinung nach stark profitieren. Bis zu 8 Milliarden US-Dollar locken – und Suse zieht nach: Nach Red Hat mit dem Storage Server bietet nun auch der grüne Distributor ein eigenes, ebenfalls Storage Server genanntes Produkt an.

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