Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2015

Notizen von der Open Source Monitoring Conference 2014

Beobachter-Treff

In netter Atmosphäre trafen sich Mitte November rund 250 Admins in Nürnberg, um sich über die neuesten Entwicklungen beim Monitoring auszutauschen.

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Die Diskussion, die der Vortrag von Jan-Piet Mens (Abbildung 1) auslöste, spielte sich zunächst noch im Konjunktiv ab. Etliche Zuhörer fragten: Wäre das Messaging-Protokoll MQTT, das Mens vorstellte, nicht auch fürs Monitoring ideal? Nach dem Publish-Subscribe-Modell liefert dabei eine Partei Nachrichten an eine Message-Broker-Instanz, die andere Parteien asynchron dort abholen können. Der Prozess braucht sehr wenig Code und ist ungeheuer schnell, dabei ist die Architektur einfach und es gibt Anbindungen an fast alle Programmiersprachen.

Abbildung 1: Jan-Piet Mens (links) und Jochen Lillich (rechts) bei ihren Vorträgen.

Nebenbei erweitern sinnvolle Funktionen das Modell: So kann zum Beispiel der Publisher bei seinem Broker eine Nachricht hinterlegen (das so genannte Testament), die der veröffentlicht, wenn er bemerkt, dass sein regelmäßiger Einlieferer nicht mehr am Leben ist. Ein Monitoring-Server könnte sich auf diese Weise zum Beispiel Ping-Tests sparen und würde stattdessen selber gegebenenfalls vom Ableben eines der überwachten Schützlinge aktiv informiert.

Bei dem Gedankenaustausch im Anschluss an den Vortrag bildete sich bald die einhellige Meinung, dass ein Einsatz von MQTT beim Monitoring vielversprechend sein müsste.

Schon realisiert

Wer aber am nächsten Tag auch Jochen Lillichs Vortrag verfolgte, der erfuhr: Das gibt es längst. Das Monitoring-Framework Sensu, das Lillich vorstellte, arbeitet zwar nicht mit MQTT, sondern mit dem alternativen Protokoll AMPQ und dem zugehörigen Message-Broker Rabbit MQ – die Konzepte sind aber vergleichbar.

Alle Performanceprobleme, die Lillich als Hoster für Drupal- und Wordpress-Instanzen zuvor mit Nagios hatte, nachdem seine Serveranzahl 200 oder 250 überstiegen hatte, waren mit Sensu wie weggeblasen. Zusätzlicher Vorteil: Sensu versteht das Format der Rückmeldungen von Nagios-Clients und kann daher die originalen Nagios-Plugins verwenden, was eine Migration extrem einfach macht und es auch erlaubt, sie schrittweise zu vollziehen. Dabei bleibt die Architektur einfach und flexibel.

Noch mehr Neuigkeiten

Wie in den Jahren zuvor war die Konferenz auch 2014 wieder ein Marktplatz für Neuigkeiten rund um die zahlreichen Nagios-Forks und die Nagios-fremden Monitoringsysteme.

So sprach der frühere Nagios-Chefentwickler Andreas Ericsson über Stand und Ausblick bei seinem Fork Naemon. Außerdem präsentierten sich Open NMS und Zabbix in Vorträgen, und in dem gewohnten, überlangen Parforceritt brachte Bernd Erk alle Neuigkeiten aus dem Icinga-Lager humorvoll an den Mann. Dem neuen Icinga-Webinterface widmete sich schließlich noch Thomas Gelf mit einem gesonderten Vortrag.

Daneben nahm auch die Vorstellung von neuen Plugins und Tools breiten Raum ein. So wurde unter anderem das mittlerweile etablierte Graphite vorgestellt, als konkurrierende Option für die Visualisierung von Daten auch der Stack aus Elasticsearch, Logstash und Kibana.

Gerhard Laußer präsentierte sein Universal-Plugin für Netzwerktechnik »check_nwc_health« , das mit dem Wirrwarr einzelner Plugins für spezielle Komponenten der Netzwerktechnik aufräumen will. Werner Fischer brachte seinem Publikum das IPMI-Plugin für das Hardware-Monitoring nahe. Rene Koch referierte über Business-Prozess-Monitoring mittels BP View.

Das Team der Veranstalter setze der Konferenz wie immer durch eine perfekte Organisation, nettes Ambiente und mit einem gelungenen Social Event das i-Tüpfelchen auf.

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