Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2015
© ximagination, 123RF

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Gemeinsam arbeiten

Überall dabei

Freiberuflern, Startups oder Teams, die nur temporär an einem Projekt zusammenarbeiten, fehlt oft eine gemeinsame Infrastruktur. Dank Online-Kollaborationstools kommen Mitarbeiter im virtuellen Büro zusammen. Zwei Vertreter für den eigenen Server treten im Test gegen zwei Cloudlösungen an.

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Der eine arbeitet im Firmenbüro, der andere beim Kunden vor Ort, der nächste im Strandcafé – damit ein verteiltes Team nicht mühsam Dateien, Statusaktualisierungen, Fragen und Ähnliches per Mail verschicken muss, gibt es Online-Kollaborationstools. Sie organisieren Termine und Abläufe, geben Zugriff auf notwendige Dokumente, verteilen Aufgaben und halten Diskussionen fest. Die Bitparade stellt vier Kandidaten für standortübergreifende Zusammenarbeit in Projekten vor. Die Systeme erfinden die Einzelfunktionen nicht neu, vereinen sie aber unter einem Dach und vermeiden damit Reibungsverluste.

Als Kandidaten treten mit Redmine [1] und Open Project [2] zwei Open-Source-Projekte für den eigenen Server gegen die beiden kommerziellen Clouddienste Basecamp [3] und Zoho Projects [4] an. Die ersten beiden Programme installierten die Tester auf einem typischen LAMP-Server mit Debian Wheezy 7.7.

Redmine

Den ersten Testkandidaten gibt es seit 2006. Redmine [1] ist in Ruby on Rails implementiert und steht unter der GPLv2. Die Software ist merklich vom Bugtracker Trac inspiriert. Da die Redmine-Pakete in den meisten Distributions-Repositories veraltet sind, spielten die Tester die aktuelle Version 2.6 vom 21. Oktober 2014 aus den Quellen ein und folgten dazu einer Anleitung aus der Howto-Sammlung [5]. Neben Apache, MySQL und einem Mailserver benötigt das Programm Ruby 1.8.7, Rails 3.2, Ruby Gems, Passenger, Imagemagick und Rmagick.

Anwender, die mit der Anleitung zum Ruby-Paketbau unter Debian Stable arbeiten, sollten beim »checkinstall« -Aufruf darauf achten, die Versionsnummer zu korrigieren, da beim Bestätigen der Standardwerte der Vorgang abbricht. Sobald die Eingabemaske »Debian package creation selected« auftaucht, gibt der Admin »3« ein und ändert »p547« zu »547« .

Der Rest läuft wie beschrieben weiter; allerdings ist die Installation der einzelnen Ruby- und Gem-Komponenten etwas zäh. Wer sich bis zur Apache-Konfiguration durchgehangelt hat, ruft abschließend die neue Redmine-Instanz im Browser auf und loggt sich mit dem Benutzernamen und Passwort »admin« ein.

Nach dem Ändern des Kennworts wendet sich der Admin der Einrichtung zu. Redmine ist in rund 50 Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch. Im Bereich »Anzeige« entscheidet er, ob die Standardsprache automatisch für alle Benutzer gilt und in welchem der drei Themes sich die Oberfläche präsentiert.

Wer einen ganz anderen Look bevorzugt, findet im Redmine-Wiki einen Artikel [6], der zu anderen Themes verlinkt und erklärt, wie man diese einbindet oder eigene entwickelt. In der Liste der veröffentlichten Themes sind auch solche mit einem responsiven Design. Im Dialog »Anzeige« entscheiden Systemverwalter auch, ob Redmine für die Benutzer Gravatar-Icons verwendet – Voraussetzung ist ein Account bei dem Dienst [7].

Zuständigkeiten

Redmine-Admins richten Benutzer, Gruppen und Rollen in ihrem Dashboard ein. »Manager« dürfen innerhalb der Projekte alles, »Entwickler« unterliegen einigen Einschränkungen. Ihnen ist es nicht gestattet, Projekte zu starten oder neue Dokumente anzulegen. »Reporter« dürfen im Forum mitreden und ihre Zeiten buchen, sonst aber nur mitlesen. Administratoren passen die Befugnisse der Rollen nach Belieben an (Abbildung 1) und erzeugen bei Bedarf neue Benutzerrollen, denen sie selbst Rechte zuweisen. Redmine kennt zudem Nichtmitglieder und nicht angemeldete Besucher, die jeweils eigene Rollen haben.

Abbildung 1: Redmine-Admins passen über diesen Dialog die Berechtigungen der einzelnen Rollen an. Das ausgeklügelte System hat auch der Ableger Open Project übernommen.

Beim Anlegen eines neuen Projekts vergibt der Nutzer einen Namen, eine später unveränderliche Kennung und wählt Module aus. Redmine bietet alles, was ein Kollaborationstool braucht: eine Aufgabenverwaltung (Ticket-Verfolgung genannt), einen Kalender, Diskussionsforen sowie eine rudimentäre Dokumenten- und Dateienverwaltung. Dazu kommen ein Projektwiki, eine News-Funktion und Auswertungstools. Ganz unten im Dialog aktivieren Nutzer im Bereich »Tracker« die Checkboxen »Fehler« , »Feature« und »Unterstützung« – eine etwas holprige Übersetzung für »Support« .

Der einem Tracker zugeordnete Workflow legt fest, welche Benutzerrollen dem Ticket Feedback hinzufügen, seinen Bearbeitungsstatus ändern oder es schließen dürfen. Hier werden die Bugtracker-Wurzeln des Systems deutlich: Termine und Aufgaben verwaltet Redmine als Tickets und ordnet sie einem Tracker zu. Dieser wiederum gehört zu einem Workflow, und der entscheidet, welche Stufen ein Ticket durchläuft. Ein frisch angelegtes hat den Status »Neu« . Sobald jemand einträgt, zu wie viel Prozent die Aufgabe erledigt ist, verändert sich der Status. Redmine kennt die Zustände »In Bearbeitung« , »Gelöst« , »Erledigt« und »Geschlossen« .

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