Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2014
© laurentiu iordache, 123RF

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Open Stack 2014.2 alias Juno

Ein heißes Eisen

Open Stack will im ganz großen Geschäft mitspielen und muss deshalb liefern. Die neue Version 2014.2 alias Juno räumt auf und leistet Modellpflege – von einer großen Neuerung abgesehen: Ironic, das Baremetal-Deployment-Tool, das wohl auf dem Sprung zur offiziellen Komponente ist.

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Das Open-Stack-Projekt ([1], [2], [3]) produziert in einem strengen Takt. Im April und im Oktober stehen Releases an, koste es, was es wolle. Bis dato hat der Releasemanager Thierry Carrez dafür gesorgt, dass das Projekt diesen Plan einhielt, und auch die nächste Version von Open Stack – die 2014.2 – lag bei Redaktionsschluss voll im Plan. Mit dem Erscheinen dieses Linux-Magazins wird "Juno" bereits verfügbar sein.

Vorsichtige Erneuerung

Juno setzt die Tradition der letzten Versionen fort und kommt als sorgsam erweiterte Open-Stack-Distribution daher. Die gute Nachricht für Admins ist, dass etwa die bestehenden APIs kompatibel mit denen bleiben, die bereits da sind. Wer also Applikationen verwendet, die direkt mit den APIs reden, wird diese auch in Juno nutzen können. Insgesamt dürfte sich die Arbeit beim Upgrade von Icehouse zu Juno in Grenzen halten. Denn nach dem wilden Chaos in den ersten Open-Stack-Versionen haben die Entwickler mittlerweile verstanden, dass es dem Prestige des Projekts nicht zuträglich ist, wenn zwischen zwei Releases kein Stein auf dem anderen bleibt. Wenn sich Dinge ändern, kündigen die Entwickler das deutlich und mindestens eine Version im Voraus an – so bleibt genug Zeit, ein Upgrade sorgfältig und professionell vorzubereiten.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Treiber für Open V-Switch in Neutron, der in Icehouse bereits als »deprecated« geflaggt war. Juno enthält den Treiber gar nicht mehr, weil er zwischenzeitlich durch das "Modular Layer 2"-Framework ersetzt worden ist, das intern meist nur ML2 heißt (Abbildung 1). Wer eine Cloud hat, die den alten »openvswitch« -Treiber nutzt, muss also auf ML2 umstellen. Doch der Arbeitsaufwand, den das verursacht, bleibt überschaubar.

Abbildung 1: Das alte Open-V-Switch-Plugin ist in Juno endgültig Geschichte. An seine Stelle tritt das ML2-Plugin für Open V-Switch, auf das Admins nun umstellen müssen – falls noch nicht geschehen.

Auch sonst hat sich in Neutron einiges getan: Der Layer-3-Agent unterstützt nun endlich inhärente Hochverfügbarkeit, ein Feature, auf das Admins sehr lange gewartet haben. Bis einschließlich Icehouse war es Neutron völlig egal, wenn der Netzwerkknoten ausfiel und damit die laufenden VMs von der Außenwelt trennte. Wollte der Admin auf Layer 3 HA nutzen, dann musste er die mit Werkzeugen wie Pacemaker selber stricken. Auch das führte allerdings nur selten zu befriedigenden Ergebnissen, brachte es doch zusätzliche Komplexität in Open-Stack-Szenarien ein.

Der Neutron-Scheduler

In Juno ist damit Schluss: Der Neutron-Scheduler kümmert sich ab sofort darum, dass L3-Netzwerke automatisch auf andere Systeme ausweichen, sollte der erste Host ausfallen. Garniert haben die Entwickler die Funktionalität mit Plugins auf Basis von VRRP, Conntrackd und Keepalived, wobei zu Redaktionsschluss noch nicht feststand, ob tatsächlich alle Plugins Bestandteil von Juno sind – für das Conntrackd-Plugin war beispielsweise die projektinterne Review noch nicht abgeschlossen. Grundsätzlich wird Neutron aber HA-Features für L3-Netzwerke in Juno beherrschen, was als Meilenstein gelten darf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Layer-3-Agent in Neutron unterstützt ab Juno für externe Netze HA-Fähigkeiten, die er über Dienste wie Keepalived und Protokolle wie VRRP zur Verfügung stellt.

Und auch sonst hat sich bei Neutron in Juno einiges verändert: Neue Treiber für eine ganze Reihe von Netzwerkhardware, darunter Arista, Brocade und Nuage sind genauso an Board wie neue Load-Balancing-Treiber für Geräte von A10-Networks. In Juno wächst Neutron damit deutlich näher an Geräte heran, die regelmäßig als Infrastruktur in Rechenzentren zu finden sind.

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