Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2014
© zach, photocase.de

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Digital Asset Management

Sortierte Sammlungen

Wer seine Fotos, Videos, Audiodateien und Textdokumente anderen im Netz zur Verfügung stellen möchte, verwaltet die multimedialen Inhalte am besten mit einer Spezialsoftware. Vier Programme helfen beim Erstellen, Veröffentlichen und Teilen dieser digitalen Assets.

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In den Datensammlungen finden sich die meisten Anwender problemlos zurecht. Sie ordnen ihre Fotos, Videos, Audiodateien und Dokumente in einer Verzeichnisstruktur, die sie auch später nachvollziehen können. Sobald aber ein Team Zugriff auf viele digitale Assets benötigt, muss ein System her, mit dem alle klarkommen und arbeiten können. Schlagwörter, Vorschau-, Such- und Filter-Funktionen helfen bei der Orientierung.

Digital-Asset-Management-Systeme nehmen Medieninhalte auf und veröffentlichen sie, erlauben das Bearbeiten der Daten und ihrer Metadaten, sichern die Ressourcen mit ACLs ab, bieten bisweilen eine Versionskontrolle, wandeln Dateien in andere Formate um und verknüpfen sie mit anderem Content.

DAM-Software gibt es für verschiedene Zielgruppen. Am Markt tummeln sich kleinere Systeme, die sich eher an Marketing- und Kreativabteilungen richten, Programme für riesige Sammlungen, wie sie in Museen, Bibliotheken und Archiven anfallen, oder komplexe B2B-Systeme, die den Workflow zwischen Zulieferern und Unternehmen regeln.

Die Bitparade testet vier kleine Lösungen, zwei für den eigenen LAMP-Server und zwei Clouddienste. Bei Letzteren wählten die Tester Anbieter mit einem festgelegten Preismodell. Aus dem Open-Source-Lager treten Phraseanet [1] und Resource Space [2] an. Sie stellen sich den beiden kommerziellen Kandidaten Razuna [3] und Smartimage [4].

Die Tester untersuchten, welche Dateitypen die Programme im- und exportieren, wie komfortabel das Handling der Metadaten ist, ob es eine Funktion zur Massenverschlagwortung und eine Versionskontrolle gibt. Zudem prüften sie die Such- und Filterfunktionen sowie die Benutzer- und Gruppenverwaltung.

Phraseanet und Resource Space bewiesen sich auf einer Amazon-EC2-Micro-Instanz unter Ubuntu Server 14.04 (64 Bit) mit Apache, MySQL und PHP. Rund 5000 Fotos in den Formaten Jpeg, PNG und Nikon-Raw (Nef-Codec) sowie ein paar Dokumente (PDF, Libre Office Writer und MS Word) wanderten im Test auf die Server. Die Bilder enthielten teilweise Metadaten, welche die Kameras beziehungsweise das Fotoverwaltungstool Digikam hinzufügten. Der Zugriff von außen erfolgte über Firefox 32 und Google Chrome 37.

Phraseanet

Der erste Testkandidat stammt aus dem französischen Softwarehaus Alchemy [5]. Phraseanet [1] steht seit 2010 unter der GPLv3 und über Github zum Download bereit. Die Tester installierten Version 3.8. Admins sollten vor der Einrichtung einen Blick in die Dokumentation [6] werfen, um den eigenen Server vorzubereiten. Phraseanet verlangt zusätzlich zur LAMP-Umgebung eine Reihe weiterer Tools, darunter die PHP-Module Curl, Json, Gd, Exif, Gettext und Twig. Werkzeuge wie Imagemagick, Ufraw, Ffmpeg, Ghostscript, Xpdf, Swftools, Unoconv und MP4Box, die Entwicklungsumgebung Phpdev und ein Compiler sind ebenfalls erforderlich.

Admins laden zunächst das Modul Phraseanet-Extension und den Phraseanet-Indexer von Github herunter. Nachdem sie das Modul gebaut und installiert haben, tragen sie Folgendes in die PHP-Konfigurationsdatei ein:

extension=phrasea2.so

Auf einem Ubuntu-Server ist es wichtig, die Zeile sowohl in der Datei »/etc/php5/cli/php.ini« als auch in »/etc/php5/apache2/php.ini« zu hinterlegen. In beiden Files sollte darüber hinaus die korrekte Zeitzone stehen:

date.timezone = "Etc/UCT"

Wer hier aus Versehen einen Tippfehler einbaut oder etwas anderes einträgt, erlebt später unliebsame Überraschungen und manche Inhalte bleiben unsichtbar. Nach der Installation des Indexers konfigurieren Anwender die Locales auf ihrem Server, damit Phraseanet nicht nur Französisch spricht.

Von der Homepage laden Nutzer die Phraseanet-Quellen herunter, entpacken sie und setzen das Document Root auf das Unterverzeichnis »www« im Phraseanet-Ordner. Zusätzlich ist es wichtig, die beiden Apache-Module Rewrite und Xsendfile zu aktivieren. Admins legen zwei MySQL-Datenbanken namens »phraseanet« und »databox« an. Danach überprüfen sie die Installation und geben im Phraseanet-Wurzelverzeichnis dieses Kommando ein, um die Installation zu überprüfen:

php bin/setup check:system

Der Befehl

bin/setup system:install

installiert anschließend die Anwendung. Das Phraseanet-Tool »bin/console« ergänzt die Apache-Konfiguration um die benötigten Sendfile- und Streaming-Einträge. Die Dokumentation [6] listet alle erforderlichen Befehle auf. Nach dem Anmelden im Webinterface wählt der Admin die Systemsprache aus und startet im Bereich »Aufgabe-Scheduler« die einzelnen Tasks.

Modular

Die Phraseanet-Oberfläche ist in Französisch, Deutsch, Englisch und Niederländisch verfügbar, die Übersetzungen sind aber unvollständig. Ebenfalls etwas sperrig gibt sich das Interface, das sich je nach Berechtigung des Benutzers in sieben Module unterteilt, die es meist in einem neuen Browser-Tab öffnet.

»Production« enthält Funktionen zum Importieren, Bearbeiten, Suchen, Anzeigen, Organisieren und Teilen der Inhalte. »Classic« ist laut Handbuch die Oberfläche für Besucher, die Dateien betrachten und herunterladen möchten. »Lightbox« dient als gemeinschaftliches Interface, das Zugriff auf Dateien und Bewertungen anderer erlaubt. Alle Funktionen zum Verwalten, zum Erzeugen von Sammlungen und Dokumentstrukturen versammeln sich im Bereich »Admin« .

Das Modul »Upload« ist nur aus dem »Production« -Interface heraus erreichbar. In der Voreinstellung nutzt das DAM-System einen HTML-5-Uploader, der sich im Test gut schlug. Wer hier auf Probleme stößt, sollte die Einträge für »upload_max_filesize« und »post_max_size« in der Datei »php.ini« überprüfen. Die Phraseanet-Entwickler empfehlen, beide Werte auf 200  MByte zu setzen. Für Anwender, die einen Browser ohne HTML-5-Support einsetzen, steht als Alternative ein Flash-Uploader bereit. Phraseanet hält anhand von UUID-Prüfsummen Ausschau nach Duplikaten und markiert diese beim Hochladen. Anwender finden die Dateien auf dem Reiter »Quarantäne« und entscheiden, ob sie die Ressource dennoch hinzufügen, löschen oder ersetzen möchten.

Die Software unterstützt etliche Dateitypen, darunter gängige Foto-, Grafik-, Video- und Audio-Formate, Vektorgrafiken, PDF sowie Open/Libre-Office- und Word-Dokumente. Die Auswahl ganzer Verzeichnisse ist nicht möglich, sodass Nutzer ihre Daten von Hand markieren müssen. Diese tauchen danach auf der linken Seite des Interface als Vorschau auf, per Drag  &  Drop ist es möglich, die Reihenfolge zu verändern (siehe Abbildung 1). Die Vorschau von Officedokumenten funktioniert auf Debian-basierten Servern zurzeit nicht, da im Swftools-Paket das Werkzeug »pdf2swf« fehlt [7]. Wer das Feature vermisst, baut die Swftools selbst aus den Quellen.

Abbildung 1: Im HTML-5-Uploader von Phraseanet können Benutzer die Reihenfolge ihrer Daten vor dem Upload neu sortieren (linke Seite). Rechts ist der Fortschritt sichtbar.

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