Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2014

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Luftraumüberwachung

Flight-Spotting

Beim Anblick der Kondensstreifen am niederrheinischen Himmel träumt Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast nicht nur von fernen Zielen. Mit einem Linux-System und einem DVB-T-Stick fängt er die Signale vorbeifliegender Jets auf und stellt deren Weg auf einer Karte dar.

423

Die meisten Verkehrsflugzeuge haben ein System an Bord, das sich Automatic Dependent Surveillance Broadcast nennt (ADS-B, etwa: automatische bordabhängige Überwachung). Es funkt auf der Frequenz 1090 MHz ständig den Kurs, die Höhe, die Geschwindigkeit, die GPS-Position und die Flugnummer.

Wer die Position der Jets selbst empfangen will, braucht nicht unbedingt einen Flughafentower voll mit Technik. Mir genügen ein Linux-Rechner sowie ein Empfänger für terrestrisches Digitalfernsehen (DVB-T-Stick) für weniger als 20 Euro, in dem der Chipsatz Realtek RTL 2832U in Verbindung mit dem Tuner E4000 oder R820T verbaut ist. Außerdem warten zwei Softwarekomponenten auf dem Rollfeld: RTL-SDR und Dump1090.

RTL-SDR [1] sorgt für die Kommunikation mit dem DVB-T-Empfänger, Dump1090 [2] dekodiert die so gesammelten Daten und zeigt mit seinem Mini-Webserver eine Karte mit den Maschinen in der Nähe an. Beide Komponenten finden sich in den üblichen Linuxen entweder gar nicht oder in veralteten Versionen. Deshalb ist es sinnvoll, aktuelle Versionen selbst zu übersetzen. Das nötige Handwerkszeug besorgt das Kommando in der Zeile 1 von Listing 1. Die Zeilen danach holen dann RTL-SDR und kompilieren den RTL-2832U-Treiber.

Listing 1

Komponenten installieren

01 sudo apt-get -fym install git cmake libusb-1.0-0-dev build-essential
02 cd ~
03 git clone git://git.osmocom.org/rtl-sdr.git
04 cd rtl-sdr/
05 mkdir build
06 cd build/
07 cmake ../ -DINSTALL_UDEV_RULES=ON
08 sudo make install
09 sudo ldconfig
10 cd ~
11 sudo cp ./rtl-sdr/rtl-sdr.rules /etc/udev/rules.d/

Treiber auf Kollisionskurs

Jetzt lege ich die Datei »/etc/modprobe.d/rtlsdr.conf« an und schreibe die Zeile

blacklist dvb_usb_rtl28xxu

hinein. So verhindere ich, dass Linux den DVB-T-Treiber lädt, mit dem ich zwar das TV-Programm sehen könnte, aber keine Flugzeuge. Jetzt ist ein Reboot fällig. Die Installation von Dump1090 gelingt ähnlich einfach. Die Kommandos

cd ~
git clone git://github.com/MalcolmRobb/dump1090.git
cd dump1090/
make

kopieren und kompilieren die Software. Auf der URL »http://127.0.0.1:8080« zeigt nun mein Browser eine Karte, in der ich auf den Standort meines DVB-T-Empfängers zoomen kann. Unter [3] habe ich eine Live-Demo des Luftraums der Gegend ins Netz gestellt. Abbildung 1 zeigt den Landeanflug einer Ryanair-Maschine auf den Provinzflughafen Weeze am Niederrhein. Aufregend, das Leben als Flugbegleiter.

Abbildung 1: Nicht gerade ein internationales Drehkreuz, aber über Charlys Kopf gibt es immerhin einzelne Flugbewegungen.

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 1 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • In eigener Sache: 37 Folgen von Charlys Sysadmin-Kolumne

    Charly Kühnast hat es mit seiner Linux-Magazin-Serie "Aus dem Alltag eines Sysadmin" zu einer echten Fangemeinde gebracht. Nun gibt es ein PDF-Paket mit 37 Folgen der Kolumne für 9,95 Euro.

  • Leserbriefe
  • Einführung

    Der Chaos Computer Club, die Piratenpartei oder GMX und Web.de betreiben XMPP-Server – also will Kolumnist Charly Kühnast auch so ein Instant-Messaging-Backend. Er entscheidet sich für ein besonders schlankes und schnell aufblasbares Exemplar.

  • Einführung

    In 25 Jahren Linux-Kernel-Geschichte sammelt sich nicht nur viel guter Code an, sondern auch eine Menge Kommentare. Sie können erläuternd, erhellend oder erheiternd sein. Oft genug sind es wilde Flüche. Kolumnist Charly will den Programmierern dies nicht nachmachen und tippt in der Shell lieber "fuck".

  • Einführung

    Früher war alles besser? Von wegen! Charly steigt ins Geronto-Fach und erzählt aus der schlechten Firewall-Zeit. Zugleich weiß er zu begründen, warum es heute besser flutscht – das richtige Tool vorausgesetzt. Volle Deckung, gleich schießt er los.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.