Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2014
© lightwise, 123RF

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Vier Server on Demand

Dienstbare Wolken

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Virtuelle Server zu erschwinglichen Preisen gibt es an jeder Ecke. Die Verträge haben in der Regel jedoch eine feste Laufzeit und auf die Bereitstellung warten Kunden mindestens ein paar Stunden. Wer schnell einen Server mit einem flexiblen Zahlungsmodell benötigt, findet in dieser Bitparade vier Vorschläge.

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Skalierbare virtuelle Server, die kurzfristig zur Verfügung stehen und keine oder zumindest wenig Kosten verursachen, wenn sie abgeschaltet sind – das wünschen sich viele Kunden. Die meisten Zahlungsmodelle der Hostingfirmen sind nicht flexibel genug und feste Monatspreise, Flatrates, Prepaid-Verträge oder lange Laufzeiten sind üblich. Die Bitparade stellt daher vier Anbieter vor, deren Cloud anpassungsfähig ist.

Im Test treten Amazon EC2 [1], Google Compute Engine [2], Jiffybox [3] und Microsoft Azure [4] gegeneinander an. Die Tester entschieden sich für diese vier Kandidaten, da deren Angebot online buchbar ist und keinen gesonderten Schriftverkehr erfordert. Die beim Registrieren hinterlegten Daten sind lediglich für die Abrechnung oder Strafverfolgung notwendig. Die Gebühren richten sich nach der tatsächlich erbrachten Leistung, also etwa der Größe der VM, Anzahl der CPUs und des Arbeitsspeichers.

Keiner der vorgestellten Dienste verlangt eine längerfristige Bindung oder hat eine feste Laufzeit, alle Testzugänge waren nach wenigen Minuten eingerichtet. Genauso flott standen die virtuellen Server bereit. Alle Kandidaten benötigen nur wenige Minuten, um eine neue VM zu konfigurieren und freizuschalten.

Amazon EC2

Die Amazon Elastic Compute Cloud, kurz EC2 [1], gehört zu den Amazon Web Services (AWS), die der Onlinehändler seit 2006 anbietet. Der erste Kandidat gilt damit als Pionier der Cloudcomputing-Branche. Die Preisgestaltung wirkt auf den ersten Blick unübersichtlicher als Mobilfunktarife, ist dafür allerdings auch äußerst flexibel. Die anfallenden Kosten richten sich unter anderem nach der Region, in der sich die Rechenzentren befinden. Anwender wählen aus acht Gegenden aus: USA Ost, USA West (Oregon), USA West (Nordkalifornien), EU (Irland), Asien-Pazifik (Singapur), Asien-Pazifik (Tokio), Asien-Pazifik (Sydney) und Südamerika.

Amazon bezieht in die Berechnung außerdem die Ausstattung (Prozessoranzahl, RAM und Festplattengröße), das Betriebssystem und die Uptime mit ein. Hinzu kommen Kosten für den Traffic und optionale Dienste wie zusätzliche IPs, den Monitoringdienst Amazon Cloud Watch oder das Elastic Load Balancing auf mehreren EC2-Instanzen. Eingehender Datenverkehr ist in der Regel kostenfrei, den ausgehenden berechnet das Unternehmen erst nach dem ersten Gigabyte und Traffic zwischen Instanzen in unterschiedlichen Amazon-Regionen an beiden Enden.

Amazon EC2 hat verschiedene virtuelle Server, so genannte Instanzen, im Angebot. Neben der Standardvariante On-Demand, die ohne langfristige Bindung und daher für diesen Test relevant ist, gibt es Reserved-Instanzen mit einer festen Laufzeit und Spot-Instanzen, bei denen Anwender auf überschüssige EC2-Ressourcen bieten und diese zu deutlich günstigeren Konditionen ersteigern können. Alle Instanztypen sind für unterschiedliche Anwendungsfälle optimiert und mit verschiedenen Hardwarekomponenten ausgestattet. Es gibt sie zudem in mehreren Größen, sodass Benutzer sehr flexibel die benötigten Ressourcen zusammenstellen dürfen.

Der Anbieter erläutert seine Tarife detailliert unter [5]; dort sind Nettopreise gelistet, es fallen zusätzlich die jeweils geltenden Steuern und Abgaben an. Die Abrechnung erfolgt pro angebrochene Stunde vom Start bis zur Kündigung beziehungsweise bis zum Beenden einer Instanz.

Die günstigste On-Demand-Instanz des Typs »t2.micro« mit einem freien Linux-AMI (Amazon Machine Image, das ist die hauseigene Red-Hat-basierte Linux-Variante) in der Region USA Ost kostet 1,5 US-Cent pro angefangene Stunde. Die größte Linux-Instanz namens »hs1.8xlarge« schlägt mit 5,47 US-Dollar zu Buche. Weitere Varianten sind Red Hat Enterprise Linux (8,7 US-Cent für »t2.micro« , 5,63 US-Dollar für »hs1.8xlarge« ) und Suse Linux Enterprise (2,7 US-Cent für »t2.micro« , 5,59 US-Dollar für »hs1.8xlarge« ).

Anwender finden unter [5] auch einen Monatsrechner, mit dem sie die voraussichtlich anfallenden Kosten kalkulieren können. Auf der Seite gibt es zudem einen Link zum kostenlosen Schnupperangebot. Ein Jahr lang dürfen Neukunden eine »t2.micro« -Instanz mit der freien Linux-AMI bis zu 750 Stunden pro Monat kostenfrei testen. Zum Registrieren des Testaccounts ist eine gültige Kreditkarte erforderlich.

Schaltzentrale

Nach dem Anmelden finden sich Benutzer in der AWS Management Console wieder, die Zugriff auf alle Ressourcen und damit auch das EC2-Dashboard bietet. Oben rechts neben dem Accountnamen wählen sie zunächst die gewünschte Region aus. Auf der Übersichtsseite sehen sie anschließend die dort genutzten Ressourcen und deren Status. Auch allgemeine Hinweise, etwa zu geplanten Wartungsarbeiten, sind dort untergebracht. Über den prominenten blauen Button »Launch Instance« oder das Menü auf der linken Seite erzeugt der Nutzer einen neuen virtuellen Server.

Im ersten Schritt wählt er ein Amazon Machine Image (AMI) aus. Neben diversen Microsoft-Windows-Server-Varianten stehen folgende hardware- (HVM) und paravirtualisierte (PV) Linux-Distributionen bereit: Amazon Linux AMI 2014.03.2 (HVM und PV, 64 Bit), Red Hat Enterprise Linux 7.0 (HVM, 64 Bit), Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 (HVM, 64 Bit), Ubuntu Server 14.04 LTS (HVM, 64 Bit), Red Hat Enterprise Linux 6.5 (PV, 32 und 64 Bit), Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 (PV, 32 und 64 Bit), Ubuntu Server 14.04 LTS (PV, 32 und 64 Bit).

Danach wählt der Anwender Typ und Größe der Instanz, die er danach mit »Review and Launch« theoretisch sofort booten kann. Diese Abkürzung empfiehlt sich allerdings nur, wenn bereits so genannte Security Groups eingerichtet sind, die es vor der Inbetriebnahme zuzuweisen gilt. Sie bestimmen, über welche Ports die Instanz von außen erreichbar ist, dienen also als eine Art virtuelle Firewall.

Alternativ geht es Schritt für Schritt weiter. Am Ende zeigt das Dashboard eine Zusammenfassung, über »Launch« bestätigt der Anwender seine Auswahl. Sofern er noch keinen Public Key für SSH hinterlegt hat, kann er ein Schlüsselpaar erzeugen und herunterladen (Abbildung 1). Auf der Übersichtsseite erscheinen nun die Details der laufenden Instanz, darunter auch die IP-Adresse und ein relativ kryptischer öffentlicher Hostname.

Abbildung 1: Bevor die EC2-Instanz online geht, erzeugen Benutzer ein SSH-Schlüsselpaar oder wählen ein existierendes aus. Alternativ melden sie sich später per Kennwort an.

Leider fehlt ein Hinweis auf den Benutzernamen, der zum Login per SSH erforderlich ist. Gut versteckt in der Dokumentation steht, dass dieser für Amazon-AMIs »ec2-user« lautet; für Red-Hat-Systeme gilt entweder »root« oder ebenfalls »ec2-user« , für Ubuntu heißt der Account »ubuntu« und für Suse-VMs »root« .

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