Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2014
© Iurii Kovalenko, 123Rf

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Neues in Android L

Naturverbunden

Ende Juni präsentierte Google auf seiner Hausmesse Google I/O einen Vorgeschmack auf die nächste Android-Version L. Die beerdigt Dalvik und will mit natürlich anmutendem "Material Design" gefallen.

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Android ist nicht mehr gleich Android. Spätestens seit der Google I/O ist klar, dass es Android L in mehreren Varianten geben wird. Google will das riesige Android-Projekt splitten, um diverse Hardwareplattformen zu unterstützen, im 64-Bit-Zeitalter anzukommen und den unterschiedlichen Anforderungen an grafische Oberflächen zu genügen. Deshalb pflegt man in Mountain View ab sofort die folgenden fünf Zweige:

  • Android für Smartphones und Tablets,
  • Android One als Plattform für Provider und Low-Cost-Geräte,
  • Android Wear für Smartwatches,
  • Android TV für TV-Geräte,
  • Android Auto für automobile Infotainment-Systeme.

Der Artikel stellt den ersten Zweig vor und wirft einen Blick auf die kommende Version Android L (siehe Kasten "Warum L?"), die wohl im Herbst 2014 den finalen Schliff erhält.

Warum L?

Google benutzte in der Vergangenheit für die Hauptversionen stets eine Süßigkeit als Codenamen. Angefangen bei Cupcake über Donut, Eclair, Froyo, Gingerbread, Honeycomb, Ice Cream Sandwich, Jelly Bean und Kitkat, jetzt ist man also beim Buchstaben L angelangt. Um den Namen nicht vorwegzunehmen, trägt die aktuelle Developer Preview den Codenamen Android L.

Aktuell gibt es Android L nur als Entwickler-Vorabversion (Abbildung 1) für das Nexus 5 und die Wifi-Variante des Nexus 7. Besitzer dieser Geräte können Apps für Android L entwickeln und auf echter Hardware testen. Da L jedoch auch die Grundlage für die fünf oben genannten Projekte bilden soll, treffen die meisten der hier zusammengetragenen Informationen auch auf Android Wear, One, TV sowie Auto zu.

Abbildung 1: Android L ist deutlich als Entwicklersoftware gekennzeichnet und noch nicht für den produktiven Einsatz gedacht.

Android L bringt zunächst vier zentrale Neuerungen gegenüber der aktuellen Version 4.4 (Kitkat) mit:

  • Eine neue grafische Oberfläche basierend auf dem Material Design,
  • ART löst Dalvik als Runtime ab,
  • ein neues Benachrichtigungssystem (auch für Android Wear),
  • dank Projekt Volta soll Android spürbar energieeffizienter sein.

Virtuell versus materiell

Dass es sich beim eingeführten Material Design nicht einfach um eine neue Ausgabe des von Android eingesetzten Holo-Theme handelt, erfährt der Smartphone-Nutzer auf Googles Übersichtsseite zum Design [1]. Das grafische System soll dank eigener Designsprache auf jedem Gerät und mit jeder Displaygröße funktionieren. Die Bedienung auf mobilen Geräten gehört dabei zwar zu den wichtigsten Faktoren, aber Eingaben über Touchscreens, Mikrofone, Mäuse oder Keyboards stellt Google gleichberechtigt daneben.

Das "Material" im Namen verstehen Googles Designer als Metapher: Trotz glatter Oberflächen aus Glas oder Kunststoff soll das Design für Touchgeräte, das in den Köpfen der Entwickler und Grafiker entsteht, sich an natürlichen Materialien orientieren. Die verfügen über eine raue Oberfläche, werfen Schatten und folgen physikalischen Gesetzen. Es geht darum, die grafischen Oberflächen nicht als flache UI-Elemente, sondern etwa als übereinandergelegte Holzscheiben oder Kartonplatten zu betrachten. Entwickler sollen also eine Z-Achse mitdenken.

Zweitens soll das Material Design sich an gängigen Zeitschriftenlayouts orientieren und Farben sowie spezielle Akzente bewusst so einsetzen, dass diese eine intuitive Bedienung fördern.

Der dritte Grundsatz betrifft Bewegungen und Animationen. Die sollen eine Bedeutung erhalten, und liege sie nur darin, dem Nutzer Feedback über erfolgreiche Fingertips zu geben.

Was sich auf dem Papier recht abstrakt anhört, verdeutlicht Google mit Beispielen auf seiner Design-Webseite [2], die zeigt, wie der Entwickler die Sache richtig oder falsch anpackt. Dank Material Design sollen die Benutzeroberflächen unter Android L und in allen künftigen Google-Anwendungen (Chrome OS) so natürlich wie möglich wirken (Abbildung 2), das Konzept dahinter liefert [3]. Das Ganze ist Work in Progress, bis zur Release im Herbst können sich Details ändern.

© © GoogleAbbildung 2: Die drei Grundprinzipien des Material Design: Material als Metapher, Magazinstil und Bewegung mit Bedeutung.

Erst ab Android L

In der Praxis könnte zurzeit nur die Entwicklerversion von Android L Anwendungen in waschechtem Material Design mitbringen, da allein sie die nötigen Programmierschnittstellen an Bord hat. Doch bislang finden Interessierte hier vornehmlich pure Kitkat-Apps von Gmail, Google Maps & Co. Allein Screenshots zeigen, wie diese in der finalen Version aussehen sollen (Abbildung 3).

© © GoogleAbbildung 3: So könnte wohl die Detailansicht eines Kontakts in Android L aussehen.

Und nicht nur das: Google selbst weist in seiner API-Übersicht zur Android-L-Entwicklerversion [4] darauf hin, dass man keine Apps im Play Store akzeptiere, die bereits von den neuen Möglichkeiten des Material Design Gebrauch machen. Die entsprechenden Features funktionieren selbst dann nicht unter Android 4.4 oder auf älteren Android-Versionen, wenn der Entwickler die minimale Buildversion künstlich nach unten schraubt. Apps, die er mit dem Preview-SDK, dem "API Level L", baut, kann er nicht auf älteren Android-Versionen installieren.

Die einzige App, die eine Ausnahme davon macht (und die der Play Store auch für ältere Geräte anbietet), ist die Google I/O 2014 App [5]. Sie diente als Referenz auf Googles Hausmesse, nun steht der komplette Quellcode auf Github zum Download bereit [6]. Mit ihr machen sich Entwickler ein umfassendes Bild davon, wie sie die einzelnen Effekte später umsetzen.

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