Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2014

Zwei ganz und gar unwissenschaftliche Hitlisten mit Auf- und Absteigern

Die größten Tops & Flops aus 20 Jahren Linux

Vom Siegeszug auf mobilen Devices bis zu Heartbleed.

999

Top

1. Königsklasse

Linux' Erdrutschsieg ist nirgendwo so perfekt wie auf dem prestigeträchtigen Feld der Supercomputer: Rund 95 Prozent beträgt der Linux-Anteil in der Top-500-Rangliste.

2. Linux und die Server

Im wirtschaftlich bedeutsamen Markt der Zentralrechner legt Linux Quartal für Quartal exzellente Zahlen vor. Das geht vielfach auf Kosten proprietärer Unixe.

3. Android

Trotz aller Kritik an Google als hemmungslosen Datenstaubsauger: Dank Android tragen große Teile der Menschheit ganztags ein schickes Linux spazieren.

4. Embedded

Nach Stückzahlen laufen die meisten Linuxe für ihre Besitzer unerkannt auf Geräten aller Art. Den Herstellern kommt entgegen, dass sie keine Lizenzen pro Stück löhnen müssen.

5. Plattformen

Linux ist auf ziemlich alles portierbar, was 32 Bit oder mehr hat. Dank der Quelloffenheit wird von dieser Möglichkeit reger Gebrauch gemacht.

6. Raspberry Pi

Ein als Lehrmittel konzipierter günstiger Einplatinen-Linux-Computer gerät zum Überraschungserfolg. Nur selten fühlen Nerds und Normalos bei einem Produkt so gleich.

7. Sicherheit

Das von Unix ererbte Rechtekonzept, fehlende Verbreitungsmechanismen und schnelles Patchen machen es Malware für Linux schwer. Antivirenprogramme? Sehr selten nötig.

8. Grand Linux Nation

Die französische Polizei stellt 90 000 PCs auf Linux um – das wohl größte Migrationsprojekt in Europa. Platz zwei ist die spanische Provinz Extremadura mit 40 000 Rechnern.

9. Kreative Forks

In proprietären Gewässern undenkbar: Ist ein Teil einer Entwicklercommunity unzufrieden, darf er sich abspalten, den bisherigen Code mitnehmen und es besser machen.

10. Aus einer Hand

Während sich Windows-Programme selbst um Updates bemühen und wie Spyware nach Hause telefonieren, sorgt unter Linux eine einheitliche Softwareverwaltung für Aktualität.

11. Limux

Besser als das Hofbräuhaus: Die Verwaltung der Millionenstadt München stellt 15 000 PCs auf Linux um. Verwaltungen im In- und Ausland beobachten die Migration.

12. Unkonventionell

Für Freunde anti-windschnittiger Alltagskulturen hat die Open-Source-Community einige Archaik zu bieten. Beispiel: Linus' Stinkefinger in Richtung Nvidia.

13. Fremdes Glück

Seit Linux das Microsoft-Quasi-Monopol bei x86-Servern gebrochen hat, profitieren die verbliebenen Windows-Server-Kunden von marktgerechten Lizenzkosten.

14. Open WRT

Gerätehersteller verlieren schnell die Lust, ältere Modelle mit Firmware-Verbesserungen zu versorgen. Open WRT bewahrt diese vor dem erzwungenen vorzeitigen Ruhestand.

15. Datenbanken

In den 90ern erkannten die Datenbanken-Hersteller wie Software AG, Oracle oder Informix als erste das Potenzial und portierten ihre Produkte auf Linux.

16. Knoppix

Klaus Knopper beweist seit 2002, dass dank Open Source auch Einzelkämpfer eine (Live)-Distribution mit besonderen Eigenschaften schaffen und am Leben halten können.

17. Grosse Meriten

Linus Torvalds bekommt 2012 von einem internationalen Auswahlkomitee den mit 1,2 Millionen Euro dotierten Millennium Technology Preis zuerkannt.

18. Steam

Für die Spieleplattform gibt es nicht nur einen richtigen Linux-Client, der Anbieter legt mit Steam OS auch ein eigenes Linux-Betriebssystem fürs Wohnzimmer vor.

19. All 1: Schwerelos

Im April 1997 startet die Raumfähre Columbia ins Weltall. Mit an Board: Debian GNU/Linux. 2013 stellt die ISS sogar alle Desktops auf Debian um.

20. All 2: Harte Brocken

Ein 1994 entdeckter Asteroid erhält den Namen (9885) Linux. Zudem da draußen unterwegs sind: (9793) Torvalds, (9965) GNU und (9882) Stallman.

Flop

1. –

Trotz intensiver Suche: Der Hitlistenplatz bleibt leer.

2. Jahr(e) des Desktops

Alle Prognosen der letzten zwei Jahrzehnte – auch die im Linux-Magazin –, dass das jeweils nächste Jahr den Durchbruch für den Linux-Desktop bringen werde, erweisen sich als falsch.

3. Bundestags-Groupware

Im Jahr 2002 beschließt der Ältestenrat die Server des Deutschen Bundestags auf Linux umzustellen. Doch Open-Xchange kann die Ansprüche einiger Abgeordnete an Adressbücher und Terminverwaltung nicht erfüllen. 2007 fällt der Entschluss, dies mit Exchange und Outlook zu realisieren.

4. United Linux

Eine Allianz namhafter Distributionshersteller für ein Standard-Linux gerät zum Rohrkrepierer – schon allein deshalb, weil die klagefreudigen SCO-Stänkerer mit am Tisch sitzen.

5. Heartbleed

In Open SSL blieb zwei Jahre lang eine hochkritische Sicherheitslücke unentdeckt. Die technischen Folgen und der Ansehensverlust sind enorm.

6. Mobile Linuxe

Obwohl von Betriebssystem, Bibliotheken und Toolchains die Grundlagen gelegt sind, schafften es Maemo, Meego, Tizen & Co. nicht, marktfähige Smartphone in die Geschäfte zu bringen.

7. Öffentlichkeit

Bei Marketing und Öffentlichkeitsarbeit stecken Communities und Open-Source-Firmen im Kindergartenalter fest. Kaum jemand außerhalb weiß Genaueres über quelloffene Software.

8. Novell

Das ins Hintertreffen geratene Unternehmen Novell kauft Anfang 2004 Suse – ein Deal, der die Verbreitung von Suse-Linux hemmte und 2011 mit Attachmate ein Ende fand.

9. Netbook-systeme

2008 verkaufte sich der Asus Eee PC mit Xandros Linux wie geschnitten Brot. Microsoft hatte keine Alternative zur Hand, konnte das Boom-Segment trotzdem kampflos übernehmen.

10. Börsen-Überflieger

Im Jahr 2000 bewerten die Börsen Firmen wie Innominate, ID-Pro, Linuxcare, Caldera oder Red Hat utopisch. Mitten in der ungehemmten Expansion platzt die Blase.

11. Broken Repositories

Dem Pflegepersonal vieler Distributionen fehlt der Blick auf Gelegenheitsanwender. Wer nach ein, zwei Monaten bootet, scheitert beim Update an unlösbaren Abhängigkeiten.

12. Undokumentation

Anwender hantieren oft mit nur einem Subset von eigentlich verfügbaren Funktionen und Tools, da Umfang und Aktualität der Dokumentationen ungenügend sind. Dauerthema.

13. Der Preis ist heiß

Viele kommerzielle Anbieter von freier Software werben rein mit günstigeren Preisen, statt originäre Funktionen anzubieten, die Anwendern das Staunen lehrt.

14. Linux World

Die Linux World Conference and Expo bewies in den 2000er-Jahren, dass die Allianz von Linux und Kommerz funktioniert. Doch die Organisatoren verloren das Interesse.

15. Loopback-Mounts

Auch wer Besitzer einer Datei mit eingepacktem Dateisystem sowie eines Mountpoints ist, kann die Datei nicht Loopback mounten. Warum nur Root dies darf? Keine Ahnung.

16. Alte Hardware

In den letzten zehn Jahren haben Verständnis und Unterstützung der Kernelentwickler für Anwender mit älterer Hardware fühlbar nachgelassen.

17. Wienux

Die 2005 gestartete Initiative für freie Software in der Wiener Verwaltung kommt 2008 zu Fall, als die Stadt drei Viertel der Linux-PCs wieder mit Microsoft-Lizenzen ausstattet.

18. Außenamt, Berlin

Einst ein Vorreiter der Linux-Migration, entschließt sich ein neuer IT-Leiter dazu, dem vermeintlichen Anwenderfrust durch den Schwenk zu proprietärer Software zu begegnen.

19. Unity

Canonical setzt eine eigene Desktop-Oberfläche durch und macht damit die eigenen Gnome-Anhänger zu Abtrünnigen. Kann man machen, muss man aber nicht.

20. Android

Google hebelt in seinem Mobil-OS das bewährte Rechtekonzept von Linux so aus, dass spionierende Apps leichtes Spiel haben. Das beschädigt Linux' guten Ruf.

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