Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2014
421

Free Software Foundation Europe

Die Free Software Foundation Europe, kurz FSFE, wurde im Jahre 2001 als deutscher gemeinnütziger und eingetragener Verein gegründet. Die FSFE ist eine Schwesterorganisation der (nord-)amerikanischen Free Software Foundation, aber von dieser finanziell, juristisch und personell unabhängig.

Sie beteiligte sich beispielsweise an dem 2001 begonnenen Kartellverfahren der EU gegen Microsoft (auf der Seite der Europäischen Kommission). Das Verfahren konnte in allen Instanzen von der Europäischen Kommission in Brüssel bis zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg erfolgreich abgeschlossen werden [22].

Ein weiteres Projekt der Free Software Foundation Europe ist die Freedom Task Force, kurz FTF ([23], Abbildung 7). Mit diesem Projekt verbunden ist ein privates Netzwerk von Rechtsexperten, das European Legal Network [24].

Abbildung 7: Die Freedom Task Force ist ein Projekt der Free Software Foundation Europe.

European Legal Network

Der Name ist etwas irreführend, denn es besteht inzwischen aus über 200 Mitgliedern in 27 Staaten und auf vier Kontinenten und stellt zurzeit die weltgrößte Infrastruktur für juristische Unterstützung freier Software dar. Das "European" im Namen bezieht sich daher lediglich auf die Verbundenheit dieses Netzwerks mit der FSFE.

Das European Legal Network ist ein wesentlicher Knoten im Netzwerk der an freier Software interessierten Juristen und an Rechtsfragen interessierter Entwickler. Mitglieder des Netzwerks sind auch maßgeblich an der Zeitschrift "International Free and Open Source Software Law Review" [25] beteiligt. Dem Recht der freien Software ist somit auch eine internationale Fachzeitschrift gewidmet, auch wenn diese seit 2013 nicht mehr gedruckt erscheint..

Mit der FSFE verbundene Juristen und andere Experten hatten 2003 die Treuhänderische Lizenzvereinbarung (Fiduciary Licence Agreement, kurz FLA) entwickelt. Diese Lizenzvereinbarung ermöglicht es Projekten, ihre rechtliche Wartbarkeit dadurch zu erhalten, dass sie die Möglichkeit der Relizenzierung bewahren und die fürs gerichtliche Durchsetzen von Lizenzen nötigen Rechte auch in ausreichendem Maße an eine (meist juristische) Person abtreten [26].

Die abtretende Partei verliert dabei ihr Recht am Code keineswegs vollständig, da die FLA auch die Rückgabe des uneingeschränkten Nutzungsrechts an die abtretende Partei regelt. Dem Treuhänder werden durch die FLA allerdings Obliegenheiten auferlegt; sollte er diese Richtlinien brechen, erlöschen alle ihm erteilten Bewilligungen und Lizenzen automatisch [26]. Das soll einen fairen Ausgleich zwischen den legitimen Interessen des Projekts und der Beitragenden erzielen helfen. Ein Autor der Treuhänderische Lizenzvereinbarung hat diese im Linux-Magazin 05/03 vorgestellt [27].

Nicht nur für solche und ähnliche Zwecke hilfreich sind die bestehenden, rechtlich zwar unmaßgeblichen, aber informativen Übersetzungen der GNU General Public License (Versionen 2 und 3) sowie der GNU Lesser General Public License (Versionen 2.1 und 3) [28].

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