Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2014
© Scott Rothstein, 123RF

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Governance bei Open-Source-Projekten – Erfahrungen und Entwicklungen

Frei regiert!

FLOSS-Projekte sind weder Staaten noch Unternehmen, und doch müssen sie sich intern sinnvoll organisieren, um dauerhaft zu existieren. Good Governance, das richtige Regieren, ist gefragt. Wie haben die großen Projekte der Gegenwart das in den letzten 20 Jahren getan, was hat funktioniert – und was nicht?

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Das Linux-Magazin hat in den letzten 20 Jahren viele FLOSS-Projekt begleitet und ihren Werdegang dokumentiert. Immer wieder ging es dabei auch um die interne Organisation der Projekte selbst. Denn obwohl Open Suse oder Debian – um nur zwei Beispiele zu nennen – weder Staaten noch Konzerne sind, brauchen sie eine sinnvolle Organisationsstruktur, die die Kooperation aller Beteiligten erst ermöglicht.

Die richtige Regierungsform will erst gefunden sein

"Governance" – das Wort steht für das Regieren, aber auch das intelligente Führen – mag in diesem Kontext sehr technokratisch klingen, trifft das Problem aber im Kern: Wie organisieren sich FLOSS-Projekte sinnvoll? Welche Hierarchie funktioniert in einem Netzwerk von Freiwilligen, ist eine Hierarchie überhaupt nötig oder funktionieren Laisser-faire-Ansätze genauso? Welche Rolle spielt im technischen Kontext das Thema Demokratie und wie lässt sie sich sinnvoll umsetzen?

Der folgende Artikel blickt zurück und stellt die Ansätze vor, die sich verschiedene Organisationen zu eigen gemacht haben. Was hat funktioniert, was nicht – und was ergibt sich daraus für junge Projekte, die vor den gleichen organisatorischen Herausforderungen stehen?

Linux – eine Diktatur mit Linus als Dictator for Life

Den Anfang macht fast zwangsläufig der Linux-Kernel selbst, auch weil gerade dieser im Grunde eine Anomalie innerhalb der Open-Source-Szene ist. Unabsichtlich ist es Linux-Erfinder Linus Torvalds gelungen, ein System auf Grundlage des BDFL-Prinzips zu gründen und erfolgreich zu betreiben. BDFL steht dabei für "Benevolent Dictator for Life" – gemeint ist ein zentraler Mäzen, eine Identifikationsfigur, die die Geschicke eines Projekts quasi im Alleingang betreut.

Das bedeutet aber keineswegs, dass jener Mäzen sich für seine Arbeit keine Helfer an Bord holen dürfe; schließlich sichtet Linus Torvalds schon seit langer Zeit nicht mehr jeden Codechange im Kernel selbst, bevor er ihn durchwinkt. Torvalds hat sich für diese Aufgabe ein ganzes Netzwerk an Subsystem-Maintainern organisiert, also Entwicklern, die sein uneingeschränktes Vertrauen genießen. In dieser Hinsicht trägt der Kernel Grundzüge einer Meritokratie, also einer Herrschaft derer, die sich in der Vergangenheit entsprechende Meriten erworben haben. Dennoch obliegt es Torvalds allein, richtungsweisende Entscheidungen für Linux zu treffen.

Hinzu kommt, dass der Finne in fast der ganzen FLOSS-Szene ohne jede Einschränkung als Autorität gilt. Das räumt ihm auch das Privileg ein, sich harsch und oft unangemessen gegen andere öffentlich zu äußern, ohne dafür getadelt zu werden. Torvalds Wutausbrüche auf der Linux-Kernel-Mailingliste sind legendär, auch auf Google Plus ist er sich für ordentliche Rants nicht zu schade.

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