Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2014

Devops ist ein Pilotprojekt wert

Gemeinsam zum Ziel

Devops macht IT-Abteilungen leistungsfähiger und ihre Mitarbeiter zufriedener – das besagt eine aktuelle Studie. Welche Zutaten stecken konkret in dem modischen Rezept? Eine Einführung.

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Buzzword-Alarm! Der Begriff Devops, in dem Development (Entwicklung) und Operations (IT-Betrieb) verschmelzen, findet sich derzeit fast überall: Es gibt Blogs, Bücher, Artikel, Schulungen und Software zum Thema.

Die neue Art der Zusammenarbeit von Entwicklern und Admins haben unter anderem John Allspaw und Paul Hammond auf der kalifornischen Velocity-Konferenz 2009 bekannt gemacht. Ihre Folien [1] beschreiben, wie die Techies der Foto-Community Flickr zehn oder mehr Deploys am Tag durchführen.

Verändertes Berufsbild

Diese Praxis ist mittlerweile Alltag auch in deutschen Internetfirmen. "Mein Eindruck ist, dass man als Firma mit den alten Arbeitsmodellen nicht mehr wirtschaftlich bestehen kann", erklärte beispielsweise Schlomo Schapiro, Systemarchitekt bei Immobilienscout24, dem Linux-Magazin [2].

Es gibt immer mehr IT-ler, die sich selbst als Devops beschreiben, ja es gibt sogar Devops-Abteilungen. In der Studie "2014 State of Devops Report" [3] gaben 31 Prozent der über 9000 Befragten an, ihre Stellenbeschreibung sei Devops Engineer. In einer Devops-Abteilung arbeiten laut der Umfrage 16 Prozent.

Der Bericht, bei dem nach 46 Prozent aus den USA immerhin 25 Prozent der Befragten aus Europa stammen, entstand im Auftrag von Puppet Labs, IT Revolution Press und Thoughtworks. Man sollte im Hinterkopf behalten, dass diese Unternehmen Software, Publikationen und Dienstleistungen rund um Devops anbieten, weshalb das Porträt dieser Arbeitsmethode im Zweifel eher positiv ausfallen dürfte.

Jedenfalls konnten die Autoren aus den Selbstauskünften Folgendes ermitteln: Überdurchschnittlich leistungsfähige Abteilungen wenden Devops-Techniken an. Die Leistung der IT-Abteilung bemisst die Studie dabei nach der Häufigkeit von Deployments, der für Änderungen (Changes) benötigten Zeit sowie nach der Mean Time to Recover, also der benötigten Zeit, um nach Ausfällen den Betrieb wieder herzustellen. Diese Korrelation macht neugierig, was die Devops-Anhänger anders machen.

Devops-Prinzipien

Die Devops-Prinzipien sind im Grunde noch die bereits 2009 beschriebenen (siehe Kasten "Devops-Regeln"). Kernpunkt ist die engere Zusammenarbeit von Entwicklern und Admins, üblicherweise in einem gemeinsamen produktspezifischen Team. Es gilt nicht mehr, dass die Entwickler nur für neue Softwarefeatures zuständig sind und die Admins für einen zuverlässigen und effizienten IT-Betrieb (Abbildung 1) – sie arbeiten gemeinsam an allen diesen Zielen.

Devops-Regeln

  • Entwickler und Admins arbeiten in einem gemeinsamen Team zusammen.
  • Kleine, häufige Änderungen durchführen.
  • Allen Anwendungs- und Admin-Code unter Versionskontrolle stellen.
  • Möglichst viel automatisieren: Tests, Build, Deployment, Provisionierung.
  • Die Metriken des IT-Betriebs für alle Mitarbeiter sichtbar machen.
  • Eine Kultur von Offenheit, Lernbereitschaft und Fehlertoleranz pflegen.
© © J. Allspaw und P. Hammond 2009Abbildung 1: Die Devops-Philosophie schafft die traditionellen Grenzen zwischen Entwicklung und Betrieb ab.

Eine Einführung in Devops in nur sieben Minuten liefert ein Video [4]. Der auch für Meetings geeignete Kurzfilm stammt vom Hoster Rackspace – der ebenfalls Devops-Dienste anbietet. Er erklärt unter anderem, dass Devops auf das Deployment kleiner übersichtlicher Features für Produktivsysteme setzt, wie das die agile Schule schon lange empfiehlt. Sie lassen sich leicht testen und ohne große Eingriffe in die Infrastruktur ausrollen.

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