Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2014
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Tiddly Kanban

Der vierte Testkandidat kommt ebenfalls aus dem Open-Source-Lager. Tiddly Kanban [4] stammt aus der Feder von Tim Barnes, ist kostenlos und steht unter der Creative-Commons-Lizenz. Das Tool ist ein Plugin für das Tiddly Wiki, um darin eigene Kanban-Boards zu integrieren. Gemeint ist allerdings die alte Version 2 [7], die eine Bitparade im Jahr 2010 vorgestellt hat [8]. Anfang dieses Jahres veröffentlichten die Entwickler den neuen Core der Version 5 [9], die mit den alten Wikis und deren Erweiterungen nicht kompatibel ist. Ob Tiddly Kanban auch als Plugin für das neue Tiddly Wiki geplant ist, ist nicht bekannt.

Genau wie bei My Personal Kanban handelt es sich bei diesem Tool um eine HTML-Datei mit eingebettetem CSS-Stylesheet und Javascript. Alle Einträge der Benutzer landen ebenfalls in der HTML-Datei. Der Browser Firefox benötigt zur Zusammenarbeit – wie für alle anderen Tiddly-Anwendungen – das Addon Tiddly Fox [10]; Chromium setzt auf das Java-Applet Tiddly Saver [11]. Die Tester schauten sich Tiddly Kanban in Version 0.9.1 vom November 2011 an.

Um Tiddly Kanban in Betrieb zu nehmen, laden Anwender die HTML-Datei herunter und öffnen sie im Browser. Über den Link »new tiddler« auf der rechten Seite erzeugen sie einen neuen Eintrag, geben dem Board einen Namen und fügen im Editorfeld die folgende Zeile hinzu:

<<kanban Warten InArbeit Erledigt>>

Das erzeugt ein neues Kanban-Board mit den drei Spalten »Warten« , »InArbeit« und »Erledigt« . Die Bezeichner dürfen keine Leerzeichen enthalten, da Tiddly Kanban diese als Trenner interpretiert. Wer mehr Spalten benötigt, der darf weitere Begriffe eingeben. Ein Klick auf »done« speichert das Board.

Neue Aufgaben definiert der Benutzer, indem er auf den Link »new tiddler« der jeweiligen Spalte klickt (siehe Abbildung 7). Auch in diesem Fall öffnet sich der einfache Editor, der Nutzer trägt einen Namen und eine Beschreibung ein. Er beendet die Eingabe per Klick auf »done« . Tasks darf er mit der Maus in die gewünschte Spalte ziehen, ein Klick auf den Namen öffnet wiederum den Editor.

Abbildung 7: Ein Kanban-Board im eigenen Wiki: Tiddly Kanban bietet einen einfachen Editor, den Anwender über new tiddler öffnen. Karten wandern per Drag&Drop in eine andere Spalte.

Handarbeit

Um das Look&Feel von Tiddly Kanban an eigene Wünsche anzupassen, blättern Anwender nach unten zum Punkt »StyleSheetKanbanPlugin« und verwenden den integrierten Editor. Alternativ bearbeiten sie die HTML-Datei mit dem eigenen Lieblingseditor und laden sie danach im Browser neu. CSS-Kenntnisse sind dazu unbedingt erforderlich, jeder externe Editor mit Syntax Highlighting erleichtert die Arbeit ungemein. Das Kanban-Board bleibt in jedem Fall einfarbig – verschiedene Nuancen für die einzelnen Karten setzen ist ein geplantes Feature, bislang aber nicht umgesetzt.

Da sich alle Informationen in einer einzigen Datei befinden, können Anwender Tiddly Kanban mit allen Boards und Aufgaben per Netzwerkfreigabe zur Verfügung stellen oder gemeinsam über Clouddienste wie Dropbox, Boxsync & Co. nutzen. Zusammen mit einem Tiddly Wiki oder in eine Webseite eingebunden stellt dieses Tool seine Dienste auch online zur Verfügung. Allerdings sind alle Bearbeitungsfunktionen dann gesperrt. Die kann ein findiger Programmierer im Javascript-Code zwar wieder einschalten, dann benötigt er aber eine andere Zugriffskontrolle. Zur echten Teamarbeit binden Anwender am beste das Plugin Tiddly Lock [12] ein, das Dateien beim Bearbeiten sperrt.

Das Menü an der rechten Seite listet alle Änderungen auf. Eine frühere Version der Boards können Anwender allerdings nur dann wiederherstellen, wenn sie die Funktion »SaveBackups« in den Einstellungen aktiviert haben. Ein Feature, über das Anwender nachvollziehen können, welchen Weg eine Aufgabenkarte bereits zurückgelegt hat, plant der Entwickler nach eigenen Aussagen bereits.

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