Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2014
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My Personal Kanban

Der Programmierer Greg Gigon setzt für seine Kanban-Anwendung auf HTML 5 und Javascript. My Personal Kanban [3] ist kostenlos, steht unter der GPLv3, verwendet das Angular-JS-Framework und läuft laut Aussage des Entwicklers in den Browsern Chrome, Firefox, Safari und Opera. Die Tester schauten sich Version 0.4.0 vom März 2014 an.

Das Tool erfordert keine großen Installationsorgien: Anwender laden und entpacken das Zip-Archiv und öffnen die Datei »index.html« im Browser. Änderungen speichert das Tool per Supercookies (Web Storage) im Webbrowser-Cache, was bedeutet, dass die Boards und sämtliche Daten abhanden kommen, wenn der Benutzer den Cache leert. Daher steht als Alternative die Anbindung an die Google-Cloud zur Verfügung.

Zu einem neuen Kanban-Board gelangen Benutzer über »Kanban | New« . Sie tragen einen Namen ein und wählen die Spaltenanzahl aus. In einigen Browsern verhielt sich die Anzeige im Test merkwürdig. Während im Vollbildmodus alle Spalten sichtbar waren, zeigte My Personal Kanban nur eine einzige Spalte an, wenn die Tester das Fenster auf die halbe Bildschirmbreite verkleinerten.

Über einen Klick neben die Spalte verändern Nutzer deren Titel, über das Plussymbol fügen sie eine neue Aufgabenkarte hinzu. Der Editor gibt sich spartanisch: Hier ist Platz für den Titel und eine Beschreibung. Eine Farbe wählt der Anwender per Mausklick aus (siehe Abbildung 5). Die Nuancen haben keine tiefgehende Bedeutung, My Personal Kanban ordnet sie auch nicht etwa bestimmten Tasktypen zu, wie Kanbanik das macht. Selbstverständlich bleibt es dem Anwender überlassen, sich ein eigenes Farbschema zu überlegen – dann sollte er aber die anderen Teammitglieder einweihen.

Mit der Maus ziehen Anwender ihre Karten in andere Spalten hinein. Die Zahl hinter dem Spaltennamen zeigt an, wie viele Tasks enthalten sind. Eine Grenze gibt es bei My Personal Kanban nicht; Anwender müssen daher selbst die Kanban-Regeln einhalten und ihr eigenes WIP-Limit definieren.

Abbildung 5: Der Aufgabeneditor beschränkt sich auf das Wesentliche. Benutzer setzen den Titel, die Beschreibung und die Farbe für die Karten.

Sparflamme

Anwender können sich im Menü »Kanban« zwischen einem hellen und einem dunklen Theme entscheiden. Die verantwortlichen CSS-Dateien finden sie im Unterverzeichnis »styles/themes« . Mit einem Editor und CSS-Kenntnissen modifizieren sie diese oder erzeugen neue Themes. Letztere binden sie über die Datei »5ebce75f.themes.js« im Ordner »scripts« ein.

Wie erwähnt synchronisiert My Personal Kanban die Daten auf Wunsch über den Google-Cloudservice – und das ist auch gleichzeitig die einzige Möglichkeit, ein Backup zu erzeugen beziehungsweise die Daten auf einen anderen Rechner zu bringen. Dazu besuchen Anwender zunächst die Projektseite, klicken rechts oben auf »Get started« und geben dann die Zugangsdaten ihres Google-Kontos ein. Anschließend erhalten sie in der Abteilung »Kanban Key« den Schlüssel, den sie in My Personal Kanban unter »Cloud | Setup« hinterlegen. Dort tragen sie ebenfalls ein selbst gewähltes Passwort ins Feld »Cloud encryption key« ein (siehe Abbildung 6). Schlüssel und Kennwort fügen sie danach einer anderen Instanz hinzu. Der Abgleich erfolgt jeweils manuell über »Cloud | Upload« und »Cloud | Download« .

Ein Team muss nicht dieselbe Google-Adresse nutzen, um Boards auszutauschen. Es reicht, wenn ein Anwender seine Kontodaten einträgt, um einmalig den Key für My Personal Kanban zu erzeugen. Die Daten liegen auch nicht in der Cloud der Anwender, sondern in der des Entwicklers. Er verwendet dazu die Google App Engine, eine Plattform zum Entwickeln und Hosten von Webanwendungen auf den Google-Servern.

Auf Nachfrage erfuhren die Tester, dass die Daten verschlüsselt sind und es daher unmöglich sei, fremde Kanban-Boards einzusehen. Als Verschlüsselungs-Algorithmus kommt Rabbit zum Einsatz. Ob Anwender Boards mit firmeninternen Projektinformationen in einer fremden Cloud sichern möchten, sollten sie dennoch gut überlegen.

Eine Benutzerverwaltung sowie Import- und Export-Features fehlen dem Tool vollständig. Ein Datenaustausch ist derzeit nur über die Google-Cloud des Entwicklers möglich, die Anwender müssen den Upload und Download jedes Mal von Hand anstoßen. Daher ist eine Teamarbeit in Echtzeit momentan nicht möglich oder nur sehr schwer realisierbar. Entsprechende Bugreports und Diskussionen – auch über eine Speichermöglichkeit außerhalb des Browsers ohne Google-Dienste – finden Interessierte im Git-Hub-Repository [13].

Abbildung 6: Optional hinterlegen Benutzer in My Personal Kanban die Zugangsdaten zu ihrem Google-Konto, erhalten vom Entwickler einen Schlüssel und speichern ihre Boards dann in seiner Cloud.

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