Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2014
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Kanbanik

Der zweite Kandidat ist kostenlos und steht unter der Apache-Lizenz 2.0. Kanbanik [2] geht sowohl auf einem gewöhnlichen LAMP-Server als auch unter Windows-Servern an den Start. Zur Darstellung benötigt das Tool nach Angaben des Entwicklers den Browser Chrome, aber auch Firefox zeigte sich kooperativ und bereitete den Testern nur gelegentlich Probleme.

Sie schauten sich die aktuelle Version 0.2.5 vom September 2013 an. Kanbanik benötigt das Java Development Kit mindestens in Version 1.6, Maven 2 und Mongo DB (Version 2.2.0 oder neuer). Sofern bereits ein Java-Webserver läuft, arbeitet Kanbanik mit diesem zusammen. Alternativ laden Benutzer die für ihr System passenden Runtime- und Application-Zip-Archive herunter.

Beide Archive entpacken Admins in einem beliebigen Verzeichnis. Aus dem Application-Zweig kopieren sie die Datei »kanbanik.war« ins Webapps-Verzeichnis der Laufzeitumgebung, etwa »~/kanbanik-runtime/ jetty/webapps« .

Das Skript im Wurzelverzeichnis der Laufzeitumgebung (»~/kanbanik-runtime/start .sh« ) startet den Server, der anschließend über Port 4041 erreichbar ist. Als Benutzernamen und Passwort ist in der Voreinstellung »admin« gesetzt, seine Daten legt das Tool in der Mongo-DB-Datenbank »kanbanikdb« ab.

Anders als der erste Testkandidat nimmt Kanbanik Einsteiger nicht an die Hand und bietet auch kein fertiges Beispiel. Über »Configure« und das grüne Pluszeichen in der Abteilung »Boards« erzeugen sie zunächst einmal eine Tafel, und im nächsten Arbeitsgang entwerfen sie den Workflow von Grund auf selbst. Während das Anlegen von Boards und Projekten mit Hilfe der grünen Pluszeichen schnell erledigt ist, präsentiert sich der Workflow-Editor etwas undurchsichtiger. Anwender schieben die Elemente der Palette auf die mit »Drop« markierten Bereiche im Feld darüber.

Kanbanik unterscheidet zwischen »Horizontal Items« (Spalten) und »Vertical Items« , die als Unterspalten dienen. So gestalten Benutzer sehr flexibel komplexe Kanban-Boards, die auch mehrere Projekte auf einer Oberfläche zusammenführen. Die Items, die sich im Feld »Workflow of board« tummeln, bearbeitet der Nutzer per Klick auf das Editorsymbol. Im folgenden Dialog trägt er den Namen und die Anzahl der möglichen Tickets (»WIP Limit« ) ein (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Anzahl der Tickets (WIP: Work In Progress) in einer Task konfigurieren Anwender im Einrichtungsdialog der jeweiligen Items.

Äußerlichkeiten

Um Karten farblich voneinander abzugrenzen, definieren Benutzer unter »Configure« so genannte Classes of Service und ordnen jeder ihre eigene Nuance zu. Neue Aufgaben fügt der Anwender dem Board hinzu, indem er auf das grüne Plus unter dem Projektnamen klickt. Im Editor trägt er einen Namen und eine Beschreibung ein. Außerdem darf er ein Datum als Deadline hinzufügen und die Task einem Teammitglied zuweisen. Um eine Farbe zuzuordnen, wählt er eine Klasse aus. Die verfügbaren Kategorien muss er allerdings erraten – eine Autovervollständigung hilft dabei.

Mit dem Kanbanik-Editor bringen Anwender ihre Texte optisch in Form und fügen optional Bilder sowie Weblinks hinzu. Die Aufgaben-IDs vergibt das System automatisch, den Titel, einen verantwortlichen Mitarbeiter, ein Ablaufdatum und eine ausführliche Beschreibung setzt der Projektverwalter. Benutzer verschieben die Tasks mit der Maus in die gewünschte Zeile (siehe Abbildung 4). Im Gegensatz zu Kanban Tool mangelt es hier jedoch an Übersichtlichkeit, und die Kanbanik-Boards wirken mit ihrer hölzernen Grafik recht altbacken.

Abbildung 4: Mit der Maus ziehen Kanbanik-Benutzer eine Aufgabe an eine neue Position im Board.

Im- und Exportfunktionen jeder Art sowie eine Backupfunktion fehlen, ebenso eine Änderungsverfolgung. Eine rudimentäre Benutzerverwaltung verbirgt sich auf dem Reiter »Security« . Über das Pluszeichen fügt der Anwender neue Zugänge hinzu, trägt den Namen und das Passwort ein. Alle Benutzer haben grundsätzlich Adminstatus, dürfen neue Zugänge erstellen sowie Aufgaben und Boards bearbeiten; Berechtigungsgruppen kennt Kanbanik nicht.

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