Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2014
© Markus Feilner

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Monitoring mit Collectd 4.3

Komplexer Baukasten

Noch so ein Underdog: Collectd 4.3 ist ein umfangreiches Monitoring-Werkzeug, das mit einer ausbaubaren Plugin-Architektur aufwartet. Wie mit Legosteinen steckt sich der Admin das Monitoring zusammen.

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Von Collectd gehört haben die meisten Admins bereits, aber wirklich beschäftigt haben sich deutlicher weniger mit ihm, obwohl seine Anfänge bis ins Jahr 2005 reichen. Florian Forster veröffentlichte damals die ersten Versionen von Collectd [1], die eine begeisterte OSS-Community fortführte und bis heute ausbaut.

Konsequent modular

In den Augen vieler Fans ist das wirklich bestechende Feature von Collectd sein Design mit einer alles durchdringenden Modularität. Manch ein Colledct-Anwender meint, der eigentliche Kern von Collectd sei fast primitiv, weil er gar keine Monitoring-Features bereitstellt. Was an Monitoring-Funktionalität vorhanden ist, kommt ausschließlich von Plugins, die der Collectd-Kern nur mehr lädt.

Collectd ist in C geschrieben und enthält praktisch keinen Code, der spezifisch für ein Betriebssystem wäre. Collectd lässt sich somit auf nahezu jedem unixoiden System betreiben. Und es ist überaus genügsam: Weil das Tool kaum Ressourcen benötigt, läuft es auch auf Minimal-Hardware wie dem guten alten Linksys WRT54G oder einem Raspberry Pi.

Die Installation

Aber im Alltag wird der Admin, der beim Monitoring auf Collectd setzt, wohl eher auf klassische Serverhardware mit Linux setzen. Eine handelsübliche Pizza-Box ist völlig ausreichend, und ganz gleich, welche Linux-Distribution läuft: Collectd ist in kürzester Zeit bereit für den Einsatz. Debian-basierten Distributionen liegt Collectd als Paket bei; auch wer auf Centos- oder RHEL-basierten Systemen unterwegs ist, findet im Web fertig kompilierte Pakete der aktuellen Collectd-Version.

Collectd lässt sich sehr leicht installieren (Abbildung 1), was für Admins von großer Bedeutung ist. Es funktioniert nach einem simplen Client-Server-Prinzip: Auf einem zentralen Server läuft der wichtigste »collectd« , aber auch auf jedem zu überwachenden Host startet der Admin eine Instanz des Dienstes.

Abbildung 1: Ohne seine vielen Plugins wäre Collectd nahezu nutzlos. Doch allzu leicht verirren sich Admins in den langen Listen mit verfügbaren Erweiterungen, die es im Web für fast jeden Zweck gibt.

Anhand des erwähnten Framework und der zugehörenden Plugins findet ein Datenaustausch zwischen den vielen Collectd-Instanzen und dem Masterserver statt: Read-Plugins sammeln auf den überwachten Systemen die Monitoring-Daten; ein Write-Plugin verschicken sie anschließend über ein eigenes Protokoll an die Collectd-Masterinstanz. Diese wertet die empfangenen Daten aus, bereitet sie auf und stellt sie über ein Webinterface dar. Wer sich dabei nun einen Nagios- oder Icinga-Nachbau vorstellt, greift allerdings daneben – das Web-GUI zeigt maßgeblich RRD-Graphen an, aus denen sich ablesen lässt, wie der Zustand eines Dienstes über einen Zeitraum ausgesehen hat (Abbildung 2).

Abbildung 2: RRD-Graphen waren das eigentliche Steckenpferd von Collectd, die Sache mit Notifications und Monitoring kam erst wesentlich später hinzu.

Das hat vorrangig historische Gründe: Collectd war ursprünglich nicht fürs Monitoring gedacht, sondern als Hilfsmittel für Admins, die den nötigen Grad an Skalierung ausfindig machen wollten. Collectd sollte Aufzeichnungen darüber führen, welche Last welchen Systemen in welchem Zeitraum zu schaffen machte, damit der verantwortliche Admin rechtzeitig reagieren und mehr Blech für sein Setup einsetzen konnte.

Die Monitoring-Funktion hielt als Notification-Feature erst in Collectd 4.3 Einzug in das Programm, und sie ist – natürlich – über Plugins realisiert. Zusammen mit der Notification-Funktion fanden in 4.3 übrigens auch Thresholds ihren Weg in Collectd; Anwender halten diese Version für die erste vollständige Monitoring-Lösung auf Collectd-Grundlage.

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