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Linux-Magazin 05/2014
© Ljupco Smokovski, 123RF

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Check_mk als Nagios-Alternative

Ausreißer

Check_mk hat zurzeit Rückenwind: Es gilt nicht mehr als schnödes Nagios-Plugin und seine Oberfläche Multisite lässt die Konkurrenz alt aussehen. Doch wird Check_mk diesem Ruf in der Praxis gerecht?

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Wer den Zustand von mehr als einer Handvoll Systeme im Blick behalten möchte, muss auf handgestrickte Shellskripte oder gelegentliche Kontrollen verzichten und braucht ein vollwertiges Monitoring. Der freie Klassiker hierfür ist das altbekannte Nagios.

Ungeachtet aller Beliebtheit hakt es jedoch in traditionellen Nagios-Setups an mehreren Stellen. So zeichnet Nagios sich nicht gerade durch eine einsteigerfreundliche Konfiguration aus und verursacht durch eine wachsende Zahl zu überwachender Systeme und Dienste sowohl beim Admin als auch beim Monitoring-System einen steigenden Puls.

So muss der Nagios-Neuling nach der Installation genau überlegen, auf welchen Systemen er welche Services überwachen will und wie er dies möglichst optimal mittels Hostgruppen und Templates abbildet, damit seine Konfiguration wartbar bleibt. Zugleich wächst aber die Last auf dem Nagios-Server mit jeder Erweiterung: Je mehr Dienste und Hosts dieser überwacht, desto mehr wird die Serverhardware zum Engpass. Die Anzahl der "aktiven Checks" pro Prüfintervall bestimmt, wie leistungsfähig der Server sein muss (Abbildung 1, links).

Abbildung 1: In einem klassischen Setup baut Nagios eine Verbindung pro Check auf (oben), was den Monitoring-Server belastet. Check_mk übermittelt hingegen alle Ergebnisse in einem Rutsch (unten) und spart auf diese Weise Ressourcen.

Check_mk am Start

Speziell gegen diese beiden Probleme, gegen die komplexe Konfiguration und die hohe Serverlast, möchte Check_mk [2] vorgehen. Im Jahr 2008 vom Münchner Mathias Kettner als Ein-Mann-Projekt gestartet, entwickelte sich das 2009 unter GPL veröffentlichte Nagios-Plugin rasch weiter und stand bei Monitoring-Experten recht bald hoch im Kurs. Mehrere Entwickler pflegen das Projekt nach wie vor äußerst aktiv, die Firma hinter dem Projekt vertreibt heute auch Appliances. Check_mk ist also aus seinem Status als Nagios-Plugin herausgewachsen.

Das leistungssteigernde Konzept ist so einfach wie genial: An die Stelle der zahlreichen aktiven Nagios-Checks tritt ein Shellskript als Client-Agent, der seine Ergebnisse als passive Checks an den Nagios-Server übermittelt. Fragt das Server-Plugin die Check_mk-Agenten auf den zu überwachenden Hosts ab, prüfen diese eine Vielzahl von Daten und liefern alle Ergebnisse in einem Rutsch zurück. Das erfordert nur eine einzige Verbindung (Abbildung 1, rechts).

Auch Nagios wertet anders aus: Mit dem Nagios Remote Plugin Executor (NRPE) stupst es in der Regel ein Plugin auf dem Host an, das etwa die RAM-Auslastung misst. Das Plugin erhält einige Schwellenwerte und liefert einen Status zurück (»OK« , »Warning« , »Critical« ).

Check_mk bewertet die Ergebnisse hingegen erst auf dem Server. Dies hat den positiven Nebeneffekt, dass die Agents auf den zu überwachenden Hosts keine weitere Konfiguration benötigen. Der Check_mk-Server filtert die von den Agenten gelieferten Daten mit Hilfe der Konfigurationsparameter und Schwellenwerte, die der Admin festgelegt hat, und schickt die Ergebnisse an Nagios weiter.

Testlauf

Ob Check_mk hält, was es verspricht, soll das Testszenario (siehe Kasten "So haben wir getestet") zeigen. Beide Systeme nutzen als Basis Ubuntu 12.04.4 LTS (die 64-Bit-Ausgabe) sowie alle notwendigen Pakete aus dem hauseigenen Universe-Repository, die einen vermeintlich schnellen Einstieg versprechen. Im Paketdepot fand der Tester jedoch neben einem betagten Check_mk 1.1.12 (aktuell ist Version 1.2.4) nur ein vormodernes Icinga 1.6.1 (aktuell ist 1.10.1). Der Artikel verwendet im Folgenden Icinga und Nagios synonym, wobei Check_mk auch Shinken unterstützt.

So haben wir getestet

In Kombination mit Icinga ist Check_mk im Test auf einem Hostsystem gelaufen und hat dabei den Host selbst sowie eine virtuelle Maschine, auf der mehrere Dienste aktiv waren, überwacht. Beide haben Ubuntu 12.04.4 LTS verwendet. Damit der Admin im Fehlerfall eine Benachrichtigung erhielt, installierten die Tester auf dem Monitoring-Server eine Mail-Konfiguration.

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