Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2014
© Audrius Merfeldas, 123RF.com

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Exklusiv auf der Delug-DVD: Knoppix 7.3 Medialinx Edition

Ein Stick anders

Klaus Knopper, seit letztem Jahr mit Professorentitel, stellt zur Cebit 2014 seine Knoppix 7.3 Medialinx Edition vor. Im Artikel gibt er gleich selbst Einblicke in Distributions-Interna und rückt die blitzgescheite Updatefunktion für USB-Sticks sowie das UEFI-Booten ins rechte Licht.

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Seit über einem Jahrzehnt erscheinen auf meine Initiative hin unter dem Namen Knoppix ("Knoppers Unix System") jährlich etwa zwei Zusammenstellungen von Linux-Software. Knoppix bootet von DVD oder USB-Flashdisk und läuft sofort fertig konfiguriert los – ohne auf einer Festplatte installiert zu sein. Die enthaltene Software eignet sich zum Arbeiten, Surfen im Internet, Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die pünktlich zur Cebit 2014 fertig gewordene Version 7.3.0 [1] basiert wie bei Knoppix üblich aus einem Mix von Debian Stable (Wheezy) und einigen Paketen (in erster Linie Grafiktreiber und Desktop-Programme) aus Testing und Unstable (Jessie). Um möglichst viel neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den Linux-Kernel 3.13.0 mit Cloop und AU-FS sowie Xorg 7.7 Core 1.15.0.

Für Systeme mit mehr als 4 GByte RAM startet mit der Bootoption »knoppix64« alternativ ein 64-Bit-Kernel (Abbildung 1). Möglich werden so auch Systemreparaturen in 64-Bit-Umgebungen per Chroot. Hier eine sehr kurz gefasste Liste mit Highlights der neuen Version:

  • Experimentell unterstützter UEFI-Boot (32 und 64 Bit) von USB-Sticks
  • LXDE, der schlanke Knoppix-Standarddesktop mit dem Dateimanager Pcmanfm 1.1.2
  • KDE 4.8.4 (Bootoption »knoppix desktop=kde« )
  • Gnome 3.8.4 (Bootoption »knoppix desktop=gnome« )
  • Einfacher Desktop-Export via VNC und RDP für Remote Desktop Viewing unter Linux und Windows (Abbildung 2)
  • Smbmount-knoppix, das Such- und Mount-Utility für Samba-Netzlaufwerke
  • Chromium 31.0.1650.63, Iceweasel 26.0 mit Adblock Plus 2.4.1 und Noscript 2.6.8.14, aktualisierter Textbrowser Elinks
  • Libre Office 4.1.4 und Gimp 2.8.6
  • Wine 1.5
  • Virtualbox 4.3.2 und Qemu-kvm 1.7.0
  • Mutt-Vorlagen zur Mailkonfiguration
  • automatische Blattlageerkennung im Scanprogramm Adriane-ocr und Tastaturlernprogramm Karl im Adriane Audio Desktop
  • Auf Wunsch der Linux-Magazin-Redaktion: Adobe Reader und Flashplayer-Plugin (Abbildung 3).

Die meisten anderen Programme tragen neue Versionsnummern, nur fallen die Änderungen nicht so spektakulär aus.

Abbildung 1: Wer auf dem Bootprompt knoppix64 Enter tippt, startet statt des 32-Bit- den 64-Bit-Kernel.
Abbildung 2: Im Support oder Lehrbetrieb hilfreich erweist sich Remote Desktop Viewing via VNC und RDP.
Abbildung 3: Der proprietäre Adobe Reader (rechts) gehört normalerweise nicht in Knoppix, Libre Office (links) dagegen schon.

Teils schwierig, …

Knoppix hält Schritt mit der fortlaufenden Entwicklung von GNU/Linux. Bibliotheken, Tools und Applikationen synchron zu halten, erweist sich immer wieder als ziemliche Herausforderung. Einige Änderungen, bei Debians Bootsystem und der Hardwareunterstützung per Udev beispielsweise, haben mir umfangreiche Recherchen bereitet. Ich musste herausfinden, was ich alles zu ändern habe, um mein System nach dem großen Update überhaupt wieder in Gang zu bekommen.

… und teils erstaunlich simpel

Zum Glück für mich hat sich das Design des Startvorgangs unter Knoppix, das den normalen Bootvorgang von Debian auch mit den zukünftig anstehenden Änderungen (Systemd/Upstart) auf den Aufruf eines einzigen Skripts reduziert, als eine große Erleichterung erwiesen: »knoppix-autoconfig« erledigt das Vorkonfigurieren des Systems in Gänze.

Lediglich die Kernelunterstützung für Devtmpfs musste ich zusätzlich manuell aktivieren, um die aktualisierte Udev-Hardware-Erkennung und das Einbinden von Wechselmedien wieder zum Funktionieren zu bewegen. Der Rest des Übergangs vom alten Knoppix-Setup zum Debian-Testing-Zweig (Pre-"Jessie") lief erstaunlich reibungsarm ab.

Knoppix-Support

Linux-Magazin-Käufer, die Probleme mit der DELUG-Knoppix-DVD haben, sind nicht auf sich allein gestellt: Hat der Datenträger offensichtlich einen Transport- oder Verpackungsschaden, was ab und an leider vorkommt, genügt eine Mail an mailto:info@linux-magazin.de mit einer kurzen Schilderung des Problems und Nennung der Postanschrift. Wenige Tage später leistet der Verlag kostenlosen Ersatz.

Bei technischen Problemen beantwortet Klaus Knopper netterweise Fragen zu Knoppix 7.3, entweder über das Kontaktformular http://knopper.net/kontakt/?kontakt=knoppix oder per E-Mail an mailto:knoppix@linux-magazin.de.

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