Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2014
© unopix, 123RF

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Ceph und Open Stack verheiraten

Traumpaar

Wer Cloudumgebungen baut, braucht nicht nur eine skalierbare Infrastruktur, sondern auch eine performante Storagekomponente. Zu den relevanten Speicherlösungen, die dieser Schwerpunkt vorstellt, gehört auch der Newcomer Ceph, der als Objectstore für die Cloud ein schönes Paar mit Open Stack abgibt.

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So sehr "Cloud" als Buzzword abgedroschen ist, der Popularität vor allem für Unternehmen tut dies keinen Abbruch: Open Nebula, Open QRM oder Eucalyptus sind bekannte Vertreter von Enterprise-Clouds. Keine Lösung steht aber zurzeit so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit wie Open Stack, das aus einer Kooperation der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und des US-Hosters Rackspace hervorging.

In den letzten zwei Jahren hat sich das Projekt vom Underdog zum Standard gemausert, ziehen die Open-Stack-Konferenzen deutlich mehr Besucher an als viele traditionelle Community-Events. Selbst die Verantwortlichen der Open Stack Foundation [1] sind vom Erfolg überrascht. Unternehmen evaluieren ihre Cloudlösungen häufig bereits mit Präferenz für Open Stack (siehe Kasten "Open Stack im Unternehmen").

Open Stack im Unternehmen

Der deutsche IT-Dienstleister Teuto.net setzt Ceph in Kombination mit Open Stack im eigenen Rechenzentrum bereits für einige Kunden ein. Das Produkt will Burkhard Noltensmeier, Geschäftsführer des Unternehmens, seinen Kunden nach der Cebit unter Ostack.de als eigenständigen Dienst anbieten.

Wie Noltensmeier dem Linux-Magazin auf Nachfrage erzählt, habe die Firma im Vorfeld auch andere Lösungen evaluiert. VMwares Vcloud [2] sei für das Open-Source-affine Unternehmen nicht in Frage gekommen, die IT-Abteilung habe sich aber Google Ganeti im Zusammenspiel mit DRBD angeschaut. Diese Kombination funktioniere zwar auch gut, ihr fehle aber die Möglichkeit, System-Images und Netzwerkressourcen automatisiert zu verwalten.

Das Team aus Ceph und Open Stack biete dagegen ein besseres API zur "Provisionierung der Infrastruktur insbesondere des Networking" an, erklärt Noltensmeier weiter. Sie sei hochverfügbar, leicht zu erweitern und gut in Storage- und Netzwerklösungen von Drittanbietern zu integrieren.

Als Speicher ließen sich neben Ceph auch I-SCSI, Filer von Netapp oder Euqallogic von Dell einsetzen, als Hypervisoren zum Beispiel Hyper-V, Xen und VMware. Open Stacks Speicherkomponente Swift sei dagegen nicht in Frage gekommen, weil Ceph die Möglichkeit biete, Block- und Objectstorage über eine gemeinsame Infrastruktur einzubinden, ein Ceph-Cluster sei zudem "relativ einfach in der Handhabung" und robust.

Dennoch sieht Noltensmeier auch an einigen Stellen Verbesserungsbedarf: Er wünscht sich zum Beispiel besseres Caching. Auch das Einrichten eines Raid über die Clusterrechner (Erasure Coding) und Desaster Recovery auf Pool-Ebene seien in der stabilen Version noch nicht verfügbar. Doch beeindrucke ihn die Geschwindigkeit, in der sich Ceph entwickle. (kki)

Das leidige Thema Speicher

Allen Cloudsystemen ist gemein, dass sich der Admin beim Planen für das Setup der Wolke mit dem Thema Speicher befassen muss – Open Stack macht hier keine Ausnahme. Der Einsatz klassischer Storagesysteme greift im Cloud Computing wegen zweier Faktoren zu kurz: Skalierbarkeit und Automatisierung.

Während ein Admin klassischen Storage in automatisierte Abläufe einbinden kann, lässt sich das Thema Skalierbarkeit schwieriger beherrschen: Steht ein SAN erstmal im Rack, wird eine mögliche Erweiterung häufig teuer, wenn sie überhaupt noch umsetzbar ist.

Für den Anbieter einer Public Cloud kommt erschwerend hinzu, dass er den benötigten Plattenplatz kaum voraussagen kann. Aus dem Bedarf der letzten Zeit vermag er zwar ein wahrscheinliches Wachstum zu errechnen, was aber wenig hilft, wenn plötzlich ein neuer Kunde auftaucht, der von jetzt auf gleich 5 TByte Speicherplatz für seinen Imagehosting-Dienst benötigt. Wie die Computing-Komponenten muss der Anbieter auch den Cloudspeicher unkompliziert erweitern dürfen, und hier kommt die freie Software Ceph ins Spiel.

Ceph regiert

Der Quellcode des verteilten Dateisystems Ceph [3] steht größtenteils unter LGPL und BSD-Lizenz. Die Software gilt zurzeit als ein heißes Eisen in der Storage-Szene, weil sie genau diese Fähigkeiten in sich vereint. Dank ihrer Features könnte Inktank, der Anbieter der Storagelösung, alteingesessenen Unternehmen wie EMC und Netapp Marktanteile streitig machen.

Ein vorhandener Ceph-Cluster lässt sich problemlos um zusätzliche Platten erweitern. Die dürfen auch in neuen Computern stecken, denn zum Einsatz kommt ausschließlich Commodity Hardware. Normale SATA-Platten ergänzen den Verbund, was dem Projektbudget deutlich weniger wehtut als eine (meist sehr viel kleinere) SAS-Platte.

Den Admins hilft es, dass Inktank in den letzten Monaten die reibungslose Integration von Open Stack und Ceph vorangetrieben hat und gewissermaßen schon ab Werk darauf schaut, dass Open Stack die Funktionen von Ceph optimal nutzt. Um den idealen Einsatzort von Ceph und Open Stack zu ermitteln, hilft ein Blick darauf, was die Open-Stack-Komponenten an Daten verarbeiten und wie sie mit Speicher umgehen.

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