Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2014

Animalische Technik

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Dass Smartphones die Aufenthaltsorte ihrer Besitzer für Mobilfunkgesellschaften, Apple, Google und die NSAs dieser Welt mittracken, ist bekannt. Wem das zu wenig erscheint, greift zu Aktivitätstrackern und ähnlichen Lifestyle-Apps, die auch einzelne Körperfunktionen aufzeichnen oder das persönliches Essverhalten dokumentieren. Um die Aufenthaltsorte der eigenen Kinder lückenlos im Blick zu haben, dafür hält das Smartphone natürlich auch Lösungen parat – die wohl prima taugen, um das Sozialverhalten des erwachsenen Partners einer steten Prüfung zu unterziehen.

Quasi als Zwischenschritt zum Internet der Dinge erscheint es nur konsequent, solche am Menschen mit großem Erfolg getesteten Mechanismen auch auf Tiere auszuweiten. Auf dem an Katzen-Videos nicht eben armen Youtube kann man nun besichtigen, wie Stubentiger possierlich auf ihnen gereichte iPads tatzen. Gleichwohl tut sich nicht jedes Haustier im täglichen Gebrauch seines Smartphones so leicht wie ein vergleichbar intelligenter Mensch.

Um Fell tragende Handyverweigerer trotzdem in den Genuss der Informationsgesellschaft kommen zu lassen, ist es dem oberösterreichischen Jungunternehmen Tractive hoch anzurechnen, dass es im Januar auf der letzten CES-Messe in Las Vegas seine 80-Euro-Erfindung Petbit vorgestellt hat. Das Gerät zeichnet die Aktivität von Katzen und Hunden auf und bewertet dank Beschleunigungs-, Bewegungs-, Umgebungstemperatur- und Helligkeitsensoren deren Bewegungen als "faul", "leichte Bewegung" oder "aktiv". Der Dosenöffner erfährt so, ob sich der Liebling am Tag genug bewegt hat.

Im Unterschied zur Vernunft ist das Schöne an der Technik, dass sie nicht stehen bleibt. Mit Google Glass und ähnlichen Augmented-Reality-Frühlingsboten zeigt sich die Industrie erkenntlich für die ihr gelieferten detaillierten Bewegungsprofile, Körperfunktionen und Kommunikationsverhalten der smarten Phoniker und versorgt den Cyberbebrillten mit ihrer Sicht auf die Welt. Um die Kosten im Griff zu behalten, wird diese Welt mit begehrenswerten Dingen bestückt sein, die der Benutzer durch ein zustimmendes Augenverdrehen online ordern darf. Über buchbare Apps wird er zudem der Tristesse seiner Umgebung entkommen können: "Singing Woods" statt grauer Vorstadt.

Dann wird es natürlich nur eine Frage der Zeit sein, bis die vierbeinigen Petbit-Träger von heute ihr eigenes "Google Animal Glass" nebst Escapismus-App fordern und bekommen. Dass die zweibeinigen Entwickler der Katzen-Ray-Ban gleich noch eine weitere Force-Feedback-Funktion verpassen werden, bekommen die Fell-Stadtneurotiker dummerweise erst mit, wenn sie per App die ersten Elektroschocks bekommen, um vom Status "faul" auf "aktiv" zu wechseln.

Obwohl Pionier auf dem Gebiet, wird die Elektrobrille wohl nicht von Tractive, sondern von Apple kommen. Der Konzern hat beim Thema Gadgets, bei denen man den Akku nicht rausnehmen kann, einfach die größere Erfahrung. Seither nennen Spötter unter den Haustieren die zugehörigen Software aus dem Store iApp-u-Ghuraib. Geschmacklos, oder?

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