Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2014
© Iakov Filimonov, 123RF.com

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Status quo bei intelligenten Energiezählern, Pimp my Staubsaugerroboter

Der letzte Ableser?

Künftig passiert die häusliche Energiemessung elektronisch und aus der Ferne. Das so genannte Smart Metering freut selbstverständlich die Versorger, doch auch der Endkunde kann die Daten zur Home-Automation benutzen – zumindest mancher Endkunde.

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Die bisher in diesem Schwerpunkt aufgezeigten Anlagen und Möglichkeiten dienen in erster Linie dem Komfort in Haus und Büro. Dass sich die Bewohner intelligenter Gebäude wohl fühlen und neue Möglichkeiten an die Hand bekommen, soll man auch nicht geringschätzen, zumal Smartphone-aktivierten Türöffnern, Multimediastreams überall, ereignisgesteuerten Rollläden oder umfunktionierten Staubsaugern (siehe Kasten "Saugroboter mit Community") ein kultiger Geek-Faktor inne wohnt. Mit Fug und Recht ein gutes Gewissen darf der mit Moral ausgestattete Hauselektronik-Einstein erst entwickeln, wenn es ihm gelingt, Technik und Umwelt zu versöhnen. Der Kampf gegen das Schmelzen der Gletscher kann ganz banal beim hauseigenen Energiezähler beginnen.

Seit ungefähr 2010 lassen Netzbetreiber auch bei Endkunden Stromzähler installieren, die einen Prozessor und ein Display besitzen, dem jeweiligen Anschlussnutzer den momentanen Energieverbrauch und Nutzungszeiten anzeigen und in ein Kommunikationsnetz eingebunden sind. Sogar das "Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung" kennt eine der entsprechende Definition (§ 21d und 21i EnWG). In aller Regel übertragen intelligente Zähler die erhobenen Daten zyklisch an das Energieversorgungsunternehmen. Solche Verbindungen und damit verbundene Dienste nennen Experten "Smart Metering".

Die Vorteile sind vielfältig

Der Netzbetreiber oder Versorger muss nun zwar die höheren Kosten für Anschaffen und Datenübertragung schultern, spart aber Personalkosten für die Ableser. Außerdem fällt es ihm leicht, die Ablesezeiträume auf zum Beispiel monatliche Zyklen zu verkürzen, und kann dem Kunden so präzisere Rechnungen stellen.

Wenn es der Zähler zulässt, kann der Versorger sogar spezielle Tarife anbieten, die das seit dem Siegeszug der erneuerbaren Energien stark schwankende Stromangebot widerspiegeln. An vielen Sonntagen beispielsweise herrscht in Deutschland tagsüber ein starkes Überangebot an Strom. Der Kunde kann per Tarif motiviert werden, seine Verbräuche möglichst in solchen Perioden zu verlegen, also genau dann die Wäsche wäscht, die Warmwasserbereitung hochfährt oder den Saugroboter auf die Ladestation schickt – eine der seltenen Gelegenheiten, wo Umweltschutz und Geldbeutel eine Allianz bilden.

Dem Thema des Linux-Magazin-Schwerpunkts folgend könnte und müsste hier die Home-Automation ins Spiel kommen. Denn wer zu Hause oder im Büro seine Geräte sowieso schon elektronisch an- und abschaltet, kann in die Entscheidungsfindung über das Ob und Wann auch die aktuell im Stromnetz verfügbaren Energie mit einbeziehen – was übrigens schon mindestens die halbe Miete für künftige Smart Grids wäre.

Was sich bis hierher noch nach sehr simplen Steueralgorithmen anhört, bekommt spätestens für all jene echte Komplexität, die zusätzlich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach haben. Sonnenstände, Wetterbedingungen, eigene Verbräuche, Einspeisebedingungen und so weiter wollen jetzt in Einklang gebracht werden. So verwundert es nicht, dass Smart-Home-Anlagen, die auf Solaranlagenbetrieb abgestimmt sind, sich wie's scheint besonders gut verkaufen.

Der Missing Link

Dass an Home-Automation Interessierte die sowieso vorhandenen Funktionen ihres Smart-Metering-Zähler nun einfach mitnutzen dürften, um zum Nutze von Umwelt und Sparstrumpf ihr eigenes (Linux-)Süppchen zu kochen, entspricht im Moment leider nicht der Praxis. Die für diesen Artikel bei großen deutschen Versorgern gestartete Umfrage ergab, dass von einer großen Installationsbasis derzeit keine Rede sein kann (Tabelle 1). Das liegt weniger an den Konzernen selbst als an noch unklaren gesetzlichen Durchführungsbestimmungen.

Außerdem weist der deutsche Strommarkt mit seinen großen Versorgern kartellrechtliche Besonderheiten auf, die eine Trennung von Herstellung, Netz und Verteilung zum Endkunden fördern. Das Ganze ist für den Laien schwer verständlich und hat bei vorliegenden Thema zur Folge, dass zumeist die Betreiberfirma eines Smart Meters eine andere ist als der Energiehersteller und der wiederum eine andere als die zuständige Anbieterfirma für Home-Automation-Produkte.

Tabelle 1

Smart Meter bei großen Stromanbietern

 

E.ON

RWE

Vattenfall

Stromzähler insgesamt/intelligente

Mehr als 2 Millionen in Europa/alle Zähler der E.ON Metering GmbH

Etwa 4 Millionen (Westnetz)/nicht im Vertrieb http://2

Rund 3,3 Millionen/circa 120 000

Smart-Meter-Geräte

Iskra MT 372, Iskra M 375 (SLP), Elster 1440 (SLP, RLM), EMH LZQJ (ohne Wandler), L+G E350

-

EMH und Iskra

Benutze Funktionen

Messung von Leistung, Wirkenergie, Blindarbeit, Maximum, sekundärer Lastgang; sekundengenau für Kunden, Mehrtarif-Messung (8 Tarifregister), Fehlererfassung, Auslesen und Fernparametrierung per GPRS, teilw. Power-Quality- und Einspeisemessung

Fernauslesung bei RLM-Zähler (registrierende Leistungsmessung) für Industriekunden mit mehr als 100 000 kWh/Jahr.

Für Privatpersonen nur bei Pilotanlagen, bei Geschäftskunden rund 3,7 Mio. Fernauslesungen/Jahr

Protokolle

Standard-Übertragungsprotokolle

-

Firmenspezifisch, künftig standardisiert

Für Kunden bereitgestellte Funktionen

Personalisiertes Webportal oder CSV-Datei: Verbrauch und Einspeisung viertelstundengenau, historische Daten, Vergleiche anhand eigener Indikatoren, Vergleiche über mehrere Smart Meter hinweg

-

Per Internet (Browser)

Weitere Informationen/Demos

E.ON Metering GmbH http://3, mailto:info@eon-metering.com/Demoportal wird gerade umgebaut

RWE Metering GmbH als Kompetenzcenter auf dem Feld Messwesen http://4

Aus Richtlinen der Fachverbände und bei den Unternehmen

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