Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2014
© Steve Everts, 123RF.com

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Netzwerkspeicher in der Home-Automation

Datensilos für daheim

Dank ihrer Erweiterbarkeit bieten kommerzielle Netzwerkspeicher diverse Dienste für die eigenen vier Wände an. Stellen günstige Bastellösungen auf Raspberry-Pi-Basis eine Alternative dar?

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Wer die Entwicklung von NAS-Geräten mitbekommen hat und noch die ersten Vertreter dieser Gattung kennt, denkt vermutlich zuerst an Festplatten mit Netzwerkanschluss. Denn lange war NAS-Storage nicht viel mehr als das: kleine Gehäuse, in die sich Festplatten einbauen und dann über das Netzwerk ansprechen ließen, sei es per FTP- oder Samba- oder NFS-Protokoll. Die höherpreisigen Variationen brachten oft Zusatzfeatures wie Raid- oder USV-Systeme mit, aber im Grunde handelte es sich stets um große Datensilos.

Doch Zeiten und Anforderungen der Nutzer ändern sich: FTP, NFS oder Samba? Geschenkt. Private Cloud bedeutet, dass die Netzwerkspeicher am besten jederzeit zur Verfügung stehen und Daten über das Internet verschicken und empfangen. Die Hardware erlaubt es heute, vermeintlich "fachfremde" Apps auf den Geräten zu betreiben: Datenbanken, Webserver, I-Tunes-Server oder einen Downloadmanager, der nachts automatisch große Dateien herunterlädt und so nicht die Leitung tagsüber belastet. All das klingt absurd, aber wenn das Always-on-Gerät schon Strom frisst, soll es dabei wenigstens Sinnvolles leisten.

Multimediazentrale

In der Home-Automation übernimmt das NAS-Device nicht selten eine Funktion als zentrale Multimedia-Ressource und verwaltet die Musik- und Videosammlungen. Das Streamen von Videodaten per UPnP gehört zum guten Ton, weil heute praktisch jeder Fernseher einen Netzwerkanschluss hat. Auch die Stereoanlage akzeptiert im lokalen Netzwerk angebotene Musiksammlungen im MP3- oder (mitunter) Ogg-Format. Nicht zuletzt lassen sich die Speichersilos auch mit IP-Kameras verknüpfen, um aus dem Urlaub die eigene Wohnung im Blick zu behalten.

Verschiedene Geräte mehrerer Hersteller tummeln sich auf dem Markt und stehen in unterschiedlichen Konfigurationen bereit. Dieser Artikel greift Fertiglösungen von Synology [1] und Qnap [2] heraus und stellt ihnen ein Selbstbau-NAS auf Raspberry-Pi-Basis [3] gegenüber.

Speicher von Synology

Synology, eine auch in Deutschland und Großbritannien vertretene Firma aus Taiwan, bietet NAS-Geräte (Abbildung 1) an, die sich an Profikunden und Privatanwender richten: Die billigsten Geräte kommen ohne Festplatte zum Kunden und liegen bei 130 Euro. Nach oben hin ist die Skala offen: Das Preisportal "Geizhals" listet ein 48-TByte-NAS für etwa 6500 Euro auf, wobei sich die 48 TByte auf die Brutto-Kapazität ohne Spiegelung oder Replikation beziehen.

Abbildung 1: NAS-Devices wie das Synology DS213 sind als Storage-Boxen konzipiert, können aber viel mehr, weil sie sich aufbohren lassen.

An Endkunden richten sich eher die kleineren Boxen, namentlich die Geräte der Reihen DS1xx sowie DS2xx und DS4xx. Die erste Zahl hinter dem DS gibt jeweils an, wie viele Platten das Gerät aufnehmen kann, was für Replikationen über Raid-Verbünde wichtig ist. Das DS112 nimmt eine Festplatte auf und kommt auf zirka 170 Euro, das DS212 sowie dessen Nachfolger DS214 liegen bei etwa 250 Euro und akzeptieren zwei Festplatten. Wer noch mehr Platz braucht, muss für das DS412 mit vier Platten ungefähr 350 Euro berappen.

Ein Pferdefuß ist, dass die Geräte mit wechselnden Plattenkonfigurationen in den Handel kommen – mal sind Festplatten ab Werk dabei, mal bezieht sich der Preis aufs blanke Gehäuse. Die Slim-Versionen sind zwar billiger als ihre normalen Pendants, können aber nur 2,5-Zoll-HDDs aufnehmen, was die Speicherkapazität einschränkt.

Die Anbindung an die Außenwelt klappt bei den Synology-Geräten problemlos: Aktuelle Versionen kommen mit USB 3 (Host) daher, auch Gigabit-LAN ist an Bord. Wer externe Platten ergänzen möchte, findet meist auch noch einen E-SATA-Port. Zusammen erlauben diese drei Anschlüsse die Verbindung mit nahezu allen relevanten Geräten.

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