Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2014

FHEM und Konsorten: Soft- und Hardware für das digitale Zuhause

Intelligenz im Hause

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Home Automation muss nicht teuer sein: Hardware für unter 100 Euro, dazu ein Pi oder eine Fritzbox und die richtigen Open-Source-Tools, schon klappt die Steuerung des digitalen Zuhauses.

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Meist fängt es harmlos damit an, dass der Heimwerker einfach mal eine Steckdose oder Lampe über eine Fernbedienung schalten will. Dann holt er sich ein Set aus dem Supermarkt, das für wenig Geld (ab etwa 20 Euro) auch nur an- und ausschalten kann und nicht mit dem PC vernetzt ist. Als Linuxer macht der Heimwerker sich als Nächstes auf zur Internetrecherche, weil er etwas will, das sich vielleicht mit einem Raspi oder vom Androiden aus steuern lässt. Früher oder später landet er so beim FS20-Standard.

Das vertreibt vor allem Conrad Electronics in seinen Läden, doch billiger gibt es die identischen Komponenten bei ELV [1] zu haben, inklusive umfangreicher Dokumentation. FS20 kann dank seines stattlichen Alters und der hohen Verbreitung mit einer großen Anzahl und hohen Diversität bei den Geräten zu moderaten Preisen glänzen. Dennoch ist das Ganze deutlich teurer als die Supermarkt-Fernbedienung: Das Set von drei Funksteckdosen mit Fernbedienung kostete im November 2013 immer noch 90 Euro.

Neben einfachen Schaltsteckdosen, die der Anwender einfach zwischen die Dose an der Wand und den zu schaltenden Verbraucher steckt, existieren eine Vielzahl von Aktoren und Sendern. Es gibt Schalter für die Hutschiene, die sich direkt in den Schaltkasten einbauen lassen, wetterfeste Versionen für den Außenbereich, Bausätze für kreative Bastler, Steuerungen für Rollläden und Markisen, aber auch Sensoren für Temperatur, Regen, Feuchtigkeit und Bewegung.

Das Management übernimmt normalerweise die Hauszentrale, sie steuert alle Teilnehmer zentral an. Meldet der Regensensor beispielsweise Regen, fährt sie die Markise automatisch ein. Die Hauszentrale gibt es ab 100 Euro inklusive Software, der Kunde bedient sie übers LAN. Den echten Linuxer schreckt aber nicht der Preis, eher die proprietäre Steuerungssoftware.

FHEM steuert FS20

Dass es dazu Alternativen gibt, lernten viele Anwender erst, als AVM [2] das Homeautomation System FHEM [3] von Rudolf König als Erweiterung für die Fritzbox anbot. Wer sich einen Sender und Empfänger als USB-Stick besorgt, konnte so Kontakt zu dem FS20-Managementsystem aufnehmen oder als Verwaltung agieren. Und das Beste daran: FHEM ist ein in Perl geschriebenes Open-Source-Projekt.

Ein CC1101-USB-Lite-868-MHz-Dongle von Busware [4] für etwa 50 Euro ist um die Hälfte billiger als die proprietär bestückte Hauszentrale, und weil FHEM den USB-Dongle etwa an der Fritzbox automatisch erkennt, ist weitere Hardware erst mal unnötig. Nach dem Einstecken greift der stolze Besitzer über die eigene Weboberfläche auf Aktoren und Sensoren zu. Richtig Spaß machen die Apps für Android und I-OS, die ebenfalls das FHEM-Backend ansprechen (Abbildung 2 bis 4). Dabei ist FS20 nur eines von mehreren Protokollen, die FHEM beherrscht.

© fhem.deAbbildung 2: Die FHEM-Steuerzentrale im Browser, …
© fhem.deAbbildung 3: … und auf Android oder iPhone.
© fhem.deAbbildung 4: Das grafische Anzeigemodul von FHEM ist wohl die anschaulichste Darstellungsform der Sensoren.

Eine einfache Aufgabe für jedes Home-Automation-System ist die Kontrolle der Heizkörper. Eine Stunde bevor der erste Bewohner voraussichtlich von der Arbeit nach Hause kommt, sollte FHEM die Temperatur auf ein angenehmes Maß einstellen, nachts und während des Arbeitstages dagegen absenken. Ein einfaches Zeitthermostat kostet etwa 30 Euro, wer es mit den weiter unten beschriebenen Homematic-Systemen [5] steuern will, zahlt 40 Euro.

Für etwas mehr (55 bis 80 Euro), bekommt er gar ein (ebenfalls auf FS20 basierendes) FHT-System [6] mit Stellantrieb, Fensterkontakt sowie einem Raumthermostat. Der Fensterkontakt erlaubt das automatische Ausschalten der Heizung bei geöffneten Fenster. Wer mehrere Heizkörper in einem Raum hat, braucht mehrere synchronisierte Stellantriebe, auch das ist möglich, ebenso beliebig viele Fensterkontakte und ein frei im Raum positionierbares Thermostat.

FHEM kann all diese Systeme steuern und baut aus den Temperaturdaten ganz automatisch einen Graphen, der die aktuelle Stellung des Ventils sowie den Status des Fensterkontakts beinhaltet. Den Temperaturregler an der Heizung steuert der Anwender übers Webinterface oder mit den Apps, auch von unterwegs.

Probleme von FS20

Im Testbetrieb zeigten sich jedoch einige kleinere Probleme mit dem FS20-System. Der Funkbereich scheint nicht besonders gut abgegrenzt, vor allem bei älteren Modellen. Berichte über Störungen häufen sich, besonders seit der Einführung von LTE (790 bis 862 MHz). Im Test entwickelte eine Funksteckdose ihr Eigenleben. [7]

Ein weiterer Nachteil bei FS20 ist der fehlende Rückkanal. Wer zum Beispiel die Funksteckdose direkt am Gerät einschaltet oder wenn ein Schaltbefehl aufgrund einer Störung nicht gelingt, dann bekommt die Zentrale davon nichts mit. Da bleibt dann nur, mit FHEM auf andere Hardware zu setzen.

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