Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2014
© Nadezhda Shoshina, 123RF.com

© Nadezhda Shoshina, 123RF.com

Open-Source-Hard- und Software fürs Boot

Vollmatrose

Zwei Drittel der Oberfläche dieses Planeten sind nur rudimentär vernetzt: die Ozeane. Das noch junge Open-Source-Projekt Hackerfleet will dies ändern, seine Entwickler haben große Ziele.

588

"Zwei Computer auf meinem Segelschiff? Wenn ich wegen deren Stromverbrauch auch nur ein warmes Bier trinken muss, dann fliegen die Teile hochkantig raus, aber hallo!", lautet das Urteil eines erfahrenen Skippers, den das Linux-Magazin um sein Urteil zum Hackerfleet-Projekt bat. "WLAN, Meshnetze und Community-Karten sind einfach nicht die richtigen Tools auf See – da muss ich mich auf Daten verlassen können."

Harter Tobak – doch das, woran die Hackerfleet GmbH (Abbildung 1, http://1) samt ihrer Community arbeitet, unterscheidet sich stark von gängigen Bootsausstattungen. Es irritiert langjährige Segler: Das Konzept sieht vor, alle Sensoren, die moderne Schiffe an Bord haben, auszulesen, die Daten zu sammeln, mobile und stationäre Geräte (auch die Smartphones) an Bord einzubinden und via Uplink und Web zu synchronisieren sowie mit zentral bereitgestellten Daten zu versorgen – Meshnetz, 3G-WLAN und zentraler Datenstorage inklusive.

Abbildung 1: Open-Source-Hard- und Software für bemannte und unbemannte Wasserfahrzeuge aller Art entwickelt das Projekt Hackerfleet.

Einen Mediaserver für die eigenen MP3s und Filme an Bord sowie den WLAN-Hotspot gibt's als Gratiszugabe, dazu eine leistungsfähige Antenne mit Kardanaufhängung im IP68-zertifizierten [2], wasser- und sturmfesten Gehäuse am Mast. Von dort aus geht die Hackerfleet-Software entweder direkt ins GSM-Netz oder aber nach Mesh-Art über beliebig viele Hops bis zum nächsten echten Internetzugang.

Mediaserver, Internet, Schwarm-Karten

Internetzugang ist das eine, doch reicht die Qualität von Community-Daten fürs sichere Navigieren? Wer jetzt denkt, das kann doch gar nicht funktionieren, dem kontern die Hackerfleet-Geschäftsführer Johannes "Ijon" Rundfeldt und Heiko "Riot" Weinen mit der Schwarmintelligenz, ausgeklügelten Algorithmen und der Statistik der großen Zahlen. Heute befindet sich beispielsweise nicht nur ein GPS an Bord, sondern gleich mehrere (eins in jedem Smartphone). Software, die Daten all dieser Geräte mit Tiefenmessungen kombiniert und mit den Daten anderer Schiffe vergleicht, könnte durch geschickte Berechnung deutlich bessere Ergebnisse erzeugen als jede Seekarte, glaubt Rundfeldt.

"Natürlich kann man argumentieren, dass elektronische Geräte auf Schiffen grundsätzlich überflüssig sind, schließlich kommt man auch mit Papierkarte, Sextant, Kompass und einer genauen Uhr überall hin", räumt er ein, während er in der Werkstatt im Bauch der C-Base [3] nahe der Jannowitzbrücke in Berlin an Hard- und Software schraubt. "Generell ist der technische Fortschritt auf See etwas verzögert und langsamer als zu Lande. Seeleute stehen neuen Technologien oft kritischer gegenüber als der typische technikaffine Landbewohner."

Community-Meshnetz

Wer nun vermutet, das Projekt diene nur technikverliebten Wochenendseglern, die hauptberuflich im IT-Bereich arbeiten, der ist auf dem falschen Dampfer: Die Entwickler haben höhere Ziele und orientieren sich offensichtlich an Openstreetmap und ähnlichen Projekten: "Wir wollen alle Informationen sammeln, die Geräte derzeit auf der Brücke nur anzeigen. Unsere Software trägt sie zusammen, berechnet mit statistischen Methoden verlässliche Werte und konstruiert eine kostenlose, ja die bestmögliche Seekarte der Weltmeere", schreiben die Entwickler auf der Webseite.

Rundfeldt und Weinen treiben Hackerfleet als Geschäftsführer einer 2011 gegründeten Firma voran. Das Community-Projekt war im Februar 2011 entstanden, wobei das gemeinsame Ziel lautete, innerhalb von vier Jahren ein Sammelsurium von vielen einzelnen Tools zu einer umfassenden Softwarelösung für Schiffe zu kombinieren.

Mitmachen kann dabei jeder, der entweder ein Schiff oder aber ein Haus an der Küste hat. Die Teilnehmer sammeln Daten und fungieren selbst als Uplink oder als Zugangspunkte im Meshnetz, dem »OpenSeaDataMesh« , oder in einer Meshkette von Schiffen bis zur nächsten küstennahen Station mit Uplink.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • WM der Roboter-Segler startet in Portugal

    In Matosinhos, Portugal, stechen am morgigen Mittwoch unbemannte Boote zur World Robotic Sailing Championship zum ersten Wettkampf in See. Mit dabei sind diverse mit Linux-Systemen bestückte Boote.

  • Genau verortet

    Wie Satellitennavigation mit GPS funktioniert, welche Geräte mit Linux zusammenarbeiten und welche OpenSource-Software es gibt, um die Daten zu extrahieren.

  • Passagierflugzeuge angreifbar?

    Passagierflugzeuge, aber zum Beispiel auch Schiffe lassen sich angreife - das wird diese Woche ein Hacker auf einer BlackHat-Konferenz in den USA behaupten.

  • Login
  • Alphaversion von Qt 5.2 erschienen

    Digia hat eine erste Alphaversion von Qt 5.2 veröffentlicht, das nun unter anderem Qt-Anwendungen für iOS und Android unterstützt.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.