Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2013
© smileus, 123RF.com

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Skaleneffekt: Hosting-Firmen profitieren bei besserer Organisation besonders

Pflege en gros

Für Firmen, die tausende gleichartiger Server betreiben, müsste schon ein kleiner Effizienzgewinn beim Administrieren einer Maschine übers ganze Rechenzentrum betrachtet einen großen Fortschritt bringen.

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In wessen Bürofenster ein paar Blumentöpfe den Alltag verschönern, der nimmt ab und an die Gießkanne zur Hand und sorgt für den Weiterbestand des floralen Ensembles. Wer aber Herr oder Frau über mehrere Gewächshäuser ist, lässt seine Gärtner besser nicht mit Gießkannen über Gänge mäandern, sondern bringt computergesteuerte Beregnungsanlagen in Stellung. Auf die IT übertragen: Admins mit einem bunten und beziehungsreichen Anwendungszoo werden von Fall zu Fall zwischen dem Aufwand für einen formvollendeten Zuschnitt und dem Nutzen entscheiden.

In großen Rechenzentren dagegen, in denen zudem viele der Systeme gleich ausgestattet und mit sehr ähnlichen Diensten betraut sind, liegt der Verdacht nahe, dass Verbesserungen in der Ablauforganisation und bei Tools wegen des Skalierungseffekts sofort positiv durchschlagen. Der Artikel prüft diese These in einer Branche mit starken Server-Armeen nach: Webhosting.

Der Branchenprimus 1&1 gibt sich auf Nachfrage zugeknöpft. Die eigenen Entwickler agierten zwar agil und die Administratoren in unkonventionell erscheinenden Strukturen. Letztere könnte man aber "nicht als neue oder moderne Organisationsform gelten" lassen, so ein Sprecher. 1&1 – eine sehr normale Firma.

Mehr Karten legt René Wienholtz von der Strato AG in Berlin auf den Tisch (Abbildung 1). Er berichtet: "Bei der prozeduralen Organisation haben mit der Normierung und Zertifizierung nach ISO 27 001 einen großen Schritt gemacht und beim Einführen agiler Methoden einen zweiten. Der erste lenkt den Fokus aufs Risiko- und Sicherheitsmanagement, zwingt zu prozessorientiertem Handeln, zu Dokumentation und wird extern geprüft. Agile Methoden verändern das Planen und die Kommunikation im gesamten Unternehmen."

Technisch setzte Strato laut Wienholtz bis etwa zum Jahr 2010 auf hochhomogene Infrastrukturen, die sich leicht verwalten ließen und sehr große Kostenvorteile brachten. Dann aber erhöhte sich die Frequenz der technologischen Umwälzung so weit, dass Strato fürchtete, bei Erhalt der Homogenität in technisch veraltete Hardware zu investieren. Wienholtz, Herr über 50 000 Server, beschreibt den Ausweg: "Kreativität war geboten, zumal wir ein margensensibles Geschäft betreiben. Jetzt setzen wir auf freie Software und gute, aber günstige Hardware – und tauschen nicht mehr effizient zu betreibender Rechner aus. Wir haben Abstraktions- und Verwaltungsebenen geschaffen, die heterogene Strukturen so einfach verwaltbar machen wie homogene."

Abbildung 1: René Wienholtz ist Vorstand für Technologie und Innovation der Strato AG und CTO der Gruppe.

Organisation unter Freunden

Die Rekrutierung des Entwicklungs-Kernteams fürs Shared Hosting passierte auf Basis persönlicher Bekanntschaften. Daraus hat sich ein selbstorganisierendes Team gebildet. Der CTO der 500-Mitarbeiter-AG hat erlebt: "Diese Organisationsform funktioniert nur, wenn die Teammitglieder sehr gut zueinander passen und die Firma auf ihre Fähigkeiten blind vertrauen kann. Die Führungsspanne liegt selbst unter diesen idealen Voraussetzungen bei maximal 20 Mitarbeitern."

René Wienholtz' Credo: "Organisation ist immer nur für den Moment und muss stets überprüft werden." Mit Blick auf den Menschen dahinter beschreibt er die Crux: "Gerade langjährige Mitarbeiter brauchen Veränderung. Zugleich ist es aber das, was sie am wenigsten mögen."

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