Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2013
© underworld under, 123RF.com

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Verändertes Berufsbild des Systemadministrators

Neue Rolle

Wohin führt die schnell zunehmende Zahl zu betreuender Systeme bei gleichbleibender Zahl an Betreuern? Zu Überforderung und Chaos? Andernfalls zu Scrum, Kanban und anderen agilen Arbeits- und Organisationsformen? Das Linux-Magazin hat vier Profis zu ihrer Rolle inmitten eines Berufes im Wandel befragt.

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Wer auf die Visitenkarten von Mitarbeitern der IT-Abteilungen schaut, erkennt schnell die Differenzierung und den Wandel des Admin-Jobs. Wo früher noch "Administrator" in der Signatur stand, prangen nun Begriffe wie "Systemspezialist" oder "Site Reliability Engineer". Differenzierter sind nicht nur die Titel, auch die Aufgabenbereiche wandeln und verbreitern sich schleichend.

Arbeiteten einst die Admins als Herren und Frauen über Server und Systeme in der einen Abteilung und die Programmierer und Dokuschreiber in der Entwicklungsabteilung organisatorisch und räumlich getrennt woanders, so sind die Grenzen heute fließend(er).

Dieser Artikel bereist das Innere von IT-Abteilungen, um die Veränderungen der modernen IT-Arbeit mit Hilfe typischer Vertreter ihrer Zunft zu erkunden. Dabei wird schnell klar: Anders als in der reinen Software-Entwicklung, bei der moderne Methoden sowohl gut erforscht als auch vielfach angewendet werden, befinden sich Admins und Operations-Teams in vielen Fällen organisatorisch mitten in einem Umbruch.

Administrierender Coder und codender Administrator

Tobias Paepke (Abbildung 1) ist Senior Frontend Web Developer beim Vergleichsportal Billiger.de in Karlsruhe. "Unser Unternehmensportal nach Maßgaben von Produktmanagern weiterzuentwickeln ist mein Job", erklärt er. Das bedeutet nicht nur Code schreiben. Zu einem Viertel seiner Zeit, schätzt er, erledigt er klassische Betriebsaufgaben wie externe Schnittstellen anpassen.

So hat Paepke kürzlich die Puppet-Rezepte zur Verteilung der Frontends modifiziert und das Session-Management des Portals erweitert. "Als wichtigen Teil unserer Arbeit optimieren wir die Performance der Systeme und halten sie in einem stabilen Zustand", umreißt er die klassische Operations-Aufgabe.

Zumindest beim Jobtitel beschreitet der Freiberufler Dirk Gomez (Abbildung 2) genau Paepkes Gegenrichtung. "Im Active Directory lautet mein momentaner Jobtitel ,Systemspezialist'", verrät Gomez, der an einem zeitlich befristeten Projekt für einen Dienstleister im Gesundheitswesen arbeitet. Dort betreibt er Webanwendungen unter Linux und Solaris, entwickelt sie aber auch weiter. Zuletzt hat er ein etwas aus der Form geratenes Typo-3-System unter seine Fittiche genommen. Es galt, das CMS zu aktualisieren, das zahlreiche geforkte Extensions hat. Zusätzlich stand ein Update auf eine neue LTS-Release an.

Zu je einem Drittel seiner Zeit kümmert er sich ums Administrieren, zu einem Drittel entwickelt er Software – der Rest sind Kommunikation mit Kollegen und Auftraggebern. Diese Mischform des Code-affinen Admin einerseits oder des Entwicklers andererseits, der sich auch mit Betriebsfragen befasst, trägt der engen Verzahnung der Aufgaben in modernen IT-Abteilungen Rechnung.

Abbildung 1: Tobias Paepke will Wissensinseln bei Billiger.de vermeiden: "Das Ausrollen und Testen einer Release übernimmt jedes Mal ein anderer."
Abbildung 2: Der Freiberufler Dirk Gomez beklagt: "Falsch interpretiert führen agile Methoden dazu, dass Mitarbeiter lediglich Kennzahlen optimieren."

Betrieb großer Daten

Zum Siegeszug hat das Devops-Konzept aber noch nicht angesetzt. Karolin Wachsmuth (Abbildung 3) ist als System Engineer bei der Inovex GmbH in Köln angestellt und betreut einen Großkunden aus der Medienbranche. Ihr Auftrag: "Für die Big-Data-Umgebung unseres Auftraggebers betreiben wir einen Hadoop-Cluster. Ich sorge dafür, dass der in einem Zustand bleibt, in dem unsere Entwickler gut damit arbeiten können."

Abbildung 3: Karolin Wachsmuth von Inovex kümmert sich um einen Big-Data-Cluster: "Meine Aufgaben wähle ich selbst anhand von Erfordernissen."

"Mit Entwicklung habe ich nichts zu tun", grenzt sie sich von der andernorts populären Mischform ab und erweitert dies auch auf ihre Kollegen: "Die Abteilung ist aufgeteilt in kleinere Teams, die sich in der Hauptsache um bestimmte Systeme kümmern, etwa um die Contentmanagement-Systeme oder Datenbanken." Das bedeutet aber auch, eng mit den Kollegen aus der Entwicklungsabteilung zusammenzuarbeiten. Von dort bekommt sie auch fachliche Aufträge, bewertet sie und setzt sie selbstständig um.

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