Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2013
© Maria Volosina, 123RF.com

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Vier Pomodoro-Tools im Test

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Flexible Arbeitszeiten, Eigenverantwortung, Homeoffice – der größte Gegner vieler Anwender ist die Prokrastination. Eine einfache Technik namens Pomodoro will das Zeitmanagement verbessern und findet langsam den Weg in die agile Programmierung. Vier Tools helfen bei der Konzentration.

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Ob im Büro, in der Uni-Bibliothek oder am Heimarbeitsplatz – viele Nutzer haben Schwierigkeiten, konzentriert am Stück zu arbeiten, und lassen sich gerne ablenken. Zudem überfordern komplexe Projekte zunächst viele. Vorhaben wie "Heute schreibe ich an meiner Abschlussarbeit" oder "Bis zum Abend debugge ich meinen Compiler" versickern wegen mangelnder Strukturen schnell in Prokrastination. Genau hier setzt die Pomodoro-Technik [1] an, die seit den 1980er Jahren beim Fokussieren hilft.

Zunächst überlegt sich der Anwender, was genau die Aufgabe ist, um sie dann in kleinere Häppchen aufzuteilen. Jeden Schritt soll er in maximal 25 Minuten abarbeiten können. Der Erfinder der Technik, Francesco Cirillo, legt Wert darauf, dass keine besonderen Hilfsmittel dazu nötig sind. Er selbst verwendet neben Stift und Papier lediglich eine tomatenförmige Eieruhr, die der Technik den Namen gab (Pomodoro: Tomate).

Sobald der Timer startet, muss der Nutzer 25 Minuten lang jede Ablenkung ausblenden. Ist die Aufgabe erfüllt, darf er sie durchstreichen. An jede Pomodoro-Phase schließt sich eine kurze Pause von 5 Minuten an, in der Anwender ihre kreativen Energien aufladen sollen. Nach vier Pomodori, also alle zwei Stunden, gibt es eine Viertelstunde Pause.

So lernen Nutzer, sich gegen Störungen von außen zu verteidigen. Schweifen sie ab oder klingelt das Telefon, vermerken sie diese Unterbrechungen. Ein weiterer Lernerfolg ist, dass Anwender den tatsächlichen Zeitbedarf für eine Teilaufgabe immer besser einschätzen können. Jeder, der einem großen Arbeitsberg gegenübersteht, profitiert davon, erreichbare Zwischenziele zu beschreiben.

Diesen Ansatz verfolgen auch Scrum [2] und die agile Programmierung [3], so ist es kein Wunder, dass Pomodoro-Tools für den Desktop oder das Smartphone den einfachen Küchenwecker ablösen wollen, auch wenn das Ticken der Uhr laut Erfinder beim Konzentrieren hilft.

Zum Test melden sich Flowkeeper [4], Pomodorium [5], Teamviz [6] und Tomate [7] unter Debian 7.2, Ubuntu 13.04 und Linux Mint Olivia Cinnamon (alle 32 Bit). Die Pomodoro-Tools sollen zeigen, wie gut sie den Anwendern bei der Einteilung und Zeitmessung helfen, wie es mit der Optik und den Soundeffekten aussieht, ob sie Auswertungs- und Statistikfunktionen mitbringen und wie es mit der Synchronisation mit anderen Geräten und der Teamfähigkeit aussieht.

Flowkeeper

Der erste Kandidat ist in Java geschrieben, steht unter einer proprietären Lizenz, ist aber kostenlos: Flowkeeper [4] stammt aus der Feder des Entwicklers Constantine Kulak. Die Projektseite bietet einen Windows-Installer und eine Java-Archive-Datei (Linux und OS  X) zum Download an. Linux-Anwender starten das Programm über den Aufruf »java -jar flowkeeper.jar« . Über das Hauptfenster erreichen sie die Programmeinstellungen, aktuelle Arbeitspläne und eine Taskverwaltung. Während viele Pomodoro-Tools auf dem Markt lediglich eine Timerfunktion bieten, unterstützt Flowkeeper den Anwender auch beim ersten Schritt: der Aufgabenplanung.

Über »Create new« stellen Arbeitswillige zunächst den Plan für den aktuellen Tag auf. Danach definieren sie über »Add task« die einzelnen Aufgaben und wählen über ein Dropdownmenü die voraussichtliche Anzahl der benötigten Pomodori aus. In der Voreinstellung sind diese Abschnitte 25 und die Pausen 5 Minuten lang. Bis zu vier Phasen sind möglich. Fügt der Nutzer zu einem späteren Zeitpunkt über das Hauptfenster ein weiteres Pomodoro hinzu, warnt Flowkeeper, dass mehr als vier pro Task nicht sinnvoll sind, ergänzt es aber dennoch.

Ein Klick auf das Weckersymbol startet den Timer (siehe Abbildung 1). Ein neues Fenster zeigt den Countdown an und bietet Buttons, die aktuelle Sessions unterbrechen (»Interruption« ) oder beenden (»Void it« ). Eine Pausenfunktion fehlt allerdings, sodass der Timer immer weiterläuft.

Abbildung 1: Der Flowkeeper-Countdown läuft – jetzt ist Arbeitszeit.

Der Knopf »Hide« verschiebt das Fenster ins Benachrichtigungsabteil; das Hauptfenster verschwindet automatisch, sobald die Uhr läuft. Das Tray-Icon erscheint mitunter recht pixelig oder einfach nur als schwarzes Kästchen ohne Funktion. Den Timer auf den Desktop zurückholen ist damit Glückssache.

Die Flowkeeper-Oberfläche wirkt aufgeräumt und gut strukturiert. Angelegte Tasks gelten allerdings nur für den jeweils aktuellen Tag; das Tool nimmt Unerledigtes nicht mit in den nächsten Tag. Auch die angebotene Statistik hilft nur dabei, die aktuelle Tagesleistung zu rekapitulieren. Erfassungen über einen längeren Zeitraum sind ebenso wenig möglich wie der Export. Die Länge der Pomodori, der Pausen und das generelle Verhalten beeinflussen Nutzer über die »Settings« . Eine Erinnerungsfunktion für längere Erholungsabschnitte ist nicht vorhanden.

Tomatensugo

Im Test gelang es nicht, Flowkeeper unter Linux einen Ton zu entlocken. In den Genuss des leicht blechernen Tickens kommen lediglich Windows- und OS-X-Anwender. Die recht einfach gehaltene Tagesauswertung speichert das Programm nicht, sodass jeder selbst per Copy & Paste seine Leistungen und Fortschritte nachtragen muss. Die Statistik erfasst, wie viele Pomodori der Anwender geplant und erledigt hat; auch ungeplante und nachträglich hinzugefügte Phasen tauchen hier auf (siehe Abbildung 2). Das Tool wertet zudem aus, wie viele Pomodori er abgebrochen hat und wie oft er sich ablenken ließ.

Abbildung 2: Flowkeeper zeichnet die Vorgänge des aktuellen Tages auf und zeigt in der Statistik auch an, wie viele Unterbrechungen der Nutzer erfasst hat.

Flowkeeper kann seine Daten nicht zwischen mehreren Arbeitsplätzen synchronisieren, es ist ebenfalls nicht möglich, im Team auf dieselbe Liste von Tasks zuzugreifen. Das Programm richtet sich damit an Einzelkämpfer, die zu Beginn des Arbeitstages Schlachtpläne entwerfen und diese Stück für Stück abarbeiten möchten. Die Weiterentwicklung scheint derzeit zu stagnieren. Der letzte Eintrag stammt vom Januar 2011 und Feature Requests in den Diskussionsforen verhallen ungehört.

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