Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2013

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Mindestens für Linuxer bildet "Eine Milliarde US-Dollar" die Zahl des Tages. Zugleich ist das, zumindest für Leute, die weder Apple noch Microsoft mitgegründet haben, unfassbar viel Geld. Würde beispielsweise ein Bauer diesen Betrag in 100-Dollar-Noten abheben, könnte er ziemlich genau zehn Hektar Acker damit nahtlos auslegen. Als antikapitalistische Kunstinstallation wäre das sicher hübsch anzusehen, aber schon der erste Herbstwind würde den fragilen Charakter der Sache deutlich machen.

Der Bauer könnte das Geld aber auch ausgeben. Dass dem Leitartikel-Schreiber dabei 100 Millionen Delug-Ausgaben vom Linux-Magazin einfallen, sei ihm bitte verziehen. Alternativ käme Linus Torvalds einige wenige Tausend Jahre über die Runden, was dem Linux-Kernel im gleichen Maße zuträglich wäre wie der Laune mancher Kernel-Mailinglisten-Diskutanten abträglich.

Oder aber, man gibt den Betrag nicht sofort aus und benutzt die Zahl nur für Vergleiche. Rund eine Milliarde Dollar ist der Jahresumsatz von Red Hat oder ein Hundertstel des Umsatzes von IBM. Umgerechnet eine Milliarde Dollar nimmt der deutsche Fiskus jährlich durch die Biersteuer ein, was im zeitlichen und örtlichen Umfeld des Münchner Oktoberfestes einigermaßen Sinn ergibt.

Um ganz nüchtern auf den Grund der Greenback-Akrobatik hier zu kommen: IBM kündigte gerade auf der Linuxcon 2013 in New Orleans an, eine Milliarde US-Dollar für neue Linux- und Open-Source-Technologien für Power-Systems-Server auszugeben. Konkret will der Konzern ein neues Kundenzentrum im französischen Montpellier investieren und eine Linux-Power-Entwicklungsumgebung in der Cloud entwickeln, um der "schnell wachsenden Entwicklergemeinde mit mehreren Tausend ISVs und Open-Source-Projekten Rechnung zu tragen".

Das neue Kundenzentrum und auch die geplante Entwicklungsumgebung sollen es Software-Entwicklern erleichtern, offene Linux-Anwendungen für Big Data, Cloud, Mobile und Social Business auf Power-7-Prozessoren zu schreiben und bereitzustellen. Die Gelder fließen sowohl in Forschung, Design und Entwicklung als auch für Schulungen, Veranstaltungen und in Markteinführungs- und Förderprogramme für Kunden, Geschäfts- und Hochschulpartner.

Seltsamerweise erzeugte IBMs Ankündigung nur wenig Echo in den Medien – vielleicht, weil es schon das zweite seiner Art ist. Ende 2000 hatte der Konzern begonnen, die gleiche Summe für Linux-nahe Entwicklungen zu investieren, und gründete zu diesem Zweck sogar eine interne Kompanie. IBM-Entwickler steuern seither Code für diverse Open-Source-Projekte bei, besonders am Herzen liegen der Firma Open Power, Open Stack, Hadoop, Open Daylight, KVM, Apache und Eclipse.

Das explizite Pushen der Power-7-Plattform jetzt ist sicher eine streng strategische Entscheidung, um diese Maschinen softwaretechnisch attraktiver zu machen. Ob eine Milliarde US-Dollar dafür angemessen sind, ist schwer zu sagen. Um es mal wieder zu vergleichen: Der »arch/powerpc« -Quellcode-Zweig des aktuellen Kernels 3.11.1 ist mit Mann und Maus rund 11,5 MByte groß. Wenn Big Blue nur ihn bedächte, stünden künftig für die Weiterentwicklung jedes Quellcode-Bits zehn Dollar bereit. Dafür lässt sich mancherorts ein Bit-Bier bestellen, was wiederum den Fiskus freut.

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