Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2013
© Aliaksei Smalenski, 123RF

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Perl-Skripte werten aufgezeichnete Aktivitäten aus

Bewegte Reife

Der elektronische Armreif Up misst die Armbewegungen seines Trägers und schließt daraus auf tags zurückgelegte Wege und nächtliche Schlafrhythmen. Wen die offizielle Smartphone-App langweilt, der lässt eigene Perl-Skripte auf das inoffizielle Web-API zugreifen.

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Um der verbreiteten Tendenz zu übermäßigem Körperfett entgegenzuwirken, tragen viele Smartphonebesitzer heutzutage kleine Gadgets mit sich herum, die sie an ihre Trägheit erinnern. Wer stundenlang regungslos vor dem Bildschirm sitzt, soll so motiviert werden, öfter ums Karree zu gehen oder die Toilette im falschen Stockwerk aufzusuchen. Der Trend zur Selbstvermessung kommt aus den USA und rangiert unter dem Namen "Quantify Yourself".

Ein elektronischer Armreif wie das Up-Band ([2], Abbildung 1) von der Firma Jawbone misst die gegangenen Schritte und zeigt später über die zugehörige App fürs Smartphone die zurückgelegte Wegstrecke und die verbrauchten Kalorien an. Das Accessoire gibt es in drei Größen, mehreren Farben und ist auch in Europa für rund 130 Euro leicht erhältlich. Das Gerät scheint funktional nur momentane Beschleunigungswerte zu erfassen und sie zeitlich zu kumulieren. Die geografische Position des Trägers ließe sich mit einem GPS-Chip ermitteln, aber ein solcher würde die kleine Batterie des Geräts wohl in kürzester Zeit leersaugen.

Abbildung 1: Der Armreif Jawbone Up schließt aus den Bewegungen des Trägers auf dessen Aktivität.

Online PLUS

In einem Screencast demonstriert Michael Schilli das Beispiel: http://www.linux-magazin.de/plus/2013/10

Entblößtes Innenleben

Da die auf Lifestyle-Gadgtes spezialisierte Firma Jawbone in Sachen Open Hardware unverdächtig ist, schlitzt in einem Video ([3], Abbildung 3) ein neugieriger Elektronik-Freak kurzerhand die äußere Gummihülle des Armbands auf und zeigt die wasserdicht eingeschweißten Komponenten. Er findet bei seiner Operation ein halbes Dutzend kleinerer Platinchen mit SMD-Komponenten, aber außer einem Beschleunigungsmesser, der Lithium-Ionen-Batterie inklusive Ladechips, einem Vibrator und Komponenten zum Andocken an den Audioport des Smartphones kommt nichts zutage.

Der Armreif schickt also lediglich die zeitlich aufbereiten Beschleunigungsdaten an ein Machine-Learning-System, das aus dem Bewegungsmuster errät, welche Art von Bewegung die Person ausführt (Gehen, Laufen, Fitnesstrainer), wie viele Schritte der Träger geschafft und welche Wegstrecke er dabei zurückgelegt hat.

Abbildung 3: Auf Youtube zeigt ein Bastler, wie er einen Up-Armreif aufschlitzt, und erklärt die Komponenten.

Schlaf der Gerechten

Wer den Reif auch nachts trägt, kann am Morgen über seine Schlafmuster staunen. Die App zeigt grafisch an, wann der Träger zu Bett ging, wann er eingeschlafen ist, wie oft er aufgewacht oder aufgestanden ist. Auf Wunsch weckt die App den Schläfer mit sanftem Vibrieren innerhalb eines 20 Minuten langen Intervalls zu einem Zeitpunkt, an dem das Aufwachen am wenigsten nervig ist.

Zum Erfassen der Schlafrhythmen muss der User das Gerät allerdings vor dem Einschlafen manuell per Knopfdruck in den Schlafmodus versetzen. Bewegt sich der Träger dann lange Zeit nicht, ist er wohl tief eingeschlafen, liegen kleinere Bewegungen vor, gleitet er in eine leichtere Schlafphase hinüber.

Der im Band verbaute Akku hält ungefähr eine Woche ohne Nachladen durch. Um die Daten auszulesen, zieht der User ein Stöpselchen an einem Ende des Bandes ab und legt dabei einen Audiostecker frei. Den führt er in den Audioport seines Smartphones ein (Abbildung 5) und startet die Up-App. Das Band morst die Bewegungsdaten an die App und damit an den Server in der Jawbone-Cloud. Von dort erhält die App die aufbereiteten Daten zurück und zeigt sie grafisch ansprechend an (Abbildungen 2 und 4).

Läufer können Freunde in ihr "Team" einladen und einen Fitnesswettbewerb organisieren. Wer den eigenen Arbeitskollegen nicht auf die Nase binden möchte, dass er sich nächtelang schlaflos im Bett hin und her gewälzt hat, spart diese heiklen Informationsbissen im Bereich »Sharing« von der Publikation aus.

Abbildung 2: Das Smartphone beweist: Nicht genügend Schlaf, aber sein Fitness-Ziel von 10 000 Schritten pro Tag hat der Träger fast erreicht.
Abbildung 4: Erst um 1:20 Uhr ins Bett, dann um halb sieben kurz aufgewacht und gelesen, dann wieder eingeschlummert und um zehn aufgestanden.
Abbildung 5: Steckt der Audiostecker des Armbands in der Buchse des Smartphones, während die Up-App läuft, überträgt sie die Daten.

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