Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2013

Sieben Jahre: Pech!

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Den wenigsten Admins ist es langweilig. Wenn nicht gerade ihre Dienste als "Da kommt kein Anmeldebildschirm mehr!"-Feuerwehrleute gefragt sind, sie prophylaktisch in Logfiles wühlen, dem Klimaanlagen-Heino erklären, warum er nicht mal alles für eine Stunde abschalten darf, oder sich der visionären Ideen ihres Chefs – vielleicht trägt der sogar den Titel "CIO" – erwehren müssen, dann fahren sie auf eine Fortbildung oder lesen vielleicht das Linux-Magazin.

Wer trotzdem mal über den Alltag hinweg schaut, fragt sich eines Tages: Habe ich den richtigen Job? "Ach naja: ja", denken dann die meisten. Denn nach den Krisen früherer Jahre sind die Kenntnisse und Dienste von Admins wieder deutlich mehr gefragt, sogar das an sich arbeitnehmerfreundliche Wort "Fachkräftemangel" macht die mediale Runde.

Nun legt eine Studie, welche die Unternehmensberatung A.T. Kearney angestellt hat, unfreiwillig nahe, dass Admin zu sein im Jahre 2020 vermutlich keinen großen Spaß machen wird. Aber nacheinander: Um zu verstehen, wie die IT-Welt in sieben Jahren ticken wird, hat die Unternehmensberatung unter anderem 150 CIOs global agierender Unternehmen befragt und die Antworten quantifiziert. Allen heutigen Konsolidierungsbemühungen zum Trotz erwarten demnach 84 Prozent der CIOs im Jahr 2020 deutlich mehr und speziellere Applikationen als im Moment. Um nicht an der quantitativen und qualitativen Komplexität zu scheitern, wollen die Betroffenen künftig noch mehr als heute auf Standardsoftware setzen. 80 Prozent der Befragten glaubt, dass jede zweite Applikation von der Stange sein wird.

Den verhaltenen Optimismus der Firmen-IT-Lenker trübt, dass 60 Prozent von ihnen erwarten, 2020 die Verantwortung für doppelt bis viermal so viele Endgeräte und Server zu tragen. Deren Pflege wird – soviel Realismus muss sein – eventuell eingesparte Aufwände bei den Applikationen zunichte machen, mindestens. Was tun? Drei Viertel der CIOs wollen noch mehr einfache Leistungen outsourcen, die so genannten Commodities, wenn möglich in die Cloud. 60 Prozent schielen dabei auf Dienstleister im billigeren Ausland. Parallel müssen neue Stellen mit neuen Fähigkeiten geschaffen werden, um die neuen in- und ausländischen Partner zu managen. Ganz zu schweigen von den Mitarbeitern, die Lösungen zur Erfüllung der neuen Anforderungen an die IT entwickeln müssen.

Der Umstieg auf solche Modelle soll einen drastischen Umbau der IT-Abteilungen nach sich ziehen und 40 Prozent der Stellen betreffen. Treten die Prognosen ein, dann müssen allein in Deutschland 136 000 Mitarbeiter ihren Job wechseln, sich umschulen lassen oder bekommen die Kündigung. Auf Deutsch: 40 Prozent der heutigen Admins wird in sieben Jahren zu einem Billig-Dienstleister abgeschoben, zum SLA-Überwacher umgeschult oder gleich auf die Straße gesetzt. Wie sich das Gekündigtwerden anfühlt, dürfen 90 Prozent der Sysadmins bei der National Security Agency schon mal ausprobieren. Keith Alexander, der Direktor der NSA, hat genau das am 8. August auf einer Cyber-Konferenz in New York angekündigt. Durch IT-Automatisierung, so sein Plan, werde ein Großteil der menschlichen Arbeit überflüssig. Ohne den Namen Edward Snowden zu nennen, fügte der NSA-Chef hinzu, dass sich im gleichen Maße die Zahl der Menschen mit Zugang zu Geheiminformationen verringere.

Die Logik dahinter: Nicht das überaus verschwenderische Erheben und Speichern von Kommunikationsdaten der Weltbevölkerung ist der Sündenfall ungekannten Außmaßes, nein, interne Datenlecks, die das öffentlich machen, sind das Problem, das es zu lösen gilt. Der auf Klick und Tritt überwachte Bürger mag das seltsam und nassforsch finden. In Wahrheit ist die NSA ihrer Zeit nur sieben Jahre voraus.

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