Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2013
© Saniphoto, Fotolia.com

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KDE und Gnome – die beiden beliebtesten Linux-Desktops

Massenbewegung

Stolz verweisen KDE- und Gnome-Projekt auf rund tausend Entwickler. Mit dem Unterbau Qt, GTK, den Desktop-Anwendungen, Designern, Stiftung und Verein liegt die Zahl der Aktiven aber noch deutlich höher.

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Am Anfang war KDE, da sind sich die Entwickler überraschend einig. Basyskom-Chefin und KDE-Urgestein Eva Brucherseifer wagt gar, Gnome mit einem Augenzwinkern als Fork von KDE zu bezeichnen: "Nun, auch der Gnome-Gründer Miguel de Icaza (Abbildung 1) war ja zunächst ein KDE-Entwickler, bevor er sein Desktop-Projekt startete. Insofern könnte man durchaus sagen, Gnome ist ein KDE-Fork." erklärt sie nicht ganz ernsthaft. Da pflichtet ihr auch Suse-Community-Manager und Akademy-Organisator Jos Poortvliet leicht ironisch bei: "Ja, Gnome ist einfach der am meisten sichtbare KDE-Fork, auch wenn sie in letzter Zeit ein wenig zurückfallen."

© © Markus FeilnerAbbildung 1: Miguel de Icaza gründete Ende der Neunziger das Gnome-Projekt, fiel zuletzt doch vom Glauben an Linux ab und wandte sich Apple zu.

"Gnome ist ein KDE-Fork"

Doch trotz solcher Sticheleien vertragen sich die Entwickler der beiden Communities außerordentlich gut, oftmals besser als ihre Anwender, die Flamewars um "den besten aller Linux-Desktops" miteinander ausfechten. Unfassbar für viele Hardliner legten die beiden Projekte sogar ihre Entwicklerkonferenzen zusammen: Statt separat zu Guadec und Akademy traf man sich 2009 auf Gran Canaria und 2011 in Berlin zum Projekt-übergreifenden Desktop Summit [1]. Bis dahin war es jedoch ein langer Weg, beide Oberflächen entstanden bereits um 1996, was die zahlreichen 15-Jahresfeiern der letzten Jahre belegen ([2], [3]). Heute steht KDE vor der Release mit der Major Nummer 5, Gnome arbeitet an seiner vierten großen Version.

Icaza, Ettrich: Gründer als Deserteure und Kritiker

Die beiden Erfolgsstories waren Mitte der Neunziger keineswegs ausgemacht, auch wenn Matthias Ettrich (Abbildung 2) in seinem legendären Post [2] meinte, die Zeit wäre einfach reif für einen Linux-Desktop. Mehr oder weniger gleichzeitig hatten sich die Studenten Miguel de Icaza and Federico Mena Quinte ebenfalls Gedanken über das Thema gemacht.

Brucherseifer hat insofern Recht, als Icaza tatsächlich beim KDE-Projekt einstieg, wie er in seinen Erinnerungen schreibt [4]. Er verließ es jedoch recht bald wieder, um seine eigenen Desktop-Ambitionen zu verfolgen – hauptsächlich wegen der fragwürdigen Situation rund um Trolltechs Closed-Source-Bibliothek Qt, von der KDE reichlich Gebrauch macht – und wandte sich dem Gimp Toolkit GTK zu. Heute ist Qt komplett Open-Source, und glaubt man den KDElern, dann war das nie wirklich ein Problem.

© © Markus FeilnerAbbildung 2: KDE-Gründer Matthias Ettrich auf dem Linuxtag 2007, hier links neben Tux-Designer und Gnome-Entwickler Larry Ewing.

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