Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2013
Quelle: Ubuntu.com

Quelle: Ubuntu.com

Ubuntus Edge-Kampagne

Megakollekte

Über eine Crowdfunding-Plattform möchte Canonical einen noch nie dagewesenen Geldbetrag einsammeln, um ein Android-Smartphone zu produzieren, das auch als Ubuntu-Rechner funktioniert.

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Crowdfunding und Open-Source-Software liegen in ihren Grundsätzen nah beieinander. In beiden Fällen ermöglicht eine Gruppe von Menschen die Umsetzung eines Projekts, hier mit Geldspenden, dort durch Arbeitseinsatz. Auch Software- und Hardwareprojekte aus dem Open-Source-Bereich versuchen immer wieder über "Schwarmfinanzierung" Geld für ihre Ziele einzustreichen – mit wechselndem Erfolg.

Während Mailpile [1], ein E-Mail-Client mit Fokus auf Verschlüsselung, sein Ziel von 100  000 US-Dollar fast erreicht hat und auch Openshot [2] sowie Flynn [3] jüngst erfolgreich Geld auftrieben, hatten andere Projekte weniger Glück. Der E-Mail-Client Geary [4] erreichte nur die Hälfte der erhofften Summe von 100  000 US-Dollar. Ein "Open-Source-Flugzeug" von Makerplane.org dümpelt noch bei 7000 US-Dollar herum, einem Zehntel der anvisierten 75  000 Dollar.

Seid umschlungen, Millionen!

Seit dem 22. Juli setzt nun Canonical neue Maßstäbe im Crowdfunding: Mit einer Indiegogo-Kampagne will die Firma historische 32 Millionen US-Dollar einsammeln, um die Produktion und den Vertrieb eines Smartphones unter dem Namen Ubuntu Edge zu finanzieren. Es ist das höchste Kampagnenziel, das jemals auf einer Crowdfunding-Plattform anvisiert wurde. Kommt die Summe nicht zusammen, erhalten die Backer das Geld zurück. Auf Reddit gab Mark Shuttleworth zu Protokoll, dass die Summe für die Markteinführung eines Smartphones sogar verhältnismäßig bescheiden sei.

Canonical hatte das Projekt "Ubuntu for Android" bereits im Februar 2012 angekündigt. Darin plante die Firma, anders als beim Ubuntu Phone, Ubuntu und Android parallel auf einem Smartphone laufen zu lassen. Steckt der Nutzer das Telefon in ein Dock, lässt es sich wie ein gewöhnlicher Desktoprechner mit Ubuntu verwenden.

Canonical zeigte sich schon Anfang 2012 überzeugt, dass die nächste Hardwaregeneration in der Lage sein werde, das zu leisten. Doch Hersteller, die das Handy finanzieren und verkaufen wollten, fanden sich nicht. Das lag womöglich auch an den Erfahrungen mit dem Atrix von Motorola, das nach demselben Prinzip funktionierte, aber wohl aufgrund der Hardware kein Riesenerfolg wurde.

Auch zur geplanten Hardware für das Ubuntu Edge bleiben Fragen. Die Kampagnenseite [5] verspricht 4 GByte RAM, die es bislang noch in keinem Gerät gibt. Vor allem die neue Batterietechnologie mit Silizium-Anoden gilt als wenig erprobt, weshalb Kernelentwickler Alan Cox auf Google Plus bereits über Explosionsgefahren spekulierte. Zudem, schrieb er, wisse man nicht, wie offen die tatsächlich ausgelieferte Hardware sein werde.

Raketenstart

Die Nachricht von Canonicals Kampagne ging jedoch durch alle Medien. In nur einem Tag sammelte das Projekt 3 Millionen Dollar – ein neuer Rekord. Am 2. August lagen Zusagen über 8 Millionen Dollar vor. Dann kühlte die Dynamik ab, weshalb Canonical am 8. August nachlegte und den Preis für das Edge auf 695 US-Dollar senkte.

Vier Tage vor dem Ende der Kampagne steht der Zähler nun bei 11 Millionen Dollar, die höchste jemals erzielte Crowdfunding-Summe. Doch um das Ziel zu knacken, müsste Canonical noch ein Ass im Ärmel haben. Denn eine Sache hat Mark Shuttleworth bereits ausgeschlossen – dass er das fehlende Kapital aus seinem Privatvermögen zuschießt.

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