Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2013
© dixiand, photocase.com

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Vier Fotoverwaltungen im Test

Sammeln mit Motiv

Fotoverwaltungen importieren, archivieren, organisieren, manipulieren und publizieren Bildersammlungen. Die vier Testkandidaten beweisen, dass Qualität nicht teuer sein muss.

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Profis und Hobbyfotografen stehen gleichermaßen vor dem Problem, ihre digitale Bilderflut zu sichten und zu organisieren. Fotoverwaltungen erledigen all das und noch viel mehr. Sie bringen die Schnappschüsse von der Kamera oder Speicherkarte auf den Rechner, sortieren sie anhand von Metadaten und publizieren sie bei Online-Anbietern.

Linux-Anwender finden eine kleine und feine Auswahl solcher Programme, die teilweise sogar professionellen Ansprüchen gerecht werden. Als Kandidaten in dieser Bitparade treten Corel Aftershot Pro [1], Darktable [2], Digikam [3] und Shotwell [4] unter Ubuntu 13.04 und 12.04 LTS an. Als Testgeräte setzten sich eine Nikon D70s und ein Samsung Galaxy Note im PTP- und Massenspeichermodus in Szene.

Corel Aftershot Pro

Unter dem Namen Bibble startete diese proprietäre und kommerzielle Fotoverwaltungssoftware. Nachdem die Firma Corel im Jahr 2011 die Bibble Labs kaufte, benannte sie das Produkt in Corel Aftershot Pro [1] um. Die erste Variante mit neuem Namen kam 2012 in den Handel; im Test tritt die aktuelle Version 1.1.1.10 an. Linux-, Windows- und OS-X-Benutzer finden eine 30-Tage-Testversion zum Download auf der Webseite. RPM- und Debian-Pakete (32 und 64 Bit) erhalten User nur, wenn sie die Seite mit einem Browser unter Linux besuchen. Die Vollversion kostet rund 90 Euro.

Die Fotoverwaltung kommuniziert nicht direkt mit der Kamera. Stattdessen bringt der Nutzer die Bilder zuerst auf die Festplatte. Danach hat er die Wahl, ob er im Dateisystemmodus arbeitet oder die Bilder in den Katalog importiert. Auch dazu wählt er zunächst den Reiter »Dateisystem« am linken Fensterrand aus, sichtet die Schnappschüsse, markiert die gewünschten Fotos und entscheidet sich für »Datei | Ausgewählte Dateien importieren« .

Da Corel Aftershot Pro die Bilder von der Platte einliest, klappt das relativ schnell. Je nach Rechenpower, Speicher und Bildmenge nimmt das Berechnen der Vorschaubilder allerdings einige Zeit in Anspruch. Optional fügt der Benutzer beim Import direkt passende Schlagwörter hinzu (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bereits beim Import der Bildersammlung vergeben Anwender in Corel Aftershot Pro Schlagwörter für ein oder mehrere Fotos.

Corel Aftershot Pro unterstützt die Raw-Formate aller gängigen Hersteller, Jpeg- und Tiff-Bilder. Videodateien erkennt die Software nicht – für Multimediales hat der Hersteller andere Produkte im Angebot. Beim einfachen Import bleiben die Bilddateien in ihrem ursprünglichen Verzeichnis, die Fotoverwaltung verknüpft sie nur mit der eigenen SQlite-Datenbank. Auf Wunsch bewegt das Programm die Fotos an einen neuen Speicherort und organisiert sie dabei, zum Beispiel anhand der Metadaten.

Die Software wertet Exif-Dateien aus und fügt die Schlagwörter den IPTC-Metadaten hinzu. Über den entsprechenden Reiter am rechten Fensterrand erweitern und pflegen die Anwender sie. Für Schnappschüsse von Kameras ohne GPS-Empfänger ergänzen sie optional Geotags. Beim Export schreibt das Programm Exif-, IPTC- und XMP-Daten in die Bilddateien und erstellt auf Wunsch zusätzlich XMP-Dateien.

Häppchenweise

Eine Gesichtserkennung bietet Corel Aftershot Pro nicht. Dafür sind umfangreiche Bearbeitungswerkzeuge enthalten, darunter eine Autokorrektur für Belichtung und Farbe, Rauschunterdrückung, Weißabgleich, Kontrast, Schärfen, Werkzeuge zum Zuschneiden und die Perfect-Clear-Beleuchtungskorrektur. Die Funktion »An Achse ausrichten« gleicht schräge Horizonte aus und erlaubt kreative Drehungen. Für größere Retuschearbeiten bietet die Fotoverwaltung einen Ebenenmodus und eine Stapelverarbeitung für Bilderserien.

Dabei lässt die Software das Originalbild unangetastet. Alle Veränderungen speichert sie in einer verknüpften XMP-Datei, in einem Katalog oder in beidem. Da sie alle Zwischenschritte festhält, können Anwender jederzeit zu einer früheren Version zurückkehren, Änderungen nachvollziehen und mehrere modifizierte Varianten miteinander vergleichen. Zahlreiche Plugins [5] erweitern den Funktionsumfang. Sie stellen Filter bereit, erlauben es, Text in Bilder zu schreiben oder Schatten oder Rahmen hinzuzufügen. Fehlt ein dringend benötigtes Bearbeitungstool, öffnet ein Rechtsklick das Bild in einem externen Editor.

Corel Aftershot Pro speichert Bilder im Tiff- oder Jpeg-Format. Über den Druckdialog erstellen Anwender darüber hinaus Kontaktbögen und legen für diese Spalten, Zeilen und die Anzahl der Bilder fest. Außerdem bastelt die Fotoverwaltung einfache HTML-Galerien (Abbildung 2). Integrierte Upload-Funktionen zu Stockfoto-Anbietern oder Online-Alben fehlen genauso wie Möglichkeiten, Fotobücher, Kalender oder Diaschauen zusammenzuklicken – von einem kommerziellen Produkt darf man durchaus mehr erwarten.

Abbildung 2: Die Funktion zum Erzeugen von HTML-Galerien versteckt sich in der Stapelverarbeitung im linken Bereich des Programmfensters.

Die Software erwies sich im Test als eher speicherhungrig und mitunter etwas träge. Spaß macht die Fotoverwaltung nur mit aktueller Hardware, schnellen Platten und viel RAM. Ab mehreren Hundert Bildern im Ordner läuft die Arbeit eher zähflüssig, und während einer Stapelverarbeitung großer Bildmengen können die Anwender getrost Kaffee kochen – sehr große Kannen.

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