Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2013
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Vorgekaut

Wer auf den öffentlichen Studio-Dienst von Suse zurückgreift, kriegt einen echten Mehrwert: Verschiedene Images, die andere Benutzer auf Grundlage der Vanilla-Distributionen erstellt haben, stehen dort als geteilte Images nach dem Login zur Verfügung. Suse Studio bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten im Hinblick auf die zu erstellenden Images (Abbildungen 6 und 7); ausgehend von einem Basissystem lässt sich nahezu jeder Parameter beliebig modifizieren. Auch die Software, die Bestandteil des Image sein soll, passt der Admin per Mausklick den eigenen Wünschen an.

Abbildung 6: Obgleich das Webinterface von Suse Studio leicht ist, erlaubt es doch die Konfiguration vieler Parameter.

Abbildung 7: Eigene Images verwaltet der Anwender in der Gallery in Suse Studio, hier kann er auch neue hinzufügen oder bestehende konfigurieren. Neben Amazon geht das auch mit Microsofts Azure-Cloud.

Kein Wunder, dass bereits einige Projekte das öffentliche Suse-Studio für sich entdeckt haben. Unter dem Menüpunkt »Gallery« (Abbildung 8) finden sich verschiedene vordefinierte Appliances, darunter eine Open-Suse-Version, die die komplette Android-Entwicklungsumgebung enthält, oder ein SLES mit vorkonfiguriertem Samba 4.

Abbildung 8: Aus den Images anderer Benutzer entsteht ein Abbild-Flohmarkt.

Gut, aber noch zu grün

Hier wird deutlich, dass Studio eben nicht nur ein Clouddienst ist, als den Suse es vermarkten will. Denn weil Studio in viele verschiedene Diskformate exportieren kann, sind die zum Download angebotenen Appliances auch für Entwickler und Admins interessant, die auf ihrem System zu Hause schnell in einer VM etwas ausprobieren möchten.

Suse Studio 1.3 kommt mit einigen Veränderungen, die besonders im Cloudkontext eine Rolle spielen. Sehr gelegen kommt vielen Admins die unmittelbare Integration von Suse Studio mit Open Stack, die wohl maßgeblich dem Umstand geschuldet ist, dass Suse selbst in Sachen Cloud wie so viele Anbieter auf den Open-Stack-Zug gesprungen ist. Wer in seiner eigenen Cloud das Produkt Suse Cloud nicht nutzt, dafür aber eine andere Open-Stack-Distribution (oder gar pures Open Stack) kommt also klar.

Gut tut dem Produkt auch der Reigen verschiedener vordefinierter Images, die auf der offiziellen Suse-Studio-Seite zur Verfügung stehen. Sie bieten echten Mehrwert und ersparen im Zweifelsfall viel Arbeit. Der große Haken am Suse Studio ist allerdings die Fixiertheit auf das eigene Elternhaus. Zumindest auf Außenstehende wirkt es so, als habe Suse bis dato die Option, andere Distributionen in Suse Studio zu unterstützen, noch gar nicht in Betracht gezogen.

Gleichzeitig müssen sich die Projektverantwortlichen von Ubuntu, Fedora und anderen Distributionen die Frage gefallen lassen, warum sie nicht selbst einen ähnlichen Dienst offerieren (siehe Kasten "Alternativen für andere Distributionen") oder das Mitwirken an der Integration anderer Systeme als Suse im Studio anbieten. An einem solchen Publicity-trächtigen Mehrwert sollte Suse eigentlich unbedingt interessiert sein. Bis dahin gilt allerdings: für Suse hui, für alle anderen Distributionen pfui. Aber Admins, die schon Suse einsetzen, ob Open oder Enterprise, werden das Studio 1.3 jedenfalls als funktionelle Bereicherung empfinden.

Alternativen für andere Distributionen

Wie im Artikel beschrieben ist, spuckt Suse Studio nur Images aus, die auf einer der Suse-Distributionen basieren. Wer in seiner VM-Umgebung kein Suse betreiben möchte, sondern Red Hat, einen Klon davon, Debian oder Ubuntu, muss aber nicht automatisch auf modifizierte Images verzichten.

Trotzdem bleibt Suse Studio sicherlich die leichteste Art und Weise, ein eigenes Image auf die Beine zu stellen, denn die verfügbaren Alternativen für andere Distributionen sind deutlich weniger intuitiv. Wer keine Angst vorm Basteln hat, kommt aber auch auf anderen Wegen zum eigenen Image.

Ubuntu: Vmbuilder

Für die Freunde von Ubuntu wäre da beispielsweise Vmbuilder zu nennen. Das Werkzeug kommt von Serge Hallyn und hat seine Website unter [13]. Es ist ein in Python geschriebenes Skript, das auf der Kommandozeile das Bauen eines Image nach vorher festgelegten Parametern ermöglicht. Werte wie die Partitionierung der Festplatte oder die gewünschte Netzwerkkonfiguration innerhalb der VM sind direkt auf der Kommandozeile anzugeben. Eine direkte Integration mit Libvirt existiert, die Ausgabe in verschiedenen Formaten (Xen, Qcow2, VMware) beherrscht Vmbuilder ebenfalls.

Im Gegensatz zu Suse Studio fehlt allerdings ein einfaches, Enduser-taugliches GUI für die Komponente. Erprobt ist das Werkzeug jedenfalls: Die offiziellen Images von Ubuntu für die Amazon-Cloud entstehen ebenfalls mit Vmbuilder (Abbildung 9).

Abbildung 9: Die offiziellen Ubuntu-UEC-Images bauen die Entwickler mit dem Vmbuilder-Tool, das aber auch als eigene Anwendung zur Verfügung steht.

Red Hat und Libvirt: Virt-install

Für RHEL-Systeme oder Klone steht ebenfalls ein Tool zur Verfügung, um VM-Images zu bauen. Es heißt »virt-install« und gehört eigentlich direkt zur Libvirt. Es funktioniert nach einem sehr simplen Prinzip, indem es ein Kickstart-File für den Red-Hat-Installer generiert. Anaconda holt sich dann alle weiteren Informationen direkt aus dem Netz. Per Kommandozeile lässt sich auch eine Liste von Zusatzpaketen angeben, die im neuen System von Anfang an enthalten sein sollen.

Aber wirklich Distributions-spezifisch oder -abhängig ist das Tool dennoch nicht, sodass sich auch nicht alle Red-Hat-Spezifika direkt beim Start abarbeiten lassen. Andererseits ermöglicht dies aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Distributionen, die Libvirt einsetzen. Und für die grundlegende Konfiguration eines Linux-Gastes im Alltag-Admin reichen die Möglichkeiten allemal.

Virt-install auf Ubuntu

Wie Abbildung 10 zeigt, steht Virt-install auch auf Ubuntu zur Verfügung – weil die Libvirt-Pakete es mitliefern. Auf Raring Ringtail beispielsweise startet der Befehl

Abbildung 10: Der Virt-Manager ist ein von Red Hat entwickeltes Tool aus der Libvirt-Bibliothek, das es dem Benutzer einfach macht, schnell eine VM nach bestimmten Vorgaben anzufertigen

virt-install --connect qemu:///system --virt-type kvm --name demo --ram 500 --disk path=~/Temp/debian.img,size=8 --graphics vnc --cdrom ~/Downloads/debian-5010-amd64-netinst.iso

unter KVM innerhalb von Sekunden eine neue Debian-Instanz mit einem 8 GByte großen Raw-File als Storage und 500 MByte RAM. Auch Netzwerke und andere Peripherie lassen sich so zuordnen, mehr Informationen dazu bietet die Manpage.

Infos

  1. Puppet: https://puppetlabs.com
  2. Chef: http://https//www.opscode.com/chef
  3. Cobbler: http://www.cobblerd.org
  4. Suse Studio: http://www.susestudio.com
  5. Michael Kromer, "Aus eigenem Anbau": Linux-Magazin 11/09, S. 72
  6. Martin Loschwitz, "Grünes Erwachen": Linux-Magazin 01/12, S. 84
  7. Suses Enterprise Cloud: https://www.suse.com/products/suse-cloud/
  8. Cloudintegration mit Suse Studio (Dokumentation): http://blog.susestudio.com/2012/10/automatic-image-imports-with-webhooks.html
  9. Stefan Seyfried, Christian Berendt, "Cactus im Anmarsch": Linux-Magazin 05/11, S. 72
  10. Arch Linux: http://www.archlinux.org
  11. Open Suse Build Service:http://openbuildservice.org
  12. Dokumentation: zum Open Suse Build Service: http://openbuildservice.org/help/manuals/
  13. Informationen zu Vmbuilder: https://launchpad.net/vmbuilder

Der Autor

Martin Gerhard Loschwitz arbeitet als Principal Consultant bei Hastexo. Er beschäftigt sich dort intensiv mit Hochverfügbarkeitslösungen und pflegt in seiner Freizeit den Linux-Cluster-Stack für Debian.

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