Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2013
848

Auch für den Amazonas

Wer selbst gar keinen eigenen Hypervisor betreibt, sondern seine VMs in Amazons öffentlicher Wolke laufen lassen will, freut sich über die neue EC2-Exportmöglichkeit, die in die Studio-Version 1.3 ebenfalls Einzug gehalten hat. Damit wandern EC2-Images direkt "in den Amazonas".

Eine weitere Cloud-spezifische Neuerung ist die direkte Integration mit anderen Cloudprodukten. Natürlich bringt das Studio ein Interface zu Suses eigener Cloudlösung Suse Cloud ([6], [7]) mit, die bekanntlich auf Open Stack aufbaut. Im Release-Announcement zu Studio 1.3 findet sich der Hinweis, dass die direkte Verbindung auch mit einer normalen Open-Stack-Basis funktioniert, es braucht also nicht zwingend die spezielle Versionen von Suse.

Hat ein Benutzer die Cloudintegration aktiviert, speichert Studio die per Webinterface erstellten Images unmittelbar und direkt in Open Stack Glance, dem Imagedienst der Cloudumgebung, sodass sie dort für das Projekt (vormals Tenant) zur Verfügung stehen.

Eine ausführliche Anleitung, wie für Admins solch eine vollautomatische Cloudintegration erreichbar ist, haben die Entwickler von Studio auf ihrem Weblog unter [8] online gestellt, ein Artikel im Linux-Magazin erklärt Open Stacks Komponenten [9].

Der Open Build Service 2.4

Kurz nach der Veröffentlichung von Suse Studio 1.3 hat das Open-Suse-Projekt auch eine neue Version (2.4) des Open Build Service (OBS) freigegeben. Der Open Build Service ist ein vom Open-Suse-Projekt betriebener Dienst, der aus den Quelltexten von Paketen Binärpakete anfertigt. Das nimmt Entwicklern von Software die Arbeit ab, verschiedene Pakete für einzelne Systeme, Architekturen oder Distributionsversionen zu bauen.

Ein Beispiel verdeutlicht, warum OBS mittlerweile so beliebt ist: Der Autor einer Software, der von seinem Programm Pakete für die aktuellen Versionen von Fedora, Open Suse, Ubuntu und Debian anbieten möchte, müsste vier Distributionen bedienen, und zwar zweimal, weil er separate Pakete für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme benötigt. Allein die Pflege von acht Paketbau-Umgebungen würde eine ordentliche Menge an Zeit verschlingen – und Pakete wären da noch gar nicht gebaut.

Seit den ersten Versionen des OBS haben die Suse-Entwickler kontinuierlich an ihrem Schätzchen weitergebaut. Die nun vorliegende Version 2.4 bringt einige Neuerungen, darunter die Möglichkeit, Build-Hosts (Worker Sandboxes) direkt aus vorgefertigten Images zu erstellen. Bis dato war es notwendig, einen solchen Build-Host händisch aufzusetzen und dann in OBS zu integrieren. Durch die Möglichkeit, vorgefertigte Images zu nutzen, verringert sich der Zeitaufwand für neue Build-Hosts beträchtlich.

Überhaupt haben die Entwickler des Open-Suse-Projekts in Version 2.4 des OBS einige Neuerungen für jene Admins eingebaut, die es besonders eilig haben: Seinen verfügbaren Cache nutzt OBS jetzt effizienter und die Metadatenfunktionen arbeiten deutlich flotter als vorher. Neu ist auch die Tatsache, dass OBS-Hosts untereinander jetzt asynchron miteinander reden. In der Praxis wirkt sich das auf die Performance der Umgebung dadurch aus, dass OBS-Instanzen nicht mehr hängen bleiben, weil sie auf Rückmeldung von anderen OBS-Instanzen warten.

Build Constraints

Einen besonderen Leckerbissen haben sich die Open-Suse-Entwickler mit den neuen Build Constraints einfallen lassen. Sie bieten zwei Features: Erstens führen sie sorgfältig Buch über schon erledigte Buildvorgänge, zweitens erlauben sie es, aus diesen Aufzeichnungen Konsequenzen für künftige Buildvorgänge zu ziehen. Konkret können Entwickler beim Anstoßen des Bauens jetzt entscheiden, welche Worker überhaupt heranzuziehen sind.

Das bringt Vorteile sowohl für den Entwickler als auch für das OBS selbst: Künftig kann der Entwickler einer kleinen Software zum Beispiel angeben, dass ein mittelschneller Rechner zum Paketbau reicht. So erhalten größere Pakete, die viel Speicherplatz und Rechenleistung benötigen, auf den dicken Kisten den Vortritt. Durch die Möglichkeit, das Verhalten des OBS und die Verteilmechanismen zu steuern, erhält die Software also zusätzliche Flexibilität.

Pkgbuild

Apropos Flexibilität: Der OBS hat sich stets damit gerühmt, dass er die großen Paketformate RPM und DEB unterstützt; tatsächlich lassen sich im OBS Pakete für Centos genauso bauen wie für Open Suse oder für Debian – was manchmal für ein gewisses Maß an Verwirrung sorgt, wenn ».deb« -Pakete plötzlich auf einem Server unter »opensuse.org« -Domain zu finden sind. Die Version 2.4 bringt dem OBS die native Unterstützung eines weiteren Paketformats: Auch die aus Arch Linux [10] bekannten Pkgbuild-Pakete lassen sich jetzt mit OBS bauen.

UEFI Secure Boot

Last but not least unterstützt die neue OBS-Version auch Secure Boot: Erkennt das System in kompilierten Paketen bestimmte Komponenten wie einzelne Treiber oder Bootloader, dann kann es diese automatisch signieren und so dafür sorgen, dass die Pakete auf Systemen mit aktiviertem Secure Boot ordnungsgemäß funktionieren.

Wer den OBS ausprobieren möchte, findet ihn unter [11]. Erstinformationen für die Entwickler von Programmen, die OBS nutzen möchten, bietet die OBS-Dokumentation, die unter [12] erreichbar ist.

Patch- und Lifecycle-Management

Für Administratoren ebenfalls zentral dürfte die Funktion sein, die Suse etwas sperrig "Suse Lifecycle Management Server" nennt: Die Idee hinter diesem Feature ist, bereits ausgerollte Images innerhalb einer Cloudinstallation im Nachhinein zu verändern, indem es Befehle an virtuelle Images sendet. Wird bei einem schon ausgerollten Image eine Änderung notwendig, beispielsweise um Security-Fixes zu installieren, kümmert sich Suse Studio automatisch darum.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Suse Studio baut Images für Amazon EC2

    Im Suse Studio ist einen neue Funktion aufgetaucht: Das Build-Format für Amazons Elastic Compute Cloud (EC2).

  • Suse Studio 1.3 freigegeben

    Die neue Version impft einer Appliance auf Wunsch Treiber für den Einsatz unter Microsofts Hyper-V ein und vereinfacht das Deployment von fertigen Images.

  • Vorschau auf Suse Studio

    Hinter dem Namen Suse Studio verbirgt sich eine webbasierte Anwendung, die nach einigen Klicks ein fertiges Linux-Image für CDs, USB-Sticks oder VMware ausspuckt. Das System befindet sich derzeit in der Alpha-Phase, doch Linux-Magazin Online bietet bereits einen Einblick in den vielversprechenden Online-Dienst.

  • Opensuse Build Service 1.5 baut auch Images

    Das Opensuse-Projekt hat seinen Build-Service auf Version 1.5 aktualisiert. Die Server-Anwendung kann nun außer Softwarepaketen auch Betriebssystem-Images erzeugen.

  • Suse Studio erreicht 500.000 Benutzer

    Über 512 000 angemeldete User erreicht Suses Applikationsbuilder Suse Studio mittlerweile, und die haben laut Herstellerangaben 2,4 Millionen Programme mit dem Webframework erstellt.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.