Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2013

Linux Audio Conference 2013 in Graz

Künstler, Klänge, Kernel

Ein vielseitiges Programm mit mancher Neuvorstellung prägte die Linux Audio Conference 2013, die vom 9. bis 12. Mai im österreichischen Graz stattfand. Die Open-Source-orientierten Techniker und Künstler trafen sich tagsüber zu Vorträgen und Workshops, am Abend zu Konzerten.

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Wer sowohl dem Debian-Logo als auch dem Porträt des Komponisten John Cage auf T-Shirts begegnet, der ist vermutlich auf der Linux Audio Conference (LAC). 2013 fand das Klangkunst-Technik-Treffen in Graz statt, organisiert von einem vielköpfigen Team des Instituts für Elektronische Musik und Akustik (IEM) der dortigen Kunstuniversität.

In ihrer Keynote zu Beginn der Tagung unterstrich die Audio-Künstlerin und -Entwicklerin Marije Baalman die Bedeutung von freier Software für die elektronische Musik. Sie biete eine Vielfalt an Tools einschließlich der Möglichkeit, diese zu integrieren. Dank der freien Lizenzen floriere der Austausch von Code und Klängen.

Bereits in ihrer Begrüßung hatten die Gastgeber Johannes Zmölnig und Peter Plessas die Verbindung des IEM zu Open Source betont: Mitarbeiter des Instituts schreiben seit den frühen 90er Jahren Linux-Treiber für professionelle Soundkarten und haben die Audio-Programmiersprache Pure Data (PD) auf Linux portiert.

PD-Community

PD und ihre Community setzten auch Akzente im LAC-Programm. Roman Häfeli aus der Schweiz beispielsweise stellte sein Framework Netpd vor, das gemeinsames Musizieren mit Pure Data über das Internet ermöglicht.

Die freie Musiksoftware steckt auch in den kleinen Embedded-Linux-Instrumenten, die die Teilnehmer im Workshop von Edgar Berdahl bauten. Der Dozent am Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA) in Stanford hatte den Einplatinen-Computer Raspberry Pi, das Controller-Board Arduino Nano sowie einige Drähte und Widerstände mitgebracht. Mit einem am Controller angeklemmten druckempfindlichen Widerstand oder einem Näherungssensor entseht ein Steuergerät, das die Parameter der Audiosoftware auf dem Pi hörbar ändert.

Daneben beschäftigte die Akustik von Räumen die rund 100 Teilnehmer. Fernando Lopez-Lezcano, ebenfalls vom CCRMA, berichtete, wie er die gemessene Akustik der Hagia Sophia in Istanbul in der neu gebauten Bing Concert Hall in Stanford nachbildete. Mikrofone, Lautsprecher sowie freie Software wie Jconvolve, Ardour und Jack versahen die Gesänge eines Chors in Echtzeit mit dem Raumklang des historischen Bauwerks.

Etwas Ähnliches haben Florian Hollerweger und Martin Rumori für gewöhnliche Vortragsräume gemacht. Sie fertigten mittels Messung der Impulsantworten akustische Porträts von Sälen in Österreich, Deutschland, Nordirland und Neuseeland an.

Den Grundlagen der Klänge widmete sich Fons Adriaensen vom Casa della Musica im italienischen Parma. Der renommierte Autor freier Audiotools möchte "endlich ein brauchbares Software-Oszilloskop" für Linux schaffen. Er präsentierte eine überzeugende GUI-Anwendung, die er aber vor der öffentlichen Beta noch erweitern möchte.

Neue Technologie

Zukunftsweisend war die Diskussion über Audio-Video-Bridging (AVB): Das neue Protokoll zur Echtzeit-Übertragung von Audio und Video soll demnächst in den Linux-Kernel Einzug halten.

Die Konferenzabende gehörten den Konzerten der angereisten Künstler an verschiedenen Spielstätten in Graz. Ein umfangreicher Konferenzband als PDF-Dokument sowie weiterführende Links zu den Sprechern und Themen sind unter http://lac.linuxaudio.org/2013/ zu finden. Im Jahr 2014 soll die Linux Audio Conference im Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe stattfinden.

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