Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 06/2013
© Brad Lewis, 123RF.com

© Brad Lewis, 123RF.com

Preiswerte ARM-Platinencomputer

Planet für Bastler

,

Es ist ein bisschen ungerecht, dass der Hype um den Raspberry Pi den vielfältigen Rest dieser Geräteklasse überstrahlt. Denn viele der Ein-Platinen-Computer haben mit ihrer Rechenpower, zahlreichen Schnittstellen und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis das Zeug, den Hertzschlag des Bastlers zu beschleunigen.

793

Wer dieser Tage auf Messen und Konferenzen umherstreift, gewinnt den Eindruck, dass der Raspberry Pi das Zentralgestirn aller Geeks und Nerds ist. Was als Projekt für Bildungscomputer startete, ist im Mainstream angekommen. Wer technikmäßig etwas auf sich hält, nennt mindestens einen der Minicomputer sein Eigen. Und wenn selbst der für exotische Zielgruppen unverdächtige "Spiegel" Online-Artikel wie "Mini-Rechner Raspberry Pi: So basteln Sie einen Smart-TV für 60 Euro" veröffentlicht, macht das klar: Das Thema hat die Geek-Umlaufbahn verlassen und setzt zur Landung in dicht bewohntem Gebiet an.

Die Vermutung, dass im Gefolge des Raspberry-Pi-Erfolgs auch andere günstige Ein-Platinen-Computer zu Ruhm kommen, erweist sich bislang als falsch. Die wahrscheinlich anfänglich euphorischen Hersteller müssen den Raspberry-Hit mittlerweile als Fluch erleben. Denn obwohl ihre Produkte oft besser ausgestattet, von Profis entwickelt, länger am Markt und mit stärkeren CPUs und GPUs ausgerüstet sind, können sie vom Raspberry-Boom kaum profitieren.

Dieser Artikel will das ändern und bietet einen Überblick über durchweg nennenswerte Pi-Alternativen und beschreibt deren Ausstattung. Generell gilt, dass alle Bastelrechner mit ARM-CPUs arbeiten und Linux-fähig sein müssen. Häufig bekommt man ohne Mühe auch Android zum Laufen. Viele Hersteller bieten zudem Open-Source-Frameworks für ihre Produkte an und – anders als bei Tablet-PCs – entwickeln sie auch weiter.

Damit ein Gerät es in diesen Artikel schaffen konnte, muss es zudem über einen Händler in Europa zu beziehen sein, um die nervige Fahrt zum Zollamt zu vermeiden. Bastler, die den Aufwand nicht scheuen, können bei fernöstlichen (Ebay-)Händlern Boards noch billiger erwerben. Die größte Ersparnis winkt jedoch bei der Peripherie – Displays und Sensoren sind für ein paar Hongkong-Dollar zu haben, und bei Einzelbestellungen bleibt man in der Regel unter der Zoll-Freigrenze.

Pc Duino

Den Anfang macht Pc Duino [2], der dem Raspberry Pi gar nicht so unähnlich ist. Das von der gleichnamigen Firma hergestellte Rechnerlein bietet im Vergleich zum Pi durchaus Mehrwert: 1 GByte RAM und 2 GByte fest installierter Nand-Speicher sind mehr, als jede Himbeere bieten kann. Das Rechnen übernimmt eine Cortex-A8-CPU, die permanent mit einer Taktrate von 1 GHz läuft. Anders als der Raspberry Pi nimmt Pc Duino keine SD-Karten, sondern die kleineren Micro-SD-Karten auf. HDMI- sowie RJ-45- und zwei USB-Anschlüsse gehören zum Standardprogramm.

In Sachen Betriebssystem läuft auf Pc Duino alles, was auf einer ARM-CPU grundsätzlich lauffähig ist. Etwas verquer nennt der Hersteller "Linux 3.0 + Ubuntu 12.10", natürlich sind auch andere ARM-Distributionen möglich, wenn auch ohne den offiziellen Segen des Herstellers. Der Pc Duino bildet damit eine großartige Alternative zum Raspberry Pi, die preislich durchaus attraktiv ist, weil der Kasten in Europa bereits unter 50 Euro zu haben ist. Kompatibel mit dem bürgerlichen Wohnzimmer ist das Gerät allerdings nicht, denn passende Gehäuse sind im Augenblick nicht zu bekommen. Wer nicht auf Geek-Romantik steht, muss vorerst die Platine hinter einer Vase oder Kuckucksuhr verstecken.

Pc Duino

CPU: Cortex-A8, 1 GHz

Externer RAM: 1 GByte

Anschlüsse: Micro-USB (Strom), Arduino-Pin, HDMI, 2x USB, RJ-45, Jtag, Micro-SD

Onboard-Speicher: 2 GByte Nand-Flash

Abmessungen: 125 x 52 Millimeter

Preis: ab 50 Euro

Bezugsquelle: EXP Tech,http://www.exp-tech.de

Pandaboard ES

Der nächste Kandidat, das Pandaboard ES [3], begründet die zweite Evolutionsstufe der einigermaßen bekannten Pandaboards. Jene richtet sich vorrangig an solche Entwickler, die Hardware zum Testen suchen. Pandaboard ES will mehr sein als der Raspberry Pi.

Das wird zunächst beim Preis deutlich, denn das ES gibt sich mit rund 170 Euro nicht bescheiden. Wer noch rund 65 Euro drauflegt, erhält ein "Multimedia Kit", das zum Board ein Gehäuse, Micro-USB-Netzteil, eine SD-Karte mit 8 GByte, eine externe WLAN-Antenne und ein HDMI-Kabel enthält. Wer bedenkt, dass Netbooks und Nettops bereits für ähnliche Preise zu haben sind, überlegt sich die Anschaffung genau.

Die inneren Werte des Pandaboard ES stimmen: Eine Dualcore-Cortex-A9-CPU sorgt für Taktgefühl mit bis zu 1,2 GHz, dem 1 GByte RAM zur Seite stehen. HDMI, Netzwerk und WLAN gehören zum Paket genau wie Bluetooth und USB-Ports. Wer ein LCD-Display anschließen will, kann das tun. Jtag steht für Debugging zur Verfügung, sogar ein zweiter Monitor lässt sich ansprechen.

Skurriles Detail: Um keinen vollständigen DVI-Anschluss verbauen zu müssen, kommt das Pandaboard ES mit einer zweiten HDMI-Schnittstelle, die in Wirklichkeit ein DVI-D-Port ist und nur funktioniert, wenn man sie kombiniert mit einem HDMI-DVI-D-Adapter verwendet. Als Speichermedium schluckte das Pandaboard ES eine SD-Karte, auf der wie gehabt praktisch jedes ARM-Linux eine gemütliche Heimat findet.

Pandaboard ES

CPU: Dualcore Cortex-A9, 1,2 GHz

Externer RAM: 1 GByte DDR2

Anschlüsse: Micro-USB (USB-OTG), Strom, HDMI, 2x USB, RJ-45, Jtag, SD

Funk-Technologie: WLAN, Bluetooth

Abmessungen: 114 x 102 Millimeter

Preis: ab 170 Euro

Bezugsquelle: Tigal, http://www.tigal.com

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 4 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.