Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2013
© jarts, photocase.com

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Vier Webmail-Anwendungen im Vergleich

Post im Browserfenster

Komfortablen Zugriff auf das eigene Postfach von überall auf der Welt oder einheitlich organisierten Zugang zu den Postfächern im Unternehmen – das versprechen Open-Source-Webmailer wie Horde Groupware Webmail Edition, die OX App Suite, Roundcube und Squirrelmail.

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Während man früher mit Thunderbird, Evolution oder KMail seine E-Mails auf dem Desktoprechner abgerufen hat, bearbeiten heute viele Anwender ihre Post allerorten im Browser. Google und die meisten Freemail-Dienstleister bieten zu diesem Zweck funktionsreiche Weboberflächen. Diese Angebote eignen sich aber nicht für jedes Einsatzszenario, insbesondere Unternehmen möchten den Dienst lieber selbst betreiben.

Selbst aufgesetzt

Glücklicherweise gibt es die freien Alternativen Horde Groupware Webmail Edition [1], OX App Suite [2], Roundcube [3] und Squirrelmail [4]. Wer diese Webmailer auf einem Webserver installiert, kann binnen Kurzem im Browser seine Post abrufen, verwalten und versenden. Die Horde Groupware Webmail Edition und die OX App Suite bieten dabei über die reine E-Mail-Verwaltung hinaus noch weitere Groupware-Funktionen an.

Alle Kandidaten kommen mit hohen Benutzerzahlen und großem E-Mail-Aufkommen zurecht. Das stellen sie etwa an Universitäten unter Beweis: Roundcube ist beispielsweise in Harvard und Berkeley im Einsatz, die TU Dortmund nutzt ein modifiziertes Squirrelmail, während das Zentrum für Informations- und Medientechnologien der Universität Paderborn auf Horde setzt. Der Webhoster 1&1 wiederum lässt seine Kunden über eine modifizierte ältere Fassung von OX auf ihre Postfächer zugreifen. Alle vier Systeme stehen unter einer GNU-GPL-Variante, für das Frontend der OX App Suite gilt zusätzlich eine restriktive Creative-Commons-Lizenz.

Die Webmailer dienen nur als schicke Benutzeroberfläche für einen bestehenden IMAP-Server und verfügen noch nicht einmal über ein eigenes Benutzermanagement. Stattdessen fragen sie einfach mit einer Anmeldemaske Benutzername und Passwort ab, melden sich mit diesem Duo beim IMAP-Server an und geben bei einer erfolgreichen Rückmeldung den Rest ihrer Benutzeroberfläche frei. Eine kleine Ausnahme bildet die OX App Suite (dazu gleich mehr).

Im Gegensatz zu echten E-Mail-Programmen wie Thunderbird lässt sich den Webmail-Anwendungen relativ leicht eine andere Optik überstülpen. Ein Unternehmen kann so etwa seinen Mitarbeitern im Intranet einen Webmailer in den Unternehmensfarben bieten. Das geht mittels Layoutvorlagen, Themes oder Skins genannt, die in der Regel aus einer Reihe von HTML- und CSS-Dateien bestehen.

Horde Groupware Webmail Edition

Das Unternehmen Horde LLC aus Atlanta entwickelt unter seinem Namen gleich mehrere Groupware-Anwendungen. Alle für den E-Mail-Verkehr notwendigen Komponenten bündelt die Horde Groupware Webmail Edition. Den Kern bildet dabei eine Komponente namens IMP (Internet Messaging Program), deren Entwicklung bereits 1998 begann. Zusammen mit Squirrelmail gehört Horde damit zu den Pionieren unter den Webmailern.

Die Webmail Edition benötigt einen Webserver mit PHP ab Version 5.3.0. Je nachdem welche Funktionen der Anwender später nutzen möchte, müssen noch weitere Softwarepakete her, etwa eine Datenbank, die Vorgaben speichert, GPG zum Verschlüsseln von E-Mails oder Aspell für die Rechtschreibkorrektur.

Die eigentliche Installation von Horde erfolgt über den PHP-Paketmanager PEAR, ein kleines Installationsskript sowie ein paar Einträge in eine Konfigurationsdatei. Im Unterschied zur Konkurrenz holt Horde auch E-Mails aus POP3-Postfächern ab, obwohl die Entwickler diese Zugriffsmethode nicht empfehlen.

Nach der Anmeldung erscheint das dreigeteilte Fenster aus Abbildung 1. Wer mag, darf auf ein vertikales Layout umschalten, dann wandert der Nachrichtentext in eine eigene Spalte. Über das kleine unscheinbare Dreieck rechts neben der Spaltenbeschriftung »Betreff« kann der Benutzer alle Diskussionen in der Liste optisch zusammenfassen lassen. Zusätzlich helfen Anfasser, die Größe der einzelnen Bereiche nach Belieben zu verändern.

Abbildung 1: Horde Groupware Webmail Edition: Links wartet eine Liste mit Ordnern, rechts oben erscheint die Liste mit den E-Mails, während der Bereich rechts unten den Nachrichteninhalt präsentiert.

Landen Spam-Nachrichten als HTML-E-Mails im Postfach, können sie beim Öffnen Javascript-Schadcode nachladen und ausführen. Die vier Webmailer versuchen das durch unterschiedliche Strategien zu verhindern. Die Horde Webmail Edition ist hier vorbildlich: Eine Nachricht zeigt sie erst dann an, wenn der Benutzer sie explizit angeklickt hat. Zusätzlich muss er die Anzeige von HTML-Nachrichten noch einmal explizit bestätigen. Alternativ kann die Software den Nachrichtentext der HTML-Datei in reinen, unschädlichen Text umwandeln.

Anhänge in weit verbreiteten Dateiformaten präsentiert auf Wunsch ein eingebauter, wenn auch rudimentärer Dokumentenbetrachter, sofern die richtigen Hilfsprogramme auf dem Server vorhanden sind. Zudem kann der Anwender für verschiedene E-Mail-Typen einzelne Farben konfigurieren. In der Liste aller Nachrichten erscheinen dann beispielsweise alle bereits beantworteten E-Mails hellgrün eingefärbt. Die Organisation der Nachrichten funktioniert bequem per Drag&Drop.

Im Unterschied zu den drei anderen Kandidaten vermag Horde die Nachrichtenflut nach bestimmten Kriterien zu filtern. So lässt sich etwa die Anzeige auf alle weitergeleiteten E-Mails einschränken. Davon unabhängig kann der Benutzer für eingehende Nachrichten recht flexible Regeln vorgeben. Damit landen dann beispielsweise alle eingehenden Nachrichten eines bestimmten Absenders automatisch im Papierkorb.

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