Open Source im professionellen Einsatz

Cheatcodes modifizieren den Bootvorgang

Nicht auf jedem Rechner ist eine vollständig automatische Hardware-Erkennung möglich, manchmal muss der Benutzer gleich zu Beginn eine bestimmte problematische Komponente abschalten oder anders behandeln. Hierfür gebe ich den Benutzern die so genannten Knoppix-Cheatcodes an die Hand, mit denen sie zudem den Desktop oder Sprache und Tastaturbelegung umschalten dürfen.

Tabelle 1 zeigt eine Auswahl der Startoptionen, die wichtigsten sind im Bootmenü hinter den Tasten [F2] und [F3] als Kurzhilfe hinterlegt. Eine umfangreiche Liste der Knoppix-Cheatcodes ist zudem im Verzeichnis »KNOPPIX« auf der DVD zu finden.

Tabelle 1

Cheatcode-Referenz für Knoppix 7.1

Knoppix-spezifische Optionen

»knoppix« oder [Enter]

Startet Knoppix mit dem 32-Bit-Kernel.

»knoppix64«

Startet mit einem 64-Bit-Kernel, der mehr als 4 GByte RAM unterstützt und es mit »sudo chroot /media/sda1« erlaubt, in eine Chroot-Shell eines vorhandenen 64-Bit-Linux-System zu wechseln.

»knoppix tohd=/dev/sda1«

Kopiert den Inhalt der DVD in einen Ordner auf der angegebenen Partition und startet den Rest des Systems von dort aus weiter.

»knoppix fromhd=/dev/sda1«

Lädt Kernel und Miniroot noch von DVD, läuft dann aber von der mit »tohd« vorbereiteten Festplattenpartition weiter.

»knoppix64 toram«

Kopiert die DVD in eine RAM-Disk und startet von dort, falls mehr als 4 GByte RAM vorhanden sind.

Grafik-Optionen

»knoppix nomodeset«

Schaltet das Kernel Mode Setting, die moderne, kernelseitige und hardwarebeschleunigte Auflösungsumschaltung aus. Dies ist die drastischste Maßnahme, um Darstellungsfehler oder Blackscreens für Grafikkarten zu umgehen. Sie kann allerdings dazu führen, dass Xorg nicht mit dem beschleunigten Modul startet, sondern mit »fbdev« oder »vesa« .

»knoppix nocomposite« oder »no3d«

Verzichtet auf die Composite-Extension. Hier läuft die Hardwarebeschleunigung ohne Transparenz-Effekte, die ab und zu bei ATI- oder Nvidia-Chips Grafikfehler verursachen oder die Performance einbrechen lassen. Die Option verhindert auch den Start von Compiz zu Gunsten des Windowmanagers Metacity.

»knoppix nodrm«

Verzichtet auf Direct Memory Access.

»knoppix hsync=70 vsync=60«

Limitiert die Rücklauffrequenz und die Bildwiederholrate.

»knoppix xmodule=intel«

Wählt Intel-Modul statt Autoerkennung, spart bei Notebooks mit mehreren Chipsätzen Strom und kann Interruptkonflikte beheben.

»knoppix modeset« (neu)

Umgeht Knoppix' interne Blacklist für Grafikkarten.

Infos

  1. Klaus Knopper, "Unbeachtete Bugreports", Linux-Magazin 03/13, S. 34
  2. Knoppix: http://knopper.net/knoppix/
  3. Scalpel: http://www.digitalforensicssolutions.com/Scalpel/
  4. Audio Desktop Reference Implementation and Networking Environment: http://www.knopper.net/knoppix-adriane/
  5. Tor: https://www.torproject.org

Der Autor

Knoppix-Erfinder Klaus Knopper mailto:knoppix@knopper.net, Jahrgang 1968 und Dipl.-Ing. der Elektrotechnik, arbeitet als selbstständiger IT-Berater und Entwickler, als Dozent an der FH Kaiserslautern (Softwaretechnik und Software-Engineering) und gibt Kurse zu freier Software. Angeregt durch Erfahrungen seiner blinden Ehefrau entwickelte Knopper die in Knoppix integrierte Lösung Adriane [4], die Blinden den Umgang mit Linux-PCs vereinfacht.

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