Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2013

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Dstat

Statliche Ordnung

Gelegentliche Sorgen über den Systemzustand begleiten den Alltag des Admin, gewöhnlich hält er mit einem dicken Bündel Top- und Stat-Werkzeuge dagegen. Sysadmin-Kolumnist Charly Kühnast meint mit nur einem Multitool auszukommen. Vorläufig.

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Wie oft habe ich schon über Tools geschrieben, die "top" oder "stat" im Namen tragen?! Gefühlte siebenundxxxxxzig Mal. Heute und mit Dstat [1] ist das achtundxxxxxzigste Mal. Das Tool, das viele Distributionen im Repository führen, tritt mit dem hehren Versprechen an, mir das neunundxxxxxzigste Mal zu ersparen und zugleich mehrere Systemreporting-Werkzeuge in Rente zu schicken [2].

Obwohl Dstat keinen Mangel an Parametern leidet, rufe ich es erst mal ohne auf. Zurück kommt jede Sekunde eine Bildschirmzeile mit den wichtigsten Systemdaten (siehe Abbildung 1). Will ich aber in die Tiefen des Netzwerks bohren, gibt es »--tcp« und »--udp« . Mit »-N eth1« begrenze ich die Ausgabe auf ein Interface. Wie für das Netzwerk gibt es für alle anderen Systemkomponenten Parameter, mit denen ich Details ans Licht hole.

Das alles ist gut und sinnvoll, aber Spaß bereitet mir Dstat, wenn ich mir die Liste der Plugins anschaue. Rund drei Dutzend davon gehören zur Entourage des Werkzeugs, darunter ein "Hello World"- und ein "Test"-Plugin, die als Sprungbretter für eigene Erweiterungen dienen. Die Plugins decken ein beachtliches Spektrum ab. Allein fünf beschäftigen sich mit MySQL, drei mit Inno DB, vier mit NFS. Andere zeigen die Wartschlangenlänge von Sendmail an oder von Postfix – hier sogar nach »incoming« , »active« und »deferred« sortiert – und vieles mehr.

Abbildung 1: Parameterlos gestartet schreibt Dstat jede Sekunde eine neue Zeile mit Messwerten aus.

Top-Favoriten

Meine persönlichen Lieblinge sind die »top« -Plugins. Sie zeigen Prozesse an, die sich in einer bestimmten Weise besonders hervortun. »dstat --top-mem« beispielsweise schwärzt jenen Prozess bei mir an, der aktuell den meisten RAM belegt. Auf meinem Desktop ist das, wenig überraschend, Firefox. Das Plugin »--top-io« offenbart den Prozess, der momentan am meisten Plattenlast erzeugt und dafür verantwortlich ist, wenn sich I/O- Operationen subjektiv träge anfühlen.

Überhaupt kann ich mit Dstat prima Zusammenhänge visualisieren. Abbildung 2 zeigt neben CPU-, Platten und Netzlast die Prozesse, die die meiste CPU-, I/O- und Speicherlast auf einem kleinen Server verursachen. Diese Ansicht ist ungemein praktisch, weil sie bei auftretender Überlast den Blick recht zuverlässig auf die Stelle lenkt, wo der Baum brennt. Leider erfordert die Ansicht einen Gang durch die Parameterhölle:

dstat -cdn -D sda -N eth0 -C total--top-cpu --top-io --top-mem -f 5

Wer die Werte grafisch aufbereiten will, freut sich vermutlich über die Möglichkeit, alle Daten kommasepariert in eine Datei zu lenken. Ob Dstat mich allerdings – wie versprochen – davon abhält, irgendwann das neunundxxxxxzigste Top- oder Stat-Tool auszuprobieren, muss die Zukunft zeigen.

Abbildung 2: Im Aufruf zwar ein Parameter-Monster, doch sorgt diese Darstellung im Überlastfall schnell für Klarheit.

Infos

  1. Dstat: http://dag.wieers.com/home-made/dstat
  2. Valentin Höbel, "Systemdiagnose von Vmstat über Netstat bis Dstat": Linux-Magazin 05/12, S. 72

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein. Zu seinen Aufgaben gehören Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ.

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