Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2013
© Klaus Rainer Krieder, Fotolia

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Extended Support: Wenn fünf bis sieben Jahre Standardsupport nicht reichen

Und läuft und läuft …

Es soll sie noch geben, die Maschinen, die einfach so Jahrzehnte lang brav ihren Dienst verrichten. Auch in der kurzlebigen IT kommt es vor, dass ein Gerät länger mit der gleichen Distribution und Version laufen muss, als ursprünglich vom Hersteller gedacht. Spätestens nach sieben Jahren wird das aber richtig teuer.

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Das Tsunami-Warnsystem im Indischen Ozean (German Indonesian Tsunami Early Warning System, GITEWS, [1]) hatte ein Problem: Wissenschaftler erzählen, schon die Entwicklung diverser Software [2] habe fünf Jahre verschlungen. Das aber sei zu lange, denn mit dem finalen Rollout 2010/11 von GITEWS erreichte das zugrunde liegende, bereits 2004 veröffentlichte Suse-Enterprise-Betriebssystem SLES 9 bereits das Ende seiner Laufzeit.

Daher haben sowohl Suse als auch Red Hat Angebote im Portfolio, die Kunden weiterhelfen, bei denen Projekte eben etwas länger dauern: Der General Support der Nürnberger verspricht zwar nur für vier Jahre Verbesserungen auf Kundenwunsch (Enhancement Requests), bis zum fünften Jahr gibt es mit Einschränkungen das so genannte Hardware Enablement. Doch ab dem sechsten Jahr kann der Kunde solche Features nur in individuellen Absprachen teuer kaufen.

Red Hat macht das prinzipiell genauso, nur heißt das Produkt anders. Was bei Suse Extended Support oder Long Term Service Pack Support (LTSS, [3], [4]) heißt, nennt Red Hat Extended Life Cylcle Support (ELS, [5], [6]). Updates und Patches gibt's als teures Add-on bei beiden für jeweils zehn Jahre (für Red Hat Enterprise Linux 4 also bis 2015, für SLES 9 bis 2014). Für die etwas neueren RHEL 5 (ab 2007) und 6 (ab 2010) bieten die Rothüte auch eine Extended Life Phase an, die die Jahre 11, 12 und 13 absichern soll (Abbildungen 1 und 2). Bis 2023 (Red Hat) oder 2019 (SLES 11) besteht also derzeit Planungssicherheit – den passenden Geldbeutel und das Vertrauen ins Überleben der Hersteller vorausgesetzt.

Abbildung 1: Gut fünf Jahre Regellaufzeit inklusive Verbesserungen und Hardware-Support, danach nur noch Updates und Patches: Suses Langzeit-Supportmodell.

Abbildung 2: Der Lebensyzklus von Red Hat Enterprise Linux 3 und 4 sieht vier Jahre normale Betriebsdauer vor. Danach müssen sich die Kunden langsam um Updates kümmern, auch wenn der Hersteller bei RHEL 5 und 6 insgesamt sogar 13 Jahre supportet.

Suse: 4 mal 1,5 = 10 Jahre ?

Jede SLES-Major-Version bekommt in ihrem Leben vier Service Packs, eines etwa alle 18 Monate – daraus ergibt sich die garantierte Laufzeit von über fünf Jahren und der General Support für sieben Jahre. Als Lifecycle von SLES definiert Suse zehn Jahre, was laut Herstellerangaben die sieben Jahre normalen Support plus drei Jahre Extended Support umfasst. Dieser LTSS erlaubt es Kunden, Projekte mit ein und derselben SLES-Release auf ein Jahrzehnt zu planen und dabei immer aktuelle Patches und Bugfixes für die installierten Pakete zu erhalten.

Wer beim Einspielen von Service Packs Probleme bekommt, kann innerhalb von sechs Monaten nach Erscheinen des SP über den Overlap Support oder innerhalb von drei Jahren über den Long Term Service Pack Support Hilfe erhalten. Laut Suse können Kunden so auf einem speziellen Service-Pack-Level immerhin fünf Jahre verweilen.

Trotzdem ist zu beachten: "Es muss den Kunden klar sein, dass sie alle fünf Jahre mindestens eine Service-Pack- und alle zehn Jahre eine Betriebssystem-Migration einplanen müssen", erklärt Simona Arsena, SLES-Produktmanagerin bei Suse. "In der Tat fragen uns immer wieder Kunden nach Zehn-Jahres-Verträgen für Rundum-Support. Das sind dann fast immer individuell maßgeschneiderte Vereinbarungen."

Zu der notwendigen SLES-Subkription komme das LTSS-Add-on, das mit knapp 60  000 Euro pro Jahr anfängt (für bis zu 100 Server) und etwas weniger als 120  000 Euro für eine unbegrenzte Anzahl Maschinen kostet. Auf System Z läppert sich der LTSS auf 100  000 Euro für fünf IFLs (Integrated Facility for Linux) oder das Doppelte für eine unbegrenzte Anzahl. Allerdings sollten Kunden in spe beachten: Diese Preise gelten pro Service Pack und beinhalten die Serviceleistungen, die [3] auflistet. Angesichts der Verdienstmöglichkeiten verwundert es nicht, dass Suse das Produkt aktiv bewirbt und gerne Kunden in die LTSS-Palette aufnimmt.

Red Hat nur fürs Image?

Red Hat scheint das ein wenig anders zu sehen, zumindest gibt man sich bedeckt, was die Preise angeht und verweist auf Anfragen auf die reichhaltigen Informationen auf den Webseiten. Details zum Lebenszyklus der Produkte und der damit verbundenen Dienstleistungen nennt [7]. Red Hat rät dazu, alte, nicht upgradebare Systeme zu virtualisieren und lockt mit Support dafür.

RHEL 3 bekommt beispielsweise seit 2007, RHEL 4 seit 2011, RHEL 5 ab 2014 und Version 6 ab 2017 keine Hardware-Unterstützung mehr – außer die für den Betrieb in virtualisierten Umgebungen nötige. Auch Kunden, die eine Minor-Release wie 6.1 länger verwenden wollen, können dies mit Support von Red Hat tun, wenn sie das Add-on Extended Update Support (EUS) ihrer bestehenden Subskription hinzufügen.

Eine Presseanfrage des Linux-Magazins beantwortet der Hersteller zaghaft: Das Kerngeschäft sei das Subskriptionsmodell, mit der engen Bindung zwischen Kunde und Red Hat, aus "dem sich in der Regel automatisch auch Unterstützung und Hilfe für längere Zeiträume ergeben". Die Subskriptionen seien auch nicht an eine Version, Architektur oder ein Produkt gebunden, sondern machen jederzeit Updates und Upgrades möglich. Aktive Werbung für das Produkt Langzeit-Support schaut anders aus. Offenbar bietet der Marktführer das eher widerwillig an, auch Preise oder Referenzkunden sind nicht in Erfahrung zu bringen.

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