Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2013
© Sean Pavone, 123RF.com

© Sean Pavone, 123RF.com

Die freie Groupware Kolab erneuert Webmailer und Synchronisation

Willkommene Nummer

Kurz vor Redaktionsschluss brachten die Entwickler des Open-Source-Groupware-Servers Kolab die lange erwartete dritte Version auf den Markt. In der finden sich große Neuerungen: Installation und Web-GUI sind deutlich verbessert, der Webmailer Roundcube ersetzt Horde, und Syncroton versorgt Smartphones.

801

Wenn das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik seine Finger im Spiel hat, kommt eher selten etwas Schlechtes dabei heraus. Und auch der 2002 von der Sicherheitsbehörde mitinitiierte Groupware-Server Kolab [1] erfreute sich lange Zeit großer Beliebtheit unter Open-Source-Fans. Von den Outlook-Konnektoren abgesehen nutzt er ausschließlich freie Standardkomponenten wie Cyrus, Open LDAP, Postfix, Apache und viele andere etablierte Projekte, um sie zu einem Bündel zu schnüren, das dreierlei Clients bedienen will: Browser, Outlook und KDE-Kunden, also das Web, Windows und Linux.

Unter der Haube werkelt eine Engine, die fast alle Daten in Klartext-E-Mails hinterlegt, vom Kalendereintrag über den Kontakt bis zur simplen E-Mail. Wo andere Groupwares Datenbanken einsetzen, kommt Kolab mit einem Cyrus-IMAP-Store und einem LDAP-Verzeichnisdienst einfacher über die Runden. Bis zuletzt erledigte Open LDAP diese Dienste, ab Version 3 hat sie der 389 Directory Server [2] übernommen.

Neu in Version 3

Ebenfalls neu in der dritten Ausgabe ist der Webmailer Roundcube [3], der das in der Vergangenheit immer wieder für Ärger sorgende Horde-Framework ablöst. Und Kolab 3 bringt dank Syncroton [4] standardmäßig auch die Anbindung für mobile Geräte via Microsofts Active-Sync-Protokoll.

DELUG-DVD

Auf der Delug-DVD finden Sie eine virtuelle Maschine mit Kolab 3, die die Entwickler eigens fürs Linux-Magazin angepasst haben.

Für die Daten nutzt Kolab 3 ein neues Format: Kolab V3 XML [5]. Server-Side-Akonadi [6], die angekündigte, technisch reizvolle, aber anspruchsvolle Implementierung des Such- und Indizierungsdienstes des KDE-Projekts, hat es nicht in Version 3 geschafft, soll aber in kommenden Ausgaben den Datenbestand automatisch scannen und indizieren und so schon vor dem Start des Mailclients alle Indizes für schnelle Suchanfragen parat halten.

Professionellen Support und Kolab-Know-how bietet seit 2010 die Firma Kolab Systems [7]. Weil sie zahlreiche Kolab-Developer als Angestellte beschäftigt, bietet sie auch individuelle Implementierungen oder Erweiterungen der Groupware-Suite an. Wenig überraschend, aber nicht minder lobenswert, stammt dann auch der Löwenanteil der mittlerweile sehr umfangreichen Dokumentation [8] von Mitarbeitern von Kolab Systems.

Die Anleitungen decken den kompletten Installations- und Konfigurationsprozess des Servers ab, nur beim Anbinden der externen Desktop-Clients muss sich der Anwender noch selbst auf die Suche machen und wird meist im Wiki auf der Kolab-Webseite fündig. Auch zwei Artikel in Linux-Magazinen der vergangenen Jahre beschäftigen sich mit den technischen Details [9] und einem Vergleich mit den Alternativen auf dem Markt für Linux-Groupware [10].

Die Installation – überraschend einfach

Wer die Delug-DVD zur Hand hat, kann den nächsten Abschnitt getrost überspringen und einfach die dort enthaltene Kolab-VM via KVM starten. Die Entwickler empfehlen auf Nachfrage für Tests und produktive Installationen Cent OS als Basis, obwohl das Team jetzt auch Debian-Pakete bereitstellt. Gut, dass die Open-PKG-Zeiten vorbei sind, denn das unbeliebte, mittlerweile ohnehin proprietäre Format sorgte für viel Ärger und verhinderte früher jede Distributionsintegration von Kolab.

Heute installiert der interessierte Admin einige Repositories auf seinem Cent OS (Listing 1 zeigt die dafür nötige Befehlssequenz) und zieht dann mit einem beherzten »yum install kolab« 274 Pakete in gut 200 MByte nach. Alle Beispiele in diesem Artikel entstanden mit der letzten Beta von Kolab 3 auf Cent OS 6.3.

Listing 1

Kolab auf Cent OS installieren

01 uname -a
02 yum install yum-plugin-priorities
03 wget http://mirror.kiewel-online.ch/epel/6/i386/epel-release-6-8.noarch.rpm
04 yum install wget
05 wget http://mirror.kiewel-online.ch/epel/6/i386/epel-release-6-8.noarch.rpm
06 yum localinstall epel-release-6-8.noarch.rpm
07 yum install http://mirror.kolabsys.com/pub/redhat/kolab-3.0/el6/development/i386/kolab-3.0-community-release-6-2.el6.kolab_3.0.noarch.rpm  http://mirror.kolabsys.com/pub/redhat/kolab-3.0/el6/development/i386/kolab-3.0-community-release-development-6-2.el6.kolab_3.0.noarch.rpm
08 yum install kolab

Bevor er die Setup-Routine von Kolab startet, muss er sich noch um die Security-Funktionen von Cent OS kümmern: Das Red-Hat-Pendant aktiviert standardmäßig SE Linux und eine Firewall – beides muss der Admin entweder für Testzwecke deaktivieren oder analog zur Installationsanleitung [7] konfigurieren. Das Gleiche gilt für die Namensauflösung: Reverse DNS muss funktionieren, sonst bereiten viele Funktionen Probleme. Ist das alles erledigt, startet »setup-kolab« den länglichen Dialog, mit dem die Kolab-Entwickler den Server und seine zahlreichen Komponenten einrichten (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Setup-Kolab bringt eine textbasierte Installation und verlangt vom Admin außer etwas Durchhaltewillen beim Eingeben von Passwörtern nicht viel.

Aber der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen, in der Regel muss der Admin lediglich seinen Benutzernamen, die Domäne und die Passwörter eingeben – fertig. Dass dabei nach wenigen Minuten ein funktionierender Groupware-Server mit Webmailer und Active-Sync entsteht, der schon out of the Box mit fast allen Browsern und Smartphones funktioniert, überrascht angesichts der Geschichte von Kolab sehr.

Erwies sich die Installation bisher oft als ein mittleres Problem, so ließe sich in Version 3 nur das monotone und fehlerträchtige Eintippen der Admin-Passwörter (Kolab selbst, IMAP, LDAP, SQL-Datenbank für Roundcube und so weiter) bemängeln. Ein zentrales Passwort könnte helfen, brächte aber auch Risiken.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Kolab 3.1 I-Rony

    Offene Standards und Open Source sind das Dogma der Groupware Kolab. Die aktuelle Alpha der kommenden Version 3.1 erweitert mit den Protokolle Caldav und Carddav die Zahl der kompatiblen Clients immens: Bald sollen so Kolab-Daten auch auf I-OS, Mac OS X, Thunderbird und Evolution kommen.

  • Kolab-Live CD mit Horde auf Suse-Basis

    Auf der Mailingliste des Kolabprojektes hat ein Announcement für Aufsehen gesorgt, das die Verfügbarkeit einer Suse-basierten Live-CD mit einem voll funktionsfähigen Kolab Groupware-Server verkündet.

  • Server-Side Akonadi: Kolab 3 kommt im Herbst

    Am Rande der Akademy der KDE-Entwickler in Tallinn war es schon zu hören: Rund ums Thema Groupware tut sich was in der Desktop-Community. Zum einen soll KDE SC 4.9 endlich ein vollständig funktionierendes Kontact mitbringen, zum anderen gaben die Entwickler bekannt, Kolab 3.0 solle im Herbst diesen Jahres erscheinen.

  • Kolab gewinnt Schweizer Open Source Award

    Das Kolab-Projekt ist von der Swiss Open Systems User Group /ch/open mit dem Open Source Award 2011 ausgezeichnet worden.

  • Kolab 3.0 ist da

    Seit heute steht der freie Groupware-Server Kolab in seiner Version 3 zum Download bereit. Vor allem das neue Web-Interface für die Administration, aber auch der Webmailer Roundcube und die automatische Anbindung mobiler Geräte gehören zu den interessantesten Neuheiten.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.