Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2013
© xalanx, 123RF.com

© xalanx, 123RF.com

Unbeachtete Bugreports

Frust-Pakete

Unklare Zuständigkeiten für Softwarepakete, unbearbeitete Bugreports: Der Knoppix-Erfinder Klaus Knopper schreibt sich von der Seele, was ihn an der Open-Source-Gemeinde ärgert.

553

Open Source gilt als eine bessere Welt, in der alle einander helfen. Manchmal habe ich aber ganz anderes Verhalten erlebt. Deshalb möchte ich der Idealvorstellung ein paar Erfahrungen aus der Realität entgegenhalten, die anderen helfen sollen, Enttäuschungen zu vermeiden.

Auf der Suche

Wer hilft bei Fragen oder Problemen mit freier Software? Der sicherste Weg, um jemanden zu erwischen, der zuständig ist, weil er das Programm mitgeschrieben hat oder sich als Maintainer für das entsprechende Softwarepaket betätigt, ist das Bugtracking-System der verwendeten Distribution oder die jeweilige Developer-Mailingliste.

Das verdienstvolle Debian-Projekt, auf dem mein Live-Linux Knoppix [1] beruht, empfiehlt explizit, nicht den Autor des Programms selbst anzuschreiben, sondern immer den Debian-Paketmaintainer [2]. Das soll es dem Paketpfleger ermöglichen, die Fehler zu sammeln, richtig zu kategorisieren, möglicherweise selbst Patches zu entwickeln und an Upstream zu schicken, also den Originalautor der Software. Dieses Vorgehen soll den Fehler auch für alle anderen Distributionen beheben.

Prinzipiell ist dieses Verfahren sicherlich sinnvoll. Wenn ich mir allerdings die langen Listen der ausstehenden Bugfixes für manche Programmen ansehe, frage ich mich, welcher Anwender so viel Zeit hat, um auf die Behebung aller Fehler im Upstream zu warten.

Reportbug

Um die Fehlermeldungen zu kanalisieren, bringt Debian sogar ein eigenes Softwarepaket namens »reportbug« mit (siehe den Kasten "Bugreporting in Debian"). In der Praxis sieht dessen Anwendung leider so aus: Zunächst muss der hoch motivierte Anwender, der etwa einen Bug in Mkisofs melden möchte, sich durch stolze 102 "noch ausstehende Fehlerbehebungen" kämpfen, um festzustellen, ob der Fehler überhaupt neu ist. Danach ist er angehalten, einen Bugreport in bestem Englisch zu formulieren und mit einem Texteditor wie Emacs oder Vi einzugeben. Für Anfänger empfehlenswert: »export EDITOR=nano« .

Bugreporting in Debian

Der offiziell empfohlene Weg zum Bugreporting in Debian [2]:

1. Mit »dpkg -S `type -p Kommando`« herausfinden, zu welchem Paket das fehlerhafte Programm gehört.

2. Fehlerliste des Pakets per Web oder Reportbug durchforsten.

3a. Falls der Fehler bekannt ist, an mailto:Fehlernummer@bugs.debian.org eine Ergänzung schicken, wenn möglich via Reportbug.

3b. Falls der Fehler neu ist, an mailto:submit@bugs.debian.org melden, allerdings ist ein spezielles Format einzuhalten.

4. Auf Antwort des Paket-Maintainers warten.

Am Ende dieser Mühen wird er aber unter Umständen feststellen, dass Reportbug die Meldung gar nicht abschicken konnte, da es sie direkt per SMTP-Protokoll an den Mailserver des Debian-Projekts zustellen will. Das erlauben aber viele Netzwerke nicht und vereiteln den Versuch per Firewall, da auch Trojaner gerne direkte Verbindungen zu einem SMTP-Port aufmachen, um sich zu verbreiten. Nun liegt eine Textdatei mit dem sorgfältig generierten Bugreport in einem Temporärverzeichnis und lässt sich nicht versenden.

Wenn der Anwender jetzt noch nicht genug hat und etwas Zeit mit Recherche verbringt, findet er vielleicht einen Web-Gateway zu Debians Bugtracking-System. Das Webformular erlaubt oft nur, Bugreports zu bearbeiten oder zu ergänzen, für neue müsste der Anwender Informationen von seinem Rechner sammeln, die nur Reportbug zusammenstellt.

Als Workaround schickt der mittlerweile recht strapazierte Anwender die Textdatei mit dem zuvor generierten Report per Mail an die Adresse, die in einer der vielen Statusmeldungen stand. Wenn das klappt, bekommt der Paketmaintainer eine Nachricht und der Anwender selbst Feedback, sobald sich etwas bezüglich seines gemeldeten Fehlers tut.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Knoppix

    Für eine personell dünn besetzte Linux-Distribution wie Knoppix sind zehn Jahre ein beachtliches Alter. Klaus Knopper blickt darum mit Freude zurück und hat soeben die Version 6.4 zusammengestellt. Die besteht als Hommage an die Community ausschließlich aus freier Software.

  • Knoppix 7.6.0 veröffentlicht

    Klaus Knopper hat die neue Version 7.6.0 seines von DVD oder USB-Stick bootbaren Linux veröffentlicht. Rund 3500 Softwarepakete sind auf der DVD-Version enthalten.

  • Knoppix 7.0

    Zur Cebit bringt Klaus Knopper stets eine Release seiner Distribution heraus – abermals exklusiv in der DELUG-Ausgabe dieses Linux-Magazins. In dem folgenden Artikel erzählt er, welche herausragenden Dinge die runde Nummer 7.0 rechtfertigen.

  • Knoppix 7.1

    Zur Cebit bringt Klaus Knopper stets ein neues Knoppix heraus, 2013 abermals exklusiv in der DELUG-Ausgabe dieses Linux-Magazins. Hier erläutert er, unter welches Motto er die Nummer 7.1 gestellt hat.

  • Knoppix 7.5

    Prof. Klaus Knopper stellt kurz vor der Cebit 2015 seine Knoppix 7.5 Linux-Magazin Edition vor. Im Artikel gibt er gleich selbst Einblicke in Distributions-Interna, beschreibt die neu hinzugekommenen Features und erzählt von seinen Schwierigkeiten mit Systemd.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.