Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2013
© Benicce, Fotolia

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Fünf Tools für bootfähige USB-Sticks

Windige Starthilfe

Zahlreiche Spezialwerkzeuge verfrachten Linux-Distributionen auf USB-Installationsmedien. Einige davon verwalten sogar mehrere Systeme und persistente Images als Datenspeicher auf dem Medium. Diese Bitparade stellt fünf Tools vor – richtig gut ist nur eines.

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DVD- und CD-Laufwerke gehören zu einer langsam aussterbenden Spezies. Insbesondere mobile Geräte füttern Anwender meist nur noch über USB-Buchsen. Um Linux auf solche Computer zu bringen, muss folglich ein passend präparierter USB-Stick her. Der hat auch noch den Vorteil, dass er als Livesystem bootet, so ist im Notfall ein Rettungsmedium stets griffbereit. Den Transfer auf den Stick übernehmen darauf spezialisierte Werkzeuge, die sich hinsichtlich Funktionsumfang und Bedienung deutlich voneinander unterscheiden.

Im Test treten der Fedora Live USB Creator [1], Multisystem [2], der Ubuntu Startmedienersteller [3], Unetbootin [4] und USB Image Writer [5] zum Vergleich an. Alle Tools kopieren eine CD, DVD oder ein ISO-Image auf den USB-Stick und machen diesen bootfähig. Einige löschen den Stick dazu komplett, andere nutzen auch vorhandene Partitionen. Als einziger Kandidat versammelt Multisystem mehrere Distributionen auf dem USB-Medium und produziert Multiboot-Sticks – ein Feature, das theoretisch auch das Programm Multiboot USB bereitstellt (siehe Kasten "Getestet und für schlecht befunden").

Getestet und für schlecht befunden

Die Tester schauten sich für den Artikel auch die beiden Programme Multiboot USB [10] und den Suse Studio Imagewriter [11] an. Ersteres verspricht, gleich mehrere Distributionen auf einem Stick zu versammeln und die fertige Installation per Knopfdruck in Qemu zu testen. Die Homepage bietet Pakete für Archlinux, Fedora, Mandriva, Mageia, Open Suse, Debian, Ubuntu, Slackware und Windows-Systeme an. Wer die Anwendung selbst bauen möchte, der sollte auch den Gambas-Interpreter [12] in Version 3 installieren, denn Multiboot USB ist ungewöhnlicherweise in Basic programmiert.

Auf dem Suse-Rechner (Open Suse 12.2) fanden die Tester keine Gambas-Pakete im Repository. Zwar ist es möglich, Gambas 3 selbst zu kompilieren, dem Programm Multiboot USB hilft dies jedoch nicht. Es verweigerte mit der Meldung »gbr3: no project file in './multibootusb.gambas'« den Start. Der gleiche Fehler tauchte unter Fedora 18 auf. Dort fordert das Multiboot-USB-Paket zusätzlich ein Paket namens »mount« als Abhängigkeit, das aber nicht existiert. Ein letzter Versuch unter Ubuntu scheiterte ebenfalls. Ein Blick in die Foren und Mailinglisten zeigt, dass offenbar viele Benutzer derartige Probleme mit der Software haben, weshalb der Einsatz nicht zu empfehlen ist.

Auch der Suse Studio Imagewriter scheiterte und stürzte auf den Testrechnern immer wieder mit einem Speicherzugriffsfehler ab. Zu finden ist das Tool im Paket »usb-imagewriter« . Laut Dokumentation kann es eine einzige ISO-Datei auf einen Stick schieben. Bei dieser muss es sich zudem um ein Hybrid-Image handeln. Nach dem Kopiervorgang zeigt das USB-Medium zwar eine Partition, in die exakt die Inhalte des ISO-Image passen; der restliche Platz bleibt jedoch unpartitioniert.

Da ein vom Stick gestartetes Livesystem vollständig im Hauptspeicher läuft, gehen beim Beenden zwangsläufig alle nachinstallierten Programme, persönliche Einstellungen und Dokumente verloren. Bis auf den USB Image Writer verwalten daher alle getesteten Programme einen persistenten Bereich, der solche Daten aufnimmt. Die Größe darf der Benutzer selbst bestimmen, muss aber darauf achten, dass der Stick ein Dateisystem enthält, das zum jeweiligen Tool passt. Die meisten bevorzugen FAT32 oder eine Ext-Variante; NTFS funktioniert in keinem Fall. Entscheidet sich der Anwender für FAT32, sollte er die 4-GByte-Grenze selbst im Auge behalten, denn außer dem Startmedienersteller von Ubuntu weist keine Anwendung darauf hin.

Die Bitparade schaut ebenfalls nach dem Benutzerinterface, dem eingesetzten Bootmanager und Testmöglichkeiten für fertige Sticks. Dazu gehört die Überprüfung der Checksumme eines Image genauso wie eine Funktion im Programm, die ein USB-Medium unkompliziert in einer virtuellen Maschine bootet. Tabelle 1 fasst alle Ergebnisse noch einmal übersichtlich zusammen.

Tabelle 1

Tools und Funktionen im Überblick

Name

Fedora Live USB Creator

Multisystem

Ubuntu Startmedienersteller

Unetbootin

USB Image Writer

Multiboot USB

Suse Studio Imagewriter

GetesteteVersion

3.11.7-2.fc18

2012-05-02

usb.creator-gtk-0.2.40ubuntu1

575 und 583

1.0.3 (Mint),0.1.3 (Ubuntu)

6.0

1.9-7.5.1

Distributionen

Fedora

viele verschiedene

Ubuntu und Derivate

viele verschiedene

beliebige

viele verschiedene

beliebige

Rootrechte nötig

ja

ja

nein

ja

ja

ja

ja

GUI/Kommandozeile

ja/ja

ja/nein

ja/nein

ja/nein

ja/nein

ja/nein

ja/ja

Mehrere Systeme (Multiboot)

nein

ja

nein

nein

nein

ja

nein

Kopiert CDs/DVDs

nein

nein

ja

nein

nein

nein

nein

Kopiert ISO-Dateien

ja

ja

ja

ja

ja

ja

ja

Bootmanager

Syslinux/Isolinux

Grub 2

Syslinux

Syslinux

keiner

Grub 2

keiner

Persistente Datei

ja

ja

ja

ja

nein

nein

nein

Images nachbearbeiten

nein

nein

nein

nein

nein

nein

nein

Löscht automatisch kompletten Stick

nein

nein

nein

nein

ja

nein

ja

Vorabtest auf defekte Images (Checksummen-Vergleich)

ja (ja)

nein (nein)

nein (nein)

nein (nein)

nein (nein)

nein (nein)

nein (nein)

Stick aus Anwendung heraus in VM testen

nein

ja (Qemu und Virtualbox)

nein

nein

nein

ja (Qemu)

nein

Gesamtnote

ausreichend

gut

ausreichend

befriedigend

mangelhaft

ungenügend

ungenügend

Fedora Live USB Creator

Fedora enthält ein auf die Distribution zugeschnittenes Tool namens Live USB Creator, das reine Fedora-Varianten inklusive der Lernumgebung Sugar on a Stick [6] auf das USB-Medium bringt. Eine Windows-Version ist auf der Projektseite im Angebot [1]. Unter Linux installieren Anwender das Paket »liveusb-creator« aus den Repositories. Das Programm erfordert Rootrechte, die es beim Start über das Menü selbstständig anfordert.

Wer keine grafische Arbeitsumgebung zur Verfügung hat, der setzt den Live USB Creator auf der Shell zusammen mit »sudo« ein. Hinter der Option »-c« geben Anwender alle Einstellungen als Aufrufparameter an; Näheres verrät »liveusb-creator --help« .

Das GUI ist nahezu selbsterklärend (siehe Abbildung 1): Unter »Target Device« wählen Benutzer die Gerätedatei des USB-Mediums aus, entscheiden sich dann für eine Fedora-Variante zum Download oder über »Browse« für ein vorhandenes ISO auf der Festplatte (etwas unglücklich betitelt mit »Use existing Live CD« ). Mehrere Systeme nebeneinander sind nicht möglich. Als Bootmanager kommt Syslinux/Isolinux zum Einsatz.

Abbildung 1: Der übersichtliche Fedora Live USB Creator kommt nur mit Fedora-Images zurecht.

Über einen Schieberegler definieren Anwender die Größe einer persistenten Datei, die persönliche Einstellungen und Daten der Benutzer aufnimmt. Der Stick muss dazu ein FAT32-, Ext-2/3/4-Dateisystem enthalten. Auf die Größenbeschränkung von 4 GByte bei FAT32 achten Anwender allerdings am besten selbst; das Werkzeug bietet hierfür keinerlei Unterstützung und bricht beim Überschreiten der Grenze später mit einer Fehlermeldung ab.

Es ist nicht möglich, Images nachzubearbeiten. Dafür behandelt der Live USB Creator angestöpselte Medien mit Vorsicht und erlaubt die Installation, ohne den Stick vorher zu formatieren. Das Fedora-Werkzeug überprüft heruntergeladene oder lokale ISO-Images mit einem Checksummen-Vergleich auf Fehler hin. Einen fertigen Stick testen Anwender in Qemu, bevor sie ihn auf echte Hardware loslassen oder den Rechner neu starten. Eine Schaltfläche in der Anwendung gibt es dafür nicht; Benutzer rufen Qemu dazu von Hand auf.

Multisystem

Wer den zweiten Testkandidaten herunterladen möchte, der muss sich zunächst durch rein französischsprachige Internetseiten klicken. Multisystem [2] selbst spricht später glücklicherweise Deutsch. Fertige Pakete stehen nur für Ubuntu und Debian bereit. Eine französische Installationsanleitung finden Anwender unter [7]. Der Quellcode lagert auf Sourceforge [8]. Dort erhalten Nutzer auch ein Livesystem, das zwar direkt Multisystem startet, aber noch auf der veralteten Ubuntu-Version 11.04 basiert.

Nach dem Programmstart wählen Anwender zunächst die Sprache, eine Farbe für die Benutzeroberfläche (»Theme« ) und den zu befüllenden USB-Stick aus (siehe Abbildung 2). Anschließend fordert Multisystem das Rootpasswort an. Benutzer definieren nun optional einen Namen für den USB-Stick und installieren dort den Bootmanager Grub 2. Multisystem bringt auf Wunsch mehrere Distributionen unter. Die in [9] veröffentlichte Liste ist erfreulich umfangreich.

Abbildung 2: Beim ersten Start richten Anwender Multisystem ein. Die bunten Kugeln definieren die Farbgebung der Benutzeroberfläche.

Multisystem arbeitet ausschließlich mit ISO-Images zusammen. Diese wählen Anwender per Klick auf den großen grünen Knopf aus oder fügen sie per Drag & Drop zum Hauptfenster hinzu (siehe Abbildung 3). Die Auswahl per Maus ist fummelig: Im Datei-Auswahldialog dürfen Nutzer nicht einfach die Datei markieren und auf »Erstelle« klicken. Stattdessen doppelklicken sie das ISO und fügen es so einer Liste am linken Rand hinzu. Erst danach schiebt Multisystem über »Erstelle« ein Image nach dem anderen auf das USB-Medium.

Abbildung 3: Multisystem-Anwender dürfen ISO-Images per Drag & Drop ins Hauptfenster ziehen.

Im Hauptfenster legen Anwender bis zu zwei persistente Dateien an, eine für das komplette System und eine weitere, in der nur die persönlichen Daten landen, also das Homeverzeichnis. Dies verschlüsselt Multisystem sogar auf Wunsch – das gefällt gut. Weniger gut gelöst ist, dass Statusmeldungen in einem eigenen Textfenster erscheinen, dessen Meldungen man allzu leicht übersieht. Dort stellt das Werkzeug auch Rückfragen, zum Beispiel die nach dem Rootpasswort.

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